Detailansicht

Zum Einfluss von Agrarreformen auf die Lebenswelt österreichischer Landwirt*innen
Anne-Kristin Sus
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Internationale Entwicklung
Betreuer*in
Judith Ehlert
Volltext in Browser öffnen
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.37960
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29233.45204.812262-3
Link zu u:search
(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Anhand sich verändernder Strukturen der nationalen und globalen landwirtschaftlichen Produktion, Weiterverarbeitung und Distribution wird in der vorliegenden Arbeit der Frage nachgegangen, wie Landwirt*innen in Österreich den Einfluss von Agrarreformen auf ihre Lebenswelt wahrnehmen. Durch den Lebenswelt-Bezug soll die konkrete Agrarpraxis der Produzent*innenseite ins Zentrum gestellt werden. Diese befindet sich in einem Spannungsverhältnis zwischen dem Druck, landwirtschaftlichen Wachstums- und Liberalisierungstenden-zen nachzukommen, und dem Versuch, persönliche Vorstellungen über agrarökologisch nachhaltige Produktionsmethoden aufrecht zu erhalten. Beobachtet wurden diese Tendenzen während verschiedener Feldforschungsaufenthalte bei Milchviehlandwirt*innen in Oberösterreich sowie mehrerer politischer Kundgebungen rund um ihre Interessengemeinschaft IG-Milch. Bei der Darstellung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union werden diejenigen Reformschritte und gegenwärtigen politischen Entwicklungen hervorgehoben, welche einen wahrnehmbaren Einfluss auf die Alltagspraxis der Forschungspartner*innen haben. Durch die Abschaffung der Milchquote am 1. April 2015 erwarten letztere eine Zunahme des Exportanteils von Milchprodukten und des Verdrängungswettbewerbs unter bäuerlichen Betrieben. Dieser könnte den landwirtschaftlichen Strukturwandel dahingehend verstärken, dass kleinstrukturierte bäuerliche Milchviehbetriebe vermehrt zur Aufgabe gezwungen werden. Auf individueller Ebene werden für die Forschungspartner*innen durch diese Prozesse Entwertungsmechanismen sichtbar, die zur Folge haben, dass Erzeugerpreise erhöhten Schwankungen ausgesetzt sind. Zudem erhärten sich Abhängigkeitsstrukturen bezogen auf landwirtschaftliche Subventionszahlungen und das Marktgeschehen. Durch diese ergeben sich potentiell konfliktreiche Schnittstellen sowohl zwischen den Landwirt*innen selbst, als auch zwischen Produzent*innen und deren Interessensvertretungen, politischen Entscheidungsträger*innen und Vertreter*innen des Handels. Den verschiedenen Herausforderungen des Agrarsystems begegnen die Forschungspartner*innen etwa durch die Veränderung ihrer Produktionsweisen hin zu biologischen Ag-rarmaßnahmen oder die Diversifizierung von Anbau und Produktion. Auf kollektiver Ebene hat die IG-Milch mit einer eigenen Produktmarke nach „Fairnessmaßstäben“ eine Strategie der Selbstermächtigung gewählt, mit der sie auf ungerechte Prozesse im Marktgeschehen Einfluss zu nehmen versucht. Die Mitglieder der Interessengemeinschaft positionieren sich dadurch als Widerstandskämpfer*innen, die ihren politischen Protest einerseits in symbolischen Aktionen sichtbar machen und andererseits in politischen Vorschlägen einer alternativen Milchmengensteuerung niederschreiben. Als wichtigste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Neuorientierung der Agrarpolitik nennen sie die Demokratisierung des landwirtschaftlichen Systems und die damit zusammenhängende Stärkung der „Basis“ der landwirtschaftlichen Produktion, mit dem Ziel, die Produzent*innenseite an Entscheidungsprozessen sichtbar teilhaben zu lassen.
Abstract
(Englisch)
With reference to changes in the national and global agricultural production, processing and distribution this work explores the question of how farmers in Austria perceive the influence of agricultural reforms on their lifeworld. Through the emphasis on lifeworld the precise agricultural practice of the production side is to be observed. Its practice is located in a conflictive relation between the pressure to fulfil agricultural tendencies towards growth and liberalization and the effort to maintain personal perceptions about agro-ecologically sustainable production methods. These tendencies have been observed during different field research stays on dairy farms in Upper Austria as well as during several political demonstrations among their self-organized interest group IG-Milch. With the presentation of the Common Agricultural Policy (CAP) of the European Union those reform steps and current trends are highlighted which have an perceptible influence on the everyday practice of the research partners. As a consequence of the abolition of the milk quota on April 1st 2015 the latter presume a rise in the export share of dairy products and rivalries referred to the expulsion of farms. Competitive behaviour could foster the agricultural structural change in such a way that small-scale dairy farms might be increasingly forced to close down. On the individual level the research partners observe mechanisms of devaluation which result in the fluctuation of producer prices. Additionally, structures of dependence applied to agricultural subsidies and the market action are intensified. They create potential conflicts at the interfaces between farmers as well as between producers and agricultural lobbies, political decision-makers and reprecentatives of commercial structures. The research partners confront the different challenges of the agricultural system with adjusted production methods towards organic agrarian methods or the diversification of cultiva-tion and production. On the collective level IG-Milch set a strategy of self-empowerment with the implementation of its own milk brand according to „fairness standards“ through which it tries to gain influence on unjust processes within the market action. The members of the interest group position themselves as strugglers for resistance who illustrate their political protest via symbolic actions and through the record of political proposals applied to an alternative regulation of the quantity of milk produced. As the most important requirement for a success-ful reorientation of agricultural policy they discern the democratization of the agricultural system and the strengthening of the „basis“ of the agricultural production aiming at a greater involvement of farmers into decision-making processes.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Agrarian structural change Common Agricultural Policy of the EU agrarian reforms milk quota export increase
Schlagwörter
(Deutsch)
Landwirtschaftlicher Strukturwandel Gemeinsame Agrarpolitik der EU Agrarreformen Milchquote Exportsteigerung
Autor*innen
Anne-Kristin Sus
Haupttitel (Deutsch)
Zum Einfluss von Agrarreformen auf die Lebenswelt österreichischer Landwirt*innen
Publikationsjahr
2015
Umfangsangabe
69 S. : Ill.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Judith Ehlert
Klassifikationen
10 Geisteswissenschaften allgemein > 10.00 Geisteswissenschaften allgemein: Allgemeines ,
70 Sozialwissenschaften allgemein > 70.00 Sozialwissenschaften allgemein: Allgemeines
AC Nummer
AC12378128
Utheses ID
33655
Studienkennzahl
UA | 066 | 589 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1