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Salvation and Solvency
Études historiographiques Braudéliennes on the socio-economic policies of early Mormonism
Robert Christian Kahlert
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Evangelisch-Theologische Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Doktoratsstudium der Evangelischen Theologie (Dissertationsgebiet: Evangelische Theologie)
Betreuer*in
Wolfgang Wischmeyer
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.39007
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30149.84078.451161-2
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
In der Nachfolge des Krieges gegen England von 1812 fand in den Vereinigten Staaten von Amerika ein Kulturwandel statt. Zu den religiösen Bewegungen, die sich als Reaktion auf diesen Kulturwandel verstehen lassen, gehören auch die frü̈hen Mormonen, eine millenniaristische, primitivistische Bewegung die von Joseph Smith Jr gegrü̈ndet wurde. Die Mormonen benutzten eine neue Offenbarung, das Buch Mormon, und eine neue, apostolisch inspirierte Kirchenorganisation, die auch ein prophetisches Amt vorsah, welches anfangs von Joseph Smith Jr besetzt war, um das antike America durch eine föderaltheologische Interpretation der Heilsgeschichte bis in das Alte Testament hinein mit den Patriarchen in Bezug zu setzen. Dies begründete die primitivistischen charismatischen Erwartungen sowie die millenniaristische Selbst-Darstellung der US-amerikanischen Gläubigen im Abrahamitischen Bund der Genesis und in den Geistgaben der frühen apostolischen Kirche. Dieser innovative religiöse Ansatz war mit einer konservativen Einstellung gegenu ̈ber sozial-wirtschaftlichen Fragestellungen verknü̈pft. Das Wirtschaftsideal war der “gentleman farmer” als Vorstand eines hauptsächlich selbstversorgenden Haushaltes. Die soziale Beziehung zwischen den Familienhäuptern wurde als gleichwertig und klassenlos vorstellig gemacht. Handel und Professionalisierung waren als mögliche Quellen von Ungleichheit verdächtig. Der Widerstand gegenü̈ber der beginnenden Industrialisierung war ebenso vorhanden wie die begeisterte Aufnahme von Dampfschiff oder der ersten Lokomotive. Die vorliegende Dissertation verfolgt die Entwicklung dieser sozial-wirtschaftlichen Einstellung durch die ersten vierzehn Jahre dieser Kirche, von der Gründung im Frühjahr 1830 in New York, durch Ohio und Missouri und Illinois, bis hin zur Ermordung von Joseph Smith Jr im Sommer 1844. Die Inhalte werden anhand von Fallstudien erarbeitet, die jeweils sozial-wirtschaftliche Probleme fokussieren. Um die Überbetonung von Handlungspersonen in der üblichen Mormonen-Geschichtsschreibung, sowohl der apologetischen als auch der feindlich eingestellten, zu korrigieren, wird auf die Erklärungsmuster der sozialen Zeit aus Fernand Braudels klassischem Werk, Das Mittelmeer, rekurs genommen. Diese Erklärungsmuster werden transferriert und auf den Amerikanischen Kontext des neunzehnten Jahrhunderts angewandt. Der erste Teil der Dissertation, “Groundwork” (d.h. Grundlagen), vermittelt Basiswissen fü̈r die anderen beiden Teile. Im Kapitel “Methodology” (d.h. Methodik) wird die Forschungsfrage vorgestellt und die historiographische Strategie diskutiert, inklusive