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Bindungssicherheit und Sprachanregung von Mutter und Vater in ihrer Wirkung auf die frühe Sprachentwicklung
Tanja Nebenführ
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Psychologie
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Diplomstudium Psychologie
Betreuer*in
Lieselotte Ahnert
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.38790
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30052.62267.944564-3
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Im Sinne der sozial-interaktionistischen Perspektive der Spracherwerbstheorien besteht Gewissheit darüber, dass sich Sprache im Kontext von sozialen Beziehungen entwickelt und ihre Ursprünge in der Interaktion und Beziehung zwischen dem Kind und seinen Bezugspersonen zu suchen sind. Der Zusammenhang zwischen Bindungsqualität und Sprachkompetenz bei Kindern im Alter von 11–22 Monaten konnte von Van IJzendoorn, Dijkstra und Bus (1995) in einer Metaanalyse mit einer Effektstärke von r = .28 ausgewiesen werden. Im Fokus der vorliegenden Arbeit stehen die Bedeutung der Bindungsqualität zu Mutter und Vater sowie die sprachliche Anregung durch beide Elternteile in Hinblick auf ihren Einfluss auf die rezeptiven und expressiven Sprachfähigkeiten im Kleinkindalter. Weiters wurden der Einfluss des Geschlechts des Kindes auf das Sprachniveau, Unterschiede in der Quantität der Sprachanregung (Gesamt) und der Verwendung einzelner Sprachanregungskomponenten zwischen Mutter und Vater analysiert. Die Durchführung der Studie erfolgte im Rahmen des Forschungsprojekts „Parenting and Co-Parenting in infancy“ an der Universität Wien anhand einer Stichprobe von 119 Kleinkindern im Alter zwischen 12 und 32 Monaten und deren Eltern. Die Qualität der Mutter-Kind- und Vater-Kind-Bindung wurde mit dem Attachment Q-Sort (Waters, 1995; Waters & Deane, 1985; in deutscher Adaption durch Ahnert, Eckstein- Madry, Supper, Bohlen & Suess, 2012) erhoben. Auf der Grundlage einer videografierten 5-minütigen Bilderbuch-Interaktion zwischen einem Elternteil und dem Kind (dyadische Interaktion) wurde die Quantität der elterlichen sprachlichen Anregung computergestützt ausgewertet (Mangold International, 2009). Die sprachlichen Äußerungen der Eltern wurden wie folgt kategorisiert: Pointing, Labelling, Questioning, Lecturing, Orienting, Story Telling, Commenting, Verbal Imitation, Positive Feedback, Corrective Feedback und Negative Feedback. Die Erhebung der rezeptiven und expressiven Sprachfähigkeiten der Kinder wurde mit den „Bayley Scales of Infant and Toddler Development – Third Edition“ durchgeführt. Die Bindungsqualität und sprachliche Anregung der Mutter konnten als zentrale Einflussgröße auf die kindliche Sprachentwicklung identifiziert werden. Jene Kleinkinder, die zu ihren Müttern eine hohe Bindungssicherheit aufwiesen und von ihren Müttern ein hohes Maß an sprachlicher Anregung erhielten, zeigten höhere Werte in ihren rezeptiven und expressiven Sprachfähigkeiten. Hinsichtlich des Vergleichs der Quantität des elterlichen Sprachangebots (Gesamt) in der Bilderbuch-Interaktion bestärken die Ergebnisse die Annahme, dass sich Mütter und Väter hierbei nicht unterscheiden. Es besteht auch keine Wechselwirkung mit dem Geschlecht des Kindes, Mütter und Väter regen ihre Söhne und Töchter sprachlich gleichermaßen an. Die Bindung zum Vater und die sprachliche Anregung durch den Vater konnten die kindlichen Sprachfähigkeiten in dieser Stichprobe, entgegen der Erwartung, nicht vorhersagen. Es erwiesen sich jedoch die die Ausbildung des Vaters sowie die weiteren Kontrollvariablen, das monatliche Einkommen des Haushalts und die Mehrsprachigkeit der Kinder als signifikante Prädiktoren für die rezeptive Sprache. In Bezug auf die expressive Sprache konnte für das Geschlecht des Kindes ein zusätzlicher Einfluss nachgewiesen werden. Mädchen zeigten in ihrer Sprachproduktion signifikant höhere Werte als Buben. Eine Analyse der Häufigkeit einzelner Sprachanregungskomponenten ergab, dass Mütter im Vergleich zu Vätern häufiger vorlasen (Lecturing) und vermehrt auf Objekte im Buch zeigten (Pointing), während Väter häufiger negative Rückmeldungen gaben (Negative Feedback). Auf Basis dieser Befunde wurden die folgenden weiterführenden Forschungsfragen formuliert: (1) Der fehlende Einfluss der väterlichen Sprachanregung und Beziehungsgestaltung wirft die Frage auf, ob die Vater-Kind-Beziehung und -Interaktion durch andere Charakteristiken getragen wird, als jene mit der Mutter und folglich die Erfassung mit den verwendeten Verfahren unzureichend ist. (2) Mütter kreieren durch eine erhöhte Frequenz an Zeigegesten im Vergleich zu Vätern eventuell vermehrt Momente gemeinsamer Aufmerksamkeit und unterstützen dadurch die Sprachfähigkeiten des Kindes. Wie sieht die Bedeutung und Vorhersagekraft einzelner Sprachkomponenten von Müttern und Vätern für die Sprachentwicklung im Kleinkindalter aus?
