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Sexueller Kindesmissbrauch und Pädosexualität
Vergleich von drei Kindesmissbrauchstätergruppen: ohne Pädophilie, mit nicht ausschließlicher und exklusiver Pädophilie
Nancy Panthen
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Psychologie
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Diplomstudium Psychologie
Betreuer*in
Reinhold Jagsch
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.35576
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29715.00333.545555-8
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Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die aktuelle Studie untersuchte 485 in Österreich straffällig gewordene Kindesmiss-brauchstäter, die seit dem 01.01.2002 an der BEST begutachtet wurden. Da es zu Straf-täterpopulationen vergleichsweise wenig Studien gibt, die diese Gruppe der Sexualstraftä-ter nicht nur deliktorientiert, sondern auch in sich genauer und differenzierter untersucht, sollte in dieser Arbeit diesem Heterogenitätsproblem entgegengewirkt werden. Auch die Einteilung in pädophil/nicht pädophil scheint für den forensischen Kontext ungenauer zu sein als bisher angenommen. So erfolgte die Einteilung nach der jeweiligen sexuellen Präferenz dieser Täter. Damit wurde die Stichprobe der Kindesmissbrauchstäter in drei Gruppen eingeteilt: Täter ohne Pädophilie, Täter mit der sexuellen Präferenzstörung Pä-dophilie, aber nicht ausschließlich, und Täter, die ausschließlich pädophile Erregungsmus-ter haben, die sog. exklusiven Täter. Diese Trennung der Gruppen wurde für alle Analy-sen dieser Arbeit beibehalten. Im ersten Teil dieser Studie wurden diese drei Gruppen nach Unterschieden hinsichtlich ihrer Tat- und Opfermerkmale untersucht, die über das Aktenstudium ermittelt wurden. Bezüglich dieser Merkmale konnten einige Unterschiede ausgemacht werden. Die exklusiven Täter waren in der väterlichen und stiefväterlichen Beziehungsart im Ge-gensatz zu den anderen beiden Gruppen stark unterrepräsentiert und standen dem Opfer vor allem in einem Bekanntenverhältnis gegenüber. Außerdem unterscheidet sich der exklusive Täter in der Form der sexuellen Ausbeutung von den zwei anderen Tätergrup-pen sowie hinsichtlich des Opfergeschlechtes, das bei dieser Gruppe zu 80 Prozent männlich ist und bei den anderen beiden Gruppen zu nahezu 80 Prozent weiblich. Die exklusiven Täter missbrauchten mehr Opfer als die anderen beiden Gruppen und zeigen die höchsten Rückfallraten. Die nicht ausschließlich pädophilen Täter haben jüngere Op-fer als die anderen beiden Tätergruppen, missbrauchten ihre Opfer am längsten und in höchster Frequenz während des Missbrauchszeitraums. Es konnte außerdem gezeigt werden, dass die exklusiven Täter mit über 30 Prozent die höchste Rate eigener Miss-brauchserfahrungen zeigen, gefolgt von den nicht ausschließlich pädophilen Tätern. Bei den nicht pädophilen Kindesmissbrauchstätern berichteten nur neun Prozent der Täter von eigenen Missbrauchserfahrungen während ihrer Kindheit. Im zweiten Teil dieser Studie wurde ermittelt, ob das Minnesota Multiphasic Personality Inventory (MMPI) sowie das Strukturierte Klinische Interview für das DSM/Achse-II (SKID-II) zwischen diesen drei Gruppen differenzieren können und einen prognostischen Nutzen hinsichtlich des einschlägigen Rückfalls für jede der drei Gruppen besitzen. Der einschlägige Rückfall wurde über Strafregisterauszüge erfasst. Die beiden klinischen Ver-fahren konnten nicht zufriedenstellend zwischen den drei Gruppen differenzieren. Nur drei Skalen des MMPI konnten signifikante Unterschiede zwischen den drei Gruppen ausmachen. Es fällt allerdings auf, dass für den Großteil der Skalen die durchschnittli-chen T-Werte mit dem Grad der pädophilen Fixiertheit steigen. Damit haben die exklusi-ven Täter das psychopathologisch auffälligste Profil. Gleiches gilt für die Persönlichkeits-störungen, die mit dem SKID-II erfasst wurden. Die exklusiven Täter haben die größten prozentualen Anteile von Persönlichkeitsstörungen, gefolgt von den nicht ausschließlich pädophilen Tätern. Innerhalb der Kindesmissbrauchstätergruppe weisen die nicht pädo-philen Täter die wenigsten Persönlichkeitsstörungen auf. Bei allen drei Gruppen kann man von erhöhten Prävalenzen psychischer Störungen im Vergleich zur Allgemeinbevöl-kerung sprechen. Signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen konnten nur in zwei Skalen des SKID-II und in drei Skalen des MMPI gezeigt werden. Auch die Vorhersage-güte bezüglich des einschlägigen Rückfalls beider Verfahren ist für die Mehrheit der Ska-len nicht zufriedenstellend. Der Großteil der Skalen konnte den einschlägigen Rückfall pro Tätergruppe nicht voraussagen. Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit, ein erneutes Se-xualdelikt zu begehen, haben die Konstrukte, die mit dem MMPI gemessen werden, in keiner Gruppe. Anders verhält es sich mit einer Persönlichkeitsstörungen, die mit dem SKID-II erfasst wurden. Hier zeigte sich die dependente Selbstbeschreibung bei der nicht ausschließlich pädophilen Gruppe als Einflussfaktor. Schlussfolgernd kann gesagt wer-den, dass es durchaus von Sinn und Bedeutung ist, in nachfolgenden Forschungsfragen sowie Interventionsfragen die heterogene Gruppe der Kindesmissbrauchstäter nach ihrer sexuellen Präferenz in Subgruppen einzuteilen, da sich gerade, wenn die Ergebnisse auch nicht in allen Skalen signifikant waren, bei den exklusiven Tätern eine auffälligere Psyche sowie ein stärker erhöhte Rückfallgefahr zeigt als bei den anderen beiden Täter-gruppen, auf die im weiteren Forschungs- sowie therapeutischen Kontext Rücksicht genommen werden sollte.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Pädophilie Sexualstraftäter Kindesmissbrauch
Autor*innen
Nancy Panthen
Haupttitel (Deutsch)
Sexueller Kindesmissbrauch und Pädosexualität
Hauptuntertitel (Deutsch)
Vergleich von drei Kindesmissbrauchstätergruppen: ohne Pädophilie, mit nicht ausschließlicher und exklusiver Pädophilie
Publikationsjahr
2014
Umfangsangabe
116 S. : graph. Darst.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Reinhold Jagsch
Klassifikation
77 Psychologie > 77.70 Klinische Psychologie
AC Nummer
AC12291777
Utheses ID
31527
Studienkennzahl
UA | 298 | | |
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