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Maschinenlärm. Über Gilles Deleuze' Begriff des anorganischen Lebens
Dirk Eckardt Lindner
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Philosophie
Betreuer*in
Arno Böhler
DOI
10.25365/thesis.35594
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29178.62733.277855-1
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Bereits der Missklang für unsere Aristotelisch-Kantischen Ohren deutet die Spannungen und Öffnungen an, die Deleuze‘ Begriff des anorganischen Lebens erzeugt. Es stört die biologische Linie, das heißt den Gedanken, dass Leben exklusiv ist und daher den Organismen ein epistemologisches aber auch ontologisches Primat eingeräumt werden muss. Diese materielle und biologische Linie steht in Resonanz, überschneidet sich und überlagert sich mit einer zweiten geistigen Linie des organischen Paradigmas; dem Organismus als Bild des Denkens. Es steckt den transzendentalen Rahmen eines Denkens ab, welches sich auf den gleichen Prinzipien wie der Organismus begründet: Gleichgewicht, Harmonie, Selbsterhaltung, Ganzheit, Zweckmäßigkeit.
Die Philosophien von Aristoteles und Kant sind zugleich Wegbereiter und Höhepunkte dieses organischen Denkens. Man muss ihnen jedoch nicht einfach widersprechen, um das Anorganische wiederzuentdecken, sondern man muss die Probleme wiederfinden, deren Lösung der Organismus ist und in diesen nach Fluchtlinien suchen. Trotz des Banns wird heute in der Philosophie nicht nur vom Anorganischen geredet, sondern Spekulative Realisten wie Neo-Vitalisten (Harman, Bennett, DeLanda) versuchen ihm seine eigene Vitalität zuzuweisen. Jedoch verlassen ihre Versuche, das Anorganische mit den vermeintlich positiven Eigenschaften (z.B. Spontanität, Autopoiesis, Teleologie) auszustatten oder das Leben in das Innere der Dinge zu verlegen, nicht den Kantischen Rahmen und subsumieren das Anorganische erneut unter die organische Dogmatik.
Freud setzt das Anorganische wieder ins Recht, wenn er ihm nicht nur temporales Primat gegenüber dem Organischen einräumt, sondern es als geheimes Telos in die Organismen verlegt, jedoch nicht, ohne diese Bewegung des Todestriebs an eine transzendentale Illusion eines ursprünglichen, entropischen Zustands des Anorganischen zu binden. Durch die Zeitphilosophie Deleuze‘ kann versucht werden, diese Illusion aufzulösen und das Anorganische nicht als Ruhe, sondern als das Schwirren der freien Intensitäten zu begreifen. Eben diese intensiven Differenzen konstituieren den Organismus, jedoch nicht ohne ihn beständig zu verschieben, zu destabilisieren und aufzulösen. Aus dieser Idee erwächst eine Philosophie des transzendentalen Ungrunds; eine synthetische Philosophie der abstrakten Maschine – ein Denken des anorganischen Lebens.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Deleuze Immanenz Leben Organismus Todestrieb Freud Zeit anorganisch Materie Tod Maschine
Autor*innen
Dirk Eckardt Lindner
Haupttitel (Deutsch)
Maschinenlärm. Über Gilles Deleuze' Begriff des anorganischen Lebens
Publikationsjahr
2015
Umfangsangabe
199 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Arno Böhler
AC Nummer
AC12295507
Utheses ID
31545
Studienkennzahl
UA | 066 | 941 | |
