Detailansicht
Erfahrungslernen als theaterpädagogische Antwort auf die Herausforderungen der Kompetenzorientierung im Philosophieunterricht
theoretische Analyse und praktische Umsetzung
Anna-Lena Knebel
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Lehramtsstudium UF Spanisch UF Psychologie und Philosophie
Betreuer*in
Konrad Paul Liessmann
DOI
10.25365/thesis.37475
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29670.16875.816470-6
Link zu u:search
(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Der Anspruch dieser Arbeit besteht darin, mittels Literaturanalyse und praktischem Umsetzungsbeispiel den Beitrag von theaterpädagogischen Methoden und Erfahrungslernen zur Bewältigung der Herausforderungen, die durch die Kompetenzorientierung im Philosophieunterricht entstehen, aufzuzeigen. Innerhalb der aktuellen Bildungsdiskussionen geht es um die Erhöhung von Bildungschancen, die Verwertbarkeit von Wissen und Bildung sowie die Vergleichbarkeit von Abschlüssen. Qualitätsentwicklung und -sicherung soll mit festgelegten Bildungsstandards erreicht werden. Diese beziehen sich auf allgemeine Bildungsziele und legen jene Kompetenzen fest, welche die Schülerinnen und Schüler erreichen sollen. Durch Kompetenzorientierung und -vermittlung soll das Wissen mit dem Können vernetzt und vergleichbar gemacht werden. Der Philosophieunterricht ist von diesen Anforderungen besonders betroffen, da die einzelnen Kompetenzbereiche sowohl methodisch als auch inhaltlich explizit eingefordert werden. Urteilsvermögen, die Entwicklung persönlicher Einstellungen, Kommunikationsfähigkeit, Reflexionskompetenz und Argumentationsvermögen sind nur einige wenige Bereiche, die in Philosophie unterrichtet werden sollen. Wertediskussionen und Sinnfragen werden neben der Entwicklung von Maßstäben für verantwortliches Urteilen und Handeln behandelt. Durch einseitige Vermittlung können solche Kompetenzen nicht erlangt werden. Schülerinnen-, schüler- und handlungsorientierter Unterricht stehen folglich im Zentrum.
Die Analyse der Lehrpläne und wissenschaftlichen Veröffentlichungen zeigt, welche Herausforderungen sich für die Lehrerinnen und Lehrer ergeben. Die Ausrichtung auf Problemlösungsstrategien, den Output, die Messbarkeit und Übertragbarkeit von Wissen und Können, die Transparenz, die Schülerinnen- und Schülerorientierung sowie die Verteilung der Verantwortlichkeit werden dabei gelobt. Demgegenüber steht allerdings die Ausrichtung an den Tests und Aufgaben, der vage Begriff der Kompetenz, die Unwichtigkeit der Inhalte, die ausbleibende empirische Überprüfung der Elemente wie Kompetenzraster und vieles mehr. Die Praktikabilität wird angezweifelt. Die Kritik beachtend verstehe ich unter kompetenzorientiertem Unterricht die Einbeziehung der einzelnen Kompetenzbereiche und -dimensionen, eine schülerinnen- und schülerzentrierte Arbeitsweise sowie die Verknüpfung von Inhalt und Können. Da Kompetenzraster nicht empirisch gesichert sind und zu hohe Anforderungen an die Lehrpersonen stellen, beziehe ich sie nicht mit ein.
Kompetenzorientierter Unterricht beruht auf einer kognitiv-konstruktivistischen Lernkonzeption, die von einem selbstgesteuerten aktiven Lernprozess ausgeht. Neurobiologische Erkenntnisse zeigen, dass Inhalt und Kontext verbunden werden müssen um sinnvolles Lernen zu ermöglichen. Beide Lernkonzeptionen verweisen auf Erfahrungen die im Unterricht gemacht werden sollen. Erfahrungslernen bezieht die Sinne in den Lernprozess mit ein, wodurch der Kompetenzerwerb und das Lernen allgemein erleichtert werden. An eine solche lerntheoretische Konzeption knüpfen theaterpädagogische Methoden didaktisch an. Sie stellen den Körper als erfahrendes Element in den Mittelpunkt. Die Analyse zeigt, dass Theaterspielen im Philosophieunterricht als Medium und Mittel dient und ästhetische Bildung sowie den Kompetenzerwerb möglich macht. Die Wahrnehmungs- und Gestaltungsmöglichkeiten der künstlerischen Produktion ermöglichen besondere Erfahrungen auf Seiten der Spielerinnen und Spieler. Diese sollten aktiv in den Philosophieunterricht miteinbezogen werden. Neben der Persönlichkeitsentwicklung kommt es zur Entwicklung der eigenen Identität, Reflexivität, Wahrnehmung, Performativität, Autonomie, Perspektivenübernahme, Kreativität, Selbstständigkeit, Phantasie, Spontaneität, Interaktivität, Sozialität sowie Team- und Ausdrucksfähigkeit. Alle dargestellten Methoden: Szenisches Spielen, Rollenspiel, Ausdrucksspiel/Jeux Dramatiques und theatrales Philosophieren fördern die fünf Kompetenzbereiche: Wahrnehmen und Verstehen, Analysieren und Reflektieren, Argumentieren und Urteilen, Interagieren und Sich-Mitteilen sowie Sich-Orientieren und Handeln. Je nach Umsetzungsart kann der Schwerpunkt auf die unterschiedlichen Bereiche gelegt werden.
