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Mütterliche Investments in den traditionellen Dorfgemeinschaften Malawis
Zusammenhänge zur Mutter-Kind-Bindung
Sarah Salmhofer
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Psychologie
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Diplomstudium Psychologie
Betreuer*in
Lieselotte Ahnert
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.38461
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29751.70395.265959-4
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Ziel: Die vorliegende Arbeit beabsichtigte, etwaige Annahmen ob der Gestaltung mütterlicher Investments in traditionellen Kulturen, welche meist von Ressourcenknappheit, hohen Risikofaktoren und einer kollektivistischen, interdependenten Gesellschaftsstruktur geprägt sind, einer Überprüfung zu unterziehen sowie diverse, innerhalb dieses Kontextes variierende Einflussfaktoren auf die mütterlichen Investments zu identifizieren. Insbesondere stand dabei der Einfluss des Alters und der Bildung der Mutter sowie des Ausmaßes der von ihr erfahrenen sozialen Unterstützung bei der Kinderbetreuung (multiple caretaking) im Fokus. Ferner sollten die Zusammenhänge zwischen den mütterlichen Investments und der Mutter-Kind-Bindung abgeklärt werden, wobei die Frage berücksichtigt wurde, inwiefern die konventionelle, eher westlich orientierte Bindungstheorie auf die Lebensrealität der traditionell lebenden Mütter und ihrer Kinder übertragen werden kann. Methodik: Im Zuge eines dreimonatigen Forschungsaufenthaltes in Zomba, Malawi, wurden der Alltagsverlauf und die Beziehungsstrukturen von insgesamt 90 malawischen, in traditionellen Dorfgemeinschaften lebenden Kindern (14 bis 31 Monate) und ihrer Mütter durch diverse Untersuchungsinstrumente erfasst. Dabei wurden die mütterlichen Investments anhand eines eigens für das Forschungsvorhaben kreierten, auf den Prinzipien des time sampling basierenden Beobachtungsverfahren (time investment) erfasst. Relevante soziodemographische Parameter wurden mittels Sozialanamnese abgeklärt, das Ausmaß der sozialen Unterstützung der Mutter wurde auf mehrere Arten erhoben. Zum einen kam der Family System Test (FAST) zum Einsatz, um die jeweilige Familiengröße der Mutter abzubilden, ferner sollte sie das Ausmaß der von ihr wahrgenommenen allocare selber einschätzen. Schlussendlich wurde das Ausmaß der tatsächlichen Zusatzbetreuung anhand der durch das time investment gemessenen Interaktionshäufigkeit anderer Personen mit dem observierten Kind erhoben. Die Bindungssicherheit wurde durch den Attachment Q-Sort (AQS) erfasst. Ergebnisse: Durch die Forschungstätigkeiten konnte gezeigt werden, dass nicht alle Annahmen ob der prototypischen Gestaltung mütterlicher Investments in traditionellen Gesellschaften auf die Stichprobe zutrafen. Zwar fanden sich Hinweise darauf, dass tatsächlich ein eher niedriges Investment in die Kinder vorherrschend war, jedoch stieg dieses signifikant an, wenn sie durch Weinen oder Quengeln ihren Unmut äußerten. Zudem konnten die Annahmen der Dominanz der überlebenssichernden Investments gegenüber darüber hinausgehenden Interaktionsformen nicht bestätigt werden. Vielmehr hatte die Mutter signifikant mehr Körper- und Sozialkontakt mit ihrem Kind als Pflegekontakt. Körper- und Sozialkontakt hielten sich ferner die Waage, was der Annahme der starken Dominanz von Körperkontakt und der Vernachlässigung von Sozialkontakt in traditionellen Kontexten widerspricht. Speziell der aktive Körperkontakt in Form von Liebkosungen wurde nur in einem sehr geringen Ausmaß ausgeführt. Ferner zeigte sich, dass