Abstract
(Englisch)
From the socio-interactive perspective of language acquisition theories there is evidence that language develops in the context of social relationships and that its origins are found in the interaction and relationship between a child and its attachment figures. In a metaanalysis, Van IJzendoorn, Dijkstra und Bus (1995) were able to prove the correlation between attachment quality and language competence in children aged 11-22 month with an effect size of r = .28. This study focuses on the importance of infants´ attachment quality toward their mother and father as well as the language stimuli from both parents. The influence of these two variables and the effect of the child´s sex on receptive and expressive language skills in early childhood were investigated. Furthermore the differences in the quantity (in total) of language stimuli and the use of several components of language stimuli between mother and father were analysed. This study was conducted within the research project „Parenting and Co-Parenting in infancy“ at the University of Vienna using a sample of 119 toddlers ages 12-32 months and their parents. The quality of mother-child and father-child attachment was assessed using the Attachment Q-Sort (Waters, 1995; Waters & Deane, 1985; German adaptation by Ahnert, Eckstein-Madry, Supper, Bohlen & Suess, 2012). Based on the recording of a 5- minute picture book interaction between one parent and the child (dyadic interaction) the quantity of parental language stimulation was assessed via a software package from Mangold International (2009). The language utterances of the mother/father were categorized as follows: Pointing, Labelling, Questioning, Lecturing, Orienting, Story Telling, Commenting, Verbal Imitation, Positive Feedback, Corrective Feedback and Negative Feedback. The child’s receptive and expressive linguistic skills were measured by the Bayley Scales of Infant and Toddler Development – Third Edition. This thesis identifies the quality of the mother-child attachment and the language input coming from the mother as central influencing variables to the child’s language development. Those toddlers who were securely attached to their mothers and who received a high quantity of language stimulation from them showed more advanced receptive and expressive language abilities. With regard to the quantity of parental language stimuli (in total), our results support the assumption that fathers and mothers do not fundamentally differ in that variable. No interaction with the sex of the child was found, mothers and fathers stimulate their sons and daughters linguistically, equally. In contrast to our expectations, neither father-child attachment security, nor the father’s language stimulation predicted the level of the child’s language; however, the father’s education emerged as a significant predictor for receptive language abilities. Additionally, the control variables monthly household income and the child’s multilingualism could predict receptive language skills. With regard to the expressive language, a child’s sex was shown to be an additional influence. The level of girls´ language production was consistently and significantly above that of boys. An analysis of individual components of language stimulation has shown that mothers read to their children more frequently than fathers do (Lecturing) and point to objects in the book (Pointing) more frequently, whereas fathers more often gave negative feedback (Negative Feedback). Based on these findings the following further research questions arise: (1) The lack of influence of both the father-child attachment quality and the father’s language input raises the question whether the father –child relationship and father-child interaction are built on characteristics different from those on which the mother’s are based and whether the methods of measurement used are therefore unsuitable. (2) Mothers eventually create higher rates of joint attention by pointing to objects in the book more often; thereby support the child’s language abilities, which leads to questioning the significance and predictive power of individual speech components of mothers and fathers regarding language development in early childhood.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
attachment quality language stimuli early language development
Schlagwörter
(Deutsch)
Bindungssicherheit Sprachanregung frühe Sprachentwicklung
Autor*innen
Tanja Nebenführ
Haupttitel (Deutsch)
Bindungssicherheit und Sprachanregung von Mutter und Vater in ihrer Wirkung auf die frühe Sprachentwicklung
Paralleltitel (Englisch)
Attachment quality and language stimuli: Effects of mother and father on early language development
Publikationsjahr
2015
Umfangsangabe
63 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Lieselotte Ahnert
Klassifikation
77 Psychologie > 77.53 Entwicklungspsychologie: Allgemeines
AC Nummer
AC12663289
Utheses ID
34364
Studienkennzahl
UA | 298 | | |
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