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Wandel der Arbeits- und Lebenssituation von Lungauer Bäuerinnen in den letzten 60 Jahren
Johanna Etz
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Maria Mesner
DOI
10.25365/thesis.3901
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30095.46316.469370-4
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Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Anhand von fünf qualitativen Interviews werden die Auswirkungen der Entwicklung des bäuerlichen Umfeldes der letzten 60 Jahre auf die Lebens- und Arbeitswelt von Lungauer Bäuerinnen untersucht.
Neue Wirtschaftsmodelle und Verschiebungen in der Arbeitsteilung haben die Bäuerinnen vor neue Herausforderungen und vielschichtige Anforderungen gestellt. Belastungen in der Nachkriegszeit, durch schwere körperliche Arbeiten und durch das Übernehmen von männlichen Arbeitsbereichen haben sich hin zu Mehrarbeit durch wechselnde Ansprüche der Wirtschaft verschoben, die eine große Flexibilität und Veränderungsbereitschaft erfordern.
Durch die Kleinheit der Lungauer Betriebe, wird die Feldarbeit durchgehend von Bäuerin und Bauer gemeinsam bewerkstelligt, bzw. bei Abwesenheit des Mannes, von der Bäuerin. Die Reproduktionsarbeit ist bis heute ausschließlich der Verantwortungsbereich der Frau, während die „Repräsentation“ des Hofes nach außen sowie viele betriebliche Entscheidungen meist Sache des Mannes sind.
In allen Erzählungen der befragten Bäuerinnen, bis auf eine, hat das Vermieten von Fremdenzimmer einen besonderen Stellenwert. Es bringt den Bäuerinnen, unabhängig von ihrem Alter, neben der finanziellen Verbesserung, zusätzliche Arbeit, bietet aber auch eine Erweiterung ihres Verantwortungsbereiches und ihrer Entfaltungsmöglichkeiten.
Während die Technisierung und die neuen Ansprüchen des Marktes für die Nachkriegsgeneration der Bäuerinnen eine große Herausforderung darstellten, sind sie in der jüngeren Generation bereits ein integraler Bestandteil des Betreibens einer Landwirtschaft. Die jungen Interviewten wiederum finden sich verstärkt in einem Spannungsfeld wieder, das durch den Zusammenprall von Individualisierungstendenzen sowie der Aufwertung persönlicher Bedürfnisse und den zugewiesenen Arbeits- und Rollenanforderungen an eine Bäuerin entsteht.
Der Bäuerin wird durchgehend eine besondere Verantwortung für den Erhalt der Familie als Grundlage eines bäuerlichen Familienbetriebes zugeschrieben. Als oberstes Prinzip gilt nach wie vor das Fortbestehen eines erfolgreichen landwirtschaftlichen Betriebes, dessen Kern - die funktionierende Familie - sich den betrieblichen Anforderungen beugen muss.
Neben den praktischen und arbeitstechnischen Vorteilen des gemeinsamen Wohnens und Arbeitens von mehreren Generationen, birgt dieses auch Potenzial für Spannungen.
Veränderte Wohnformen, die den einzelnen Familien mehr Intimität geben und meist von beiden Generationen erwünscht sind, begünstigen respektvolle Umgangsformen und bedeuten eine Aufwertung der Bedürfnisse der Kernfamilien und des Einzelnen.
Ebenso sind die Wahl des Partners und damit auch die Berufsentscheidung aus den ökonomischen Überlegungen der Familien heraus, in den Verantwortungsbereich der Frau gefallen. Heiraten und der Einzug in den Bauernhof geschehen aus Liebe, weil sie das Fortbestehen der Landwirtschaft gewährleisten, bekommen sie einen endgültigen Charakter.
Das soziale Beziehungsnetz der Bäuerin erfährt besonders durch die gesteigerte Mobilität, die erweiterten Kommunikationsformen und einen oft reichen und regional weit gestreuten Erfahrungshintergrund vor Eintreten in ihren Beruf, eine Ausweitung. Während sich die sozialen Kontakte bis in die 60er Jahre im nahen Umfeld (Familie, Gäste, Dorf) abspielten, sind sie zunehmend weiter gefächert. Neben den Vorteilen der verminderten Abhängigkeit und Kontrolle, steht der Verlust der sicherheits- und identitätsstiftenden Funktion der Dorfgemeinschaft. Dieser wird durch ein Ausüben und Aufsuchen dorfzentrierter, sozialer Aktivitäten, aber auch neuer, ortsübergreifender Beziehungsgeflechte kompensiert.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Agrargeschichte Bäuerin Landwirtschaft
Autor*innen
Johanna Etz
Haupttitel (Deutsch)
Wandel der Arbeits- und Lebenssituation von Lungauer Bäuerinnen in den letzten 60 Jahren
Publikationsjahr
2009
Umfangsangabe
97 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Maria Mesner
Klassifikation
15 Geschichte > 15.08 Sozialgeschichte
AC Nummer
AC07561011
Utheses ID
3437
Studienkennzahl
UA | 312 | | |