die Mutter trotz ausgeprägtem multiple caretaking eine klare Sonderstellung einnahm. Sämtliche Hypothesen bezüglich der Einflüsse auf die mütterlichen Investments konnten hingegen bestätigt werden. Sowohl das Alter als auch die Bildung der Mutter zeigten sich als positive Einflussgrößen, des Weiteren konnten Hinweise darauf gefunden werden, dass die Entscheidung zwischen Reproduktionsquantität und –qualität auch innerhalb desselben Kontextes von der jeweiligen Ressourcenlage abhängig ist. Ferner konnte ein signifikanter Einfluss des Ausmaßes der sozialen Unterstützung auf die mütterlichen Investments festgestellt werden. Jedoch zeigte sich dabei die Notwendigkeit, die von ihr getätigten Investments differenziert zu betrachten, was durch eine Hauptkomponentenanalyse gewährleistet wurde. So wurde ersichtlich, dass die von ihr getätigten base investments, welche sich aus dem Pflege- und aktiven Körperkontakt zusammensetzen, vom Ausmaß der sozialen Unterstützung signifikant erhöht wurden, während ihre surplus investments, die den Sozial- und passiven Körperkontakt umfassten, vom Ausmaß der sozialen Unterstützung verringert wurden. Auch die Häufigkeit der mütterlichen Anwesenheit in der Nähe ihres Kindes stand in einem negativen Zusammenhang mit der sozialen Unterstützung. Ferner konnte gezeigt werden, dass eben jene Investmentformen, die von der sozialen Unterstützung verringert wurden, einen positiven Zusammenhang zur Mutter-Kind-Bindung aufwiesen. Diskussion: Die, den gängigen Annahmen hinsichtlich der Lebensrealität und vorherrschenden caretaking Praktiken in traditionellen Gemeinschaften teilweise widersprechenden Ergebnisse, zeigen deutlich die Wichtigkeit auf, diese auch bei künftigen interkulturellen Forschungstätigkeiten einer Überprüfung zu unterziehen, anstatt ihnen allgemeine Gültigkeit zu konstatieren. Zudem wird die Notwendigkeit ersichtlich, mütterliche Investmentformen differenziert zu betrachten, da nicht alle gleichermaßen externen Einflüssen unterliegen. Insbesondere der Befund, dass die Sonderstellung der Mutter mit der Assistenz anderer Familienmitglieder nicht unvereinbar ist, kann für westliche Mütter, die auf Grund des so kontrovers behandelten Themas der externen Kinderbetreuung oftmals unter großem Druck stehen, einen entscheidenden Erkenntnisgewinn mit sich bringen. Auch die Tatsache, dass beim Großteil der Kinder ein hohes Ausmaß an secure base Verhalten observiert werden konnte, zeigt auf, dass multiple caretaking die Bindungsentwicklung zwischen Mutter und Kind nicht zwangsläufig verhindert. Zudem widerspricht diese Erkenntnis etwaigen ForscherInnen, die an der Übertragbarkeit der Bindungstheorie auf nicht-westliche Gesellschaften zweifeln. Vielmehr konnte gezeigt werden, dass trotz einem eher niedrigen Investment in das Kind und einer großen Anzahl an Alloeltern, eine Vielzahl der malawischen Kinder secure base Verhalten gegenüber der Mutter zeigte.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Mütterliche Investments Mutter-Kind-Bindung Malawi traditionelle Kulturen interdependente Gesellschaften allocare multiple caretaking
Autor*innen
Sarah Salmhofer
Haupttitel (Deutsch)
Mütterliche Investments in den traditionellen Dorfgemeinschaften Malawis
Hauptuntertitel (Deutsch)
Zusammenhänge zur Mutter-Kind-Bindung
Publikationsjahr
2015
Umfangsangabe
114 S. : graph. Darst.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Lieselotte Ahnert
Klassifikation
77 Psychologie > 77.59 Entwicklungspsychologie: Sonstiges
AC Nummer
AC12635243
Utheses ID
34071
Studienkennzahl
UA | 298 | | |
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