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Agenturen-Denken
Leviathan als filmische Bodenprobe
Ulrike Wirth
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Diplomstudium Theater-, Film- und Medienwissenschaft
Betreuer*in
Andrea Seier
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.36473
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29342.28131.678753-3
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Für Leviathan (2012), eine Dokumentation über kommerziellen Fischfang im Nordatlantik, haben die AnthropologInnen Lucien Castaing-Taylor und Véréna Paravel im Jahre 2011 die der Küste New Bedfords vorgelagerte See aufgesucht, die bereits Herman Melville als Schauplatz für Moby Dick diente. Ausgestattet mit einem Arsenal an GoPro-Kameras, die sowohl an die Crew verteilt sowie an neuralgischen Punkten des Schiffes montiert wurden, wird hier ein Kosmos erschaffen, der Fischfang nicht als eine der ältesten Kulturtechniken des Menschen darstellt, sondern ihn als heterogenes Akteur-Gefüge von Vogel, Fisch, Mensch und Technik erfahrbar macht. Dieser Film ist der eigentliche Forschungsgegenstand meiner Diplomarbeit, welche folglich von der Forschungsfrage geleitet wird, wie und durch welche Verfahren in Leviathan versucht wurde, eine solche Gleichwertigkeit zu konstruieren. Aber ich reformuliere die Frage nach einer posthumanen ontologischen Ordnung als eine der Verteilung, als Untersuchung verteilter Handlungsmacht – als Untersuchung von ‚Agency‘. Um diese Perspektive im Close-Reading produktiv machen zu können – um ein analytisches Instrumentarium zu entwickeln – gehe ich in meinen beiden Theorieteilen zweigleisig vor und nähere mich dem Film sowohl filmwissenschaftlich wie außer-disziplinär. Im ersten Kapitel gehe ich zunächst weit zurück in die Filmgeschichte: Dass es das Medium Film ermöglicht, dem anthropozentrischen Standpunkt differente Wahrnehmungsordnungen und Existenzweisen entgegenzuhalten, steht mehr oder weniger am Anfang der theoretischen Auseinandersetzung mit Film. Unter Rückgriff auf Theorien von Béla Balázs und Jean Epstein werden menschliche und nicht-menschliche Akteure in Bild und Ton besprochen, wie auch Film als Experimentalanordnung thematisiert. Weiters kann mit einem Sprung in die Gegenwart unter Bezugnahme Lorenz Engells „Kinematographischer Agenturen“ Film nochmals genauer auf seine handelnden Instanzen hin analysiert werden. Mein zweites Kapitel entwickele ich ausgehend von der Überlegung, dass Castaing-Taylors und Paravels Versuch, Hochseefischerei als relationalen Zusammenhang heterogener hybrider Elemente wahrnehmbar zu machen, Parallelen zu Bruno Latours ethnographischem Appell aufweist: es gilt, den Gesellschaftsbegriff aufzuweiten und ohne die Dichotomie von Natur und Kultur zu operieren. In diesem Theorieteil wird auch der Terminus Agency selbst kritischer Reflexion unterzogen. Des Weiteren kann mit Leviathan, der Fischfang zwischen Praxis und Ereignis erfahrbar macht, auch eine Verknüpfung zu den ‚Neuen Materialismen‘ hier genauer zu Karen Barad, hergestellt werden. Die Überlegungen und Theoreme, die in diesen beiden Kapiteln entwickelt bzw. nachgezeichnet werden, werden im Close-Reading des Films produktiv gemacht und gleichermaßen problematisiert. Auch wenn mit Leviathan sowohl auf diegetischer, wie auf produktionstechnischer Ebene versucht wird, Handlungsmacht im Sinne einer symmetrischen Verteilung denkbar zu machen, liegen hier dennoch erhebliche Ungleichgewichte vor. Diese arbeite ich in meiner Conclusio insbesondere im Hinblick auf ‚Überzeitlichkeit‘ und ‚Historizität‘ heraus.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Agency Matter ANT Film Ethnography
Schlagwörter
(Deutsch)
Film Handlungsmacht Agentur Ethnographie Wahrnehmungsordnungen Posthumanismus Ästhetisches Wissen Neue Materialismen ANT
Autor*innen
Ulrike Wirth
Haupttitel (Deutsch)
Agenturen-Denken
Hauptuntertitel (Deutsch)
Leviathan als filmische Bodenprobe
Publikationsjahr
2015
Umfangsangabe
89 S. : Ill.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Andrea Seier
Klassifikationen
08 Philosophie > 08.41 Ästhetik ,
24 Theater > 24.31 Systematische Filmwissenschaft ,
24 Theater > 24.34 Filmgattungen, Filmsparten ,
73 Ethnologie > 73.06 Ethnographie
AC Nummer
AC12243302
Utheses ID
32328
Studienkennzahl
UA | 317 | | |
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