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Beobachtungskompetenz beim Forschenden Lernen an einer inklusiven Mittelschule
Marlies Ehrenweber
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Lebenswissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Lehramtsstudium UF Deutsch UF Biologie und Umweltkunde
Betreuer*in
Franz Radits
DOI
10.25365/thesis.37693
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29254.91646.483659-1
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Im Rahmen dieser Diplomarbeit wurde untersucht, wie Schüler/innen beim Forschenden Lernen Beobachtungen durchführen.
Im ersten Teil erfolgt die Darlegung theoretischer Grundlagen sowie notwendiger Hintergründe, welche als Basis für die später folgenden empirischen Untersuchungen dienen. Dabei wird einerseits der Begriff des Forschenden Lernens definiert, welches eine handlungszentrierte Form Offenen Unterrichts ist, wobei eine praxisnahe Beschäftigung mit Wissenschaften allgemein sowie Naturwissenschaften und damit einhergehenden Arbeits- und Denkweisen erfolgt (NES, 2000). Ziele des Forschenden Lernens sind dabei die Kompetenzentwicklung sowie Förderung der Fähigkeiten von Schüler/innen. Da beim Forschenden Lernen und damit in der Lernwerkstatt oder beim Stationenbetrieb der direkte Umgang mit naturwissenschaftlichen Materialien erfolgt, wovon die Schüler/innen sehr zu profitieren scheinen, ist dieser Unterrichtsansatz gleichermaßen für Schüler/innen mit besonderen Bedürfnissen als auch für jene ohne besondere Bedürfnisse geeignet (Scruggs & Mastropieri, 1994a In: Scruggs, Mastropieri & Okolo, 2008). Folglich wird auf Forschendes Lernen mit Schüler/innen mit besonderen Bedürfnissen und warum diese von diesem Unterrichtsansatz zu profitieren scheinen sowie möglicherweise beim Forschenden Lernen auftretende Herausforderungen, welche beispielsweise aufgrund unterschiedlicher Lernfähigkeiten von Schüler/innen auftreten, näher eingegangen. Anschließend folgt eine Erklärung und Definition von Kompetenzen allgemein sowie den damit verknüpften Kompetenzmodellen, welche einerseits einen Überblick über die darin sowie die in dieser Arbeit beschriebenen Fähigkeiten geben sollen, andererseits den Bezug der Kompetenzen zu den Bildungszielen darlegen (BMBF, 2013). Der Beobachtungskompetenz, die beim Forschenden Lernen und somit für diese Arbeit von zentraler Bedeutung ist, wird hier besondere Beachtung geschenkt, indem auf die Arten von Beobachtungen, welche sich aus wissenschaftlichem, strukturiertem Beobachten im Gegensatz zu Alltagsbeobachtungen konstituiert, sowie mögliche Probleme oder Fehler während des Beobachtungsprozesses detaillierter eingegangen wird. Nach der Klärung der Begriffe Lernwerkstatt und Stationenbetrieb, die als Verständnisgrundlage für die in dieser Diplomarbeit dargestellte empirische Untersuchung als Umsetzungsmöglichkeiten Forschenden Lernens beschrieben werden, erfolgt die Darstellung der empirischen Untersuchung und deren Ergebnisse im zweiten Teil der vorliegenden Diplomarbeit.
Die empirische Forschung erfolgte am Beispiel einer Lernwerkstatt an der Inklusiven Wiener Mittelschule Lernwerkstatt Donaustadt, resultierend aus der Habilitationsarbeit von Frau Dr. Simone Abels. Dabei wurden die Daten in drei 3. Klassen mit der Methode der teilnehmenden Beobachtung, welche mittels Beobachtungsbögen, Video- und Audioaufnahmen unterstützt wurde, erhoben. Die darauffolgende qualitative Inhaltsanalyse erfolgte nach Mayring (2010), wobei die spezielle Auswertungstechnik der Zusammenfassung und die induktive Kategorienbildung zur Analyse und Interpretation gewählt wurde.