Das angeführte Beispiel zeigt, wie mittels Erfahrungslernen und theaterpädagogischen Methoden sinn-voll auf die Kompetenzorientierung im Philosophieunterricht eingegangen werden kann. Ich habe Müllers Problem für eine einleitende Einheit in den Themenbereich der Moral- und Gerechtigkeitstheorien auf die Schülerinnen und Schüler angepasst. Der Einstieg über die Sinne und die theaterpädagogische Erarbeitung machen kognitives, sozial-emotionales, kreativ-schöpferisches sowie psychomotorisches Lernen möglich und beziehen alle fünf Kompetenzbereiche in den Philosophieunterricht mit ein.
Abstract
(Englisch)
This thesis analyses the effects of learning by doing and benefits of theatre pedagogical methods in teaching philosophy. New requirements and changes in the education system caused by developments in competence orientation led to challenges in teaching philosophy over time. The current change in the perception of competences has a major impact on teaching methods within philosophical education. Results show that the link between knowledge and skills is facilitated by cognitive constructivist learning theory and neurobiological cognition. Thus, learning by doing can be implemented in class by theatre pedagogical methods. Moreover, implementing these methods in the classroom setting acknowledges the importance of the body as the primarily experiencing element. The focus of these methods lies on senses, perception and creation processes. Scenic playing, role playing, Jeux Dramatiques and theatric philosophy stimulate the development of personality, identity, reflexivity, phantasy, creativity, interactivity, sociality, spontaneity, independence, autonomy, expressiveness and teamwork. At the utmost, it provides learners with new perspectives.
The thesis theoretically analyses the benefits of theatre pedagogical methods in a classroom setting. In addition, it presents a teaching example which demonstrates the positive outcome for learners taught under this approach. It shows that the methods facilitate all five spheres of competences: perception and comprehension, analysis and reflection, argumentation and judgement, interaction and self-expression, orientation and action. All in all, learning by doing and theatre pedagogical methods emphasize aesthetic education, support the acquirement of skills, and enable cognitive, social-emotional, creative-constructive, as well as psycho-motorical learning.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Theaterpädagogik Erfahrungslernen Kompetenzorientierung Philosophieunterricht Didaktik Ethik
Autor*innen
Anna-Lena Knebel
Haupttitel (Deutsch)
Erfahrungslernen als theaterpädagogische Antwort auf die Herausforderungen der Kompetenzorientierung im Philosophieunterricht
Hauptuntertitel (Deutsch)
theoretische Analyse und praktische Umsetzung
Publikationsjahr
2015
Umfangsangabe
142 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Konrad Paul Liessmann
Klassifikationen
08 Philosophie > 08.00 Philosophie: Allgemeines ,
08 Philosophie > 08.38 Ethik ,
24 Theater > 24.02 Theater: Allgemeines ,
24 Theater > 24.03 Theorie und Ästhetik des Theaters ,
80 Pädagogik > 80.45 Ethische Erziehung ,
80 Pädagogik > 80.48 Ästhetische Erziehung ,
81 Bildungswesen > 81.19 Bildungspolitik: Sonstiges ,
81 Bildungswesen > 81.51 Lernprozess ,
81 Bildungswesen > 81.60 Unterrichtsprozess: Allgemeines ,
81 Bildungswesen > 81.61 Didaktik, Hochschuldidaktik ,
81 Bildungswesen > 81.65 Lehrmittel, Lernmittel: Allgemeines ,
81 Bildungswesen > 81.70 Bildungssysteme, Bildungsinstitutionen: Allgemeines
AC Nummer
AC12314837
Utheses ID
33214
Studienkennzahl
UA | 190 | 353 | 299 |
