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Religion im öffentlichen Diskurs der postsäkularen Gesellschaft
eine Framing-Analyse des medialen öffentlichen Diskurses über die rechtliche Gleichstellung homosexueller Partnerschaften in österreichischen Tageszeitungen
Valerie Uhlmann
Art der Arbeit
Magisterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Betreuer*in
Jürgen Grimm
DOI
10.25365/thesis.34663
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29261.24608.646170-6
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Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die Vorstöße in die Richtung der rechtlichen Gleichstellung homosexueller Personen füh-ren zu kontroversen medial vermittelten Debatten. Vor allem wenn es um die Bereiche der Ehe und Adoption geht, melden sich dabei immer wieder religiöse VertreterInnen kritisch zu Wort. In demokratischen Gesellschaften stellt sich dabei die Frage des Umgangs mit religiösen Werthaltungen. Jürgen Habermas (2008) spricht sich im Rahmen seiner Theorie der postsäkularen Gesellschaft für die konstruktive Einbindung religiöser BürgerInnen und ihrer Überzeugungen in den Prozess demokratischer Willensbildung aus. Es sei das Recht gläubiger BürgerInnen ihre Stellungnahmen im demokratischen Diskurs religiös zu be-gründen, also in religiöser Sprache vorzubringen. Von säkularen BürgerInnen sei es zu erwarten, diese in eine öffentlich zugängliche zu übersetzen. Das deliberative Modell von Öffentlichkeit erhebt den normativen Anspruch einer möglichst ausgewogenen Einbezie-hung von AkteurInnen des politischen Zentrum und der Zivilgesellschaft in den öffentli-chen politischen Diskurs. Die durch moderne Massenmedien hergestellte Öffentlichkeit bietet potentiell die Möglichkeit eines breit geführten gesellschaftlichen Diskurses.
Vor diesem Hintergrund untersuchte die vorliegende Magisterarbeit die Berichterstattung über das Thema der rechtlichen Gleichstellung homosexueller Paare in den Bereichen Ehe und Adoption im Zeitraum Mai 2013 bis Mai 2014 in österreichischen Tageszeitungen. Dabei stellten sich die Frage, inwiefern religiöse AkteurInnen in den Diskurs eingebunden sind, welchen Platz religiöse Themen in der Berichterstattung einnehmen, wie religiöse AkteurInnen das Diskursthema im Vergleich zu anderen AkteurInnen bewerten und welche Rolle dabei religiös begründete Positionen spielen.
Unter Zuhilfenahme der Methode der standardisierten Inhaltsanalyse und unter Bezug auf den öffentlichkeitstheoretischen Framing-Ansatz wurden auf Artikelebene die Rahmung des Diskursthemas durch Themen, AkteurInnen und Tendenzen untersucht. Zum anderen wurden auf der Ebene von Akteursaussagen Tendenzen sowie die in Positionen und deren Begründungen enthalten Frames untersucht.
Die Ergebnisse der Untersuchung zeigten, dass sich der normative Anspruch einer mög-lichst breiten Einbindung zivilgesellschaftlichen AkteurInnen am Beispiel des printme-dienvermittelten Diskurses über die Homosexuellen-Ehe und -Adoption insgesamt nicht erfüllte. Im Vergleich mit anderen VertreterInnen der Zivilgesellschaft, hatten jedoch VertreterInnen des religiösen Bereichs, und dabei vor allem jene die der katholischen Kir-che zuzuordnen sind, eine starke Stimme. VertreterInnen anderer Kirchen und Religions-gesellschaften traten kaum in Erscheinung. Auch als Thema nahm Religion keine unwe-sentliche Stellung in der Berichterstattung ein. Die Bewertung des Diskursthemas fiel bei religiösen AkteurInnen mehrheitlich negativ aus, während die Bewertungen im Diskurs insgesamt überwiegend positiv ausfielen. Als Begründungsrahmen ihrer Positionen spielte der Frame von Religion und Transzendenz bei VertreterInnen des religiösen Bereichs zwar eine eher wichtige Rolle, insgesamt zeigte sich jedoch, dass diese ihre Stellungnahmen auf vielfältigere Weise begründen als allein durch Religion. Ebenso zogen teilweise auch Ak-teurInnen anderer Gesellschaftsbereiche Religion als Begründung ihrer Positionen heran.
Abstract
(Englisch)
The approach towards the legal equalisation of homosexuals lead to controversial debates in the media. Especially when it comes to the topic of marriage and adoption representati-ves of churches and religious groups declare their critizism. In democratic society this rai-ses the question of handling religious values. Jürgen Habermas (2008) argues in his theory of postsecular society to involve religious citizens and their beliefs in the process of for-ming the democratic will. Religious citizens sould have the right also to base their state-ments on religious grounds, or in the words of Habermas, to submit them in the language of religion. Also he request the secular citizens to translate it to a language that is publicly available. The deliberative model of public raises the normative claim for a well-balanced integration of agents of the political center and agents of the civil society in the public poli-tical discourse. The massmedia provide the opportunity to establish the public sphere for a widely held discourse.
Against this background the masterthesis in hand examines the news coverage in austrian daily newspapers about the topic of legal equality of homosexual relationships in the field of marriage and adoption in the period of may 2013 to may 2014. The research was led by following questions: to what extent are religious agents involved in the discourse, what amout of space do religiously connotated topics have, how do religious agents value the topic of discourse compared to other agents and wich role do religious grounds play for their statements in the discourse?
Using the methods of standardised content analysis and the framing approach that is based on the theory of public sphere, on the one hand the framing of topics, agents and tenden-cies was analysed on article-level. On the other hand the framing of tendencies, statements and their reasons were analysed on assertion-level.
The findings of the research show that in the case of the mediated public discourse on sa-me-sex marriage and adotion, the normative claim of a wide and well-balanced integration of all agents of civil society did not prove true. Though compared to other agents of civil society the representatives of the religious sphere of public, especially those according to the catholic church and religious associations or citizens’ initiatives, had a strong voice. Represantatives of other churches, religious groups or confessions of faith, did hardly or never make an appearance. As topic in the news coverage religion had also not a marginal-ly stance. The religious agents tendency towards the topic of dicourse was found to be pre-dominant negative, whereas the tendency in the discourse at large was majoritarian positi-ve. The frame of religion and transcendence was found to play in fact a rather important role for religious agents to base their statements in the discourse, but at large the finding show evidence that religious agents base their statements on more manifold reasons than only religion. Besides the findings indicate that agents of other social spheres at times also rely on religous reasons to base their statements.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
religion Habermas civil society framing public sphere secularisation same-sex rights deliberative postsecular discourse
Schlagwörter
(Deutsch)
Religion Habermas Zivilgesellschaft Framing Säkularisierung Homosexuellen-Rechte deliberatives Öffentlichkeitsmodell postsäkular Diskurs
Autor*innen
Valerie Uhlmann
Haupttitel (Deutsch)
Religion im öffentlichen Diskurs der postsäkularen Gesellschaft
Hauptuntertitel (Deutsch)
eine Framing-Analyse des medialen öffentlichen Diskurses über die rechtliche Gleichstellung homosexueller Partnerschaften in österreichischen Tageszeitungen
Paralleltitel (Englisch)
Religion in public discourse of postsecular society
Publikationsjahr
2014
Umfangsangabe
183 S. : graph. Darst.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Jürgen Grimm
Klassifikationen
AC Nummer
AC12147980
Utheses ID
30754
Studienkennzahl
UA | 066 | 841 | |