In Anlehnung an die österreichischen Bildungsstandards sowie darin verankerte Kompetenzmodelle und einige theoretische Konstrukte zum Beobachten wurde versucht, Parallelen zum Forschungsfeld herzustellen beziehungsweise Abweichungen als solche zu identifizieren und auszuweisen. Parallelen zum Forschungsfeld herzustellen meint an dieser Stelle, jene Stellen des Datenmaterials hervorzuheben beziehungsweise darauf hinzuweisen, worin beispielsweise theoretische Definitionen in den von Schüler/innen vollzogenen Beobachtungshandlungen wiedererkannt, angelegt oder widerlegt werden können beziehungsweise Schüler/innen Handlungen vollziehen, welche in den Bildungsstandards oder Kompetenzmodellen als die zu erwerbenden beziehungsweise weiterzuentwickelnden Fähigkeiten festgelegt sind und die somit zur Kompetenzentwicklung beitragen.
Eine deduktive Vorgehensweise bei der Datenanalyse kann nicht ausgeschlossen worden, obwohl diese induktiv erfolgte. Deshalb ist ein Wechsel zwischen induktiver und deduktiver Vorgehensweise gegeben. Daraus resultierten folgende Ergebnisse:
Obwohl die während der empirischen Feldforschung gemachten praktischen Erfahrungen mit den Beobachtungshandlungen der Schüler/innen viele Vergleiche mit der zugrundeliegenden und im ersten Teil dieser Arbeit dargelegten Theorie erlauben und auch manche Parallelen gezogen werden können, wird deutlich, dass die tatsächlichen, von Schüler/innen gemachten Beobachtungen beim Forschenden Lernen auch in manchen Punkten von theoretischen Definitionen und Annahmen abweichen. So beobachten Schüler/innen zum Beispiel nur ansatzweise im Sinne von wissenschaftlichen Beobachten, da sie zwar häufig vorab eine konkrete Forschungsfrage festlegen, welche es mit Hilfe von Beobachtungen zu beantworten gilt, die durch ihre Beobachtungen gewonnenen Erkenntnisse jedoch selten hinterfragen, was laut Literatur jedoch als wesentliches Merkmal der wissenschaftlich, strukturierten Methode des Beobachtens gilt (s. Kapitel 3, Abschnitt 3.5 bis 3.8).
Die bei der empirischen Forschung gewonnen Ergebnisse zu Schüler/innen-Beobachtungen lassen sich nun wie folgt zusammenfassen:
Schüler/innen beobachten, indem sie etwas betrachten, untersuchen beziehungsweise durch Anfassen und Befühlen, Hören, Schmecken oder Riechen wahrnehmen, Dinge zählen, messen oder nach verschiedenen Aspekten suchen. Zudem zeigen sie sich oftmals gegenseitig etwas, stellen Vermutungen auf und machen einander auf verschiedene Beobachtungen aufmerksam beziehungsweise tauschen sich darüber aus, wodurch sie manchmal zu neuen Erkenntnissen gelangen. Manche Schüler/innen führen Protokoll über ihre Beobachtungen oder halten diese mit Fotos fest. Zur Erkenntnisgewinnung tragen außerdem auch die angestellten Vergleiche bei, in welchen die Schüler/innen ihre Beobachtungen oder Vermutungen mit vorhandener Literatur vergleichen oder darüber im Internet nachlesen.
Die anhand der Studie zur Beobachtungskompetenz der Schüler/innen beim Forschenden Lernen gewonnen Ergebnisse erlauben zudem Parallelen zum österreichischen Kompetenzmodell Naturwissenschaften sowie den österreichischen Bildungsstandards zu ziehen. Das bedeutet, dass Forschendes Lernen zur Entwicklung und Förderung der in den österreichischen Bildungsstandards festgelegten Zielkompetenzen beiträgt.
Abstract
(Englisch)
This thesis examines pupil’s observation behavior in inquiry learning.
The first chapter deals with the theoretical basics and background knowledge, which are underlying concepts for the empirical research conducted in this thesis. First of all, the concept of inquiry learning is defined, which is an action-oriented model of open learning where pupils are confronted with a practical-oriented approach towards sciences and they are engaged in subsequent working and thinking methods (NES, 2000). Inquiry learning aims at competence development as well as it should function as a support of the pupil’s individual skills. Because of the direct contact with scientific materials which students seem to profit from in inquiry learning and especially in a “Lernwerkstatt” or station learning, this teaching method is suitable equally well for learners with or without special needs (Scruggs & Mastropieri, 1994a In: Scruggs, Mastropieri & Okolo, 2008). Subsequently, inquiry learning for learners with special needs is discussed and the reasons why pupils with special needs or disabilities seem to benefit from inquiry learning. Also, possible challenges people have to face in inquiry learning, which occur for example due to pupils’ diverse learning skills, are discussed. Then, an explanation and definition of competences in general and the related competence models, which on the one hand offer a summary of the skills described and on the other hand relate them to the Austrian educational objectives (BMBF, 2013), is given. The competence of observing, which represents a central part of inquiry learning and therefore of this thesis, is focused on by explaining the types of observing, which consist of scientific and at the same time of everyday observations, and by describing possible problems or mistakes in observation processes. After the clarification of the terms “Lernwerkstatt” and station learning, which are forms of inquiry learning and therefore a precondition for understanding the following empirical research examining the possibilities of implying inquiry learning in class, the second part of the thesis begins including the description of the empirical research and its results.
The second chapter begins with the empirical research and its outcomes. The study was developed out of the habilitation of Dr. Simone Abels and took place at the Lernwerkstatt Donaustadt, which is an inclusive secondary school in Vienna. Data was collected in three third grade classes through the participatory observation model, which was expanded with observation sheets, video and audio records. The consequent qualitative analysis followed the model of Mayring (2010), of which the particular evaluation methods “Zusammenfassung”, which is to summarize the whole data, and “induktive Kategorienbildung” were chosen as a basis for analysis and interpretation.
In dependence on the Austrian “Bildungsstandards” (educational benchmarks), the included competence models and several theoretical observation concepts, parallels were drawn to or deviations shown from the field of research. Drawing parallels means in this case, to highlight respective parts of the data in which for example theoretical definitions can be recognized, integrated or refuted in the factual observations of the learners or to point out situations in which the learners act according to the skills described in the Austrian “Bildungsstandards” or competence models and therefore contribute to the development of competences.
A deductive approach cannot be excluded although data analysis took place inductively, therefore, an interplay between inductive and deductive analysis is given. This leads to the following results: Although the practical experiences gained in the course of the empirical research allow for many comparisons to the underlying theory, which is described in the first chapter of this thesis, and also some parallels can be drawn, it is clearly shown in my research that the actual observations in inquiry learning made by learners deviate from some theoretical definitions and assumptions. For example, learners did only observe partially in the sense of scientific observation as they did often develop a concrete research question in the beginning which was to be answered with the help of observations but however, they did only occasionally question the gained knowledge which actually is, according to literature, a crucial characteristic of the scientific and structured method of observation (cf. Chapter 3, sections 3.5 to 3.8).
The research results gained through the empirical research on learners’ observations can be summarized as follows:
Pupils observe by watching, examining or touching and feeling, hearing, tasting, or smelling, counting things, measuring or searching for diverse aspects. Furthermore, they often show each other things, put up assumptions and point out diverse observations to each other or exchange about them, which leads to new insights sometimes. Some pupils protocol their observations or keep them in pictures. Also, learners’ comparisons of their knowledge with existing literature or information they find on the internet contribute to the acquisition of new knowledge.
The research results gained through the research about observation competences of learners in inquiry learning moreover allow for drawing parallels to the Austrian “Kompetenzmodell Naturwissenschaften” (competence model of science) and the Austrian “Bildungsstandards”. This means that inquiry learning contributes to the development and support of the defined target competences in the Austrian “Bildungsstandards”.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
Observing Competences Inquiry Learning Lernwerkstatt Inclusion
Schlagwörter
(Deutsch)
Beobachten Kompetenzen Forschendes Lernen Lernwerkstatt Inklusion
Autor*innen
Marlies Ehrenweber
Haupttitel (Deutsch)
Beobachtungskompetenz beim Forschenden Lernen an einer inklusiven Mittelschule
Publikationsjahr
2015
Umfangsangabe
125, XIX S. : Ill., graph. Darst.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Franz Radits
Klassifikation
30 Naturwissenschaften allgemein > 30.03 Methoden und Techniken in den Naturwissenschaften
AC Nummer
AC12317685
Utheses ID
33415
Studienkennzahl
UA | 190 | 333 | 445 |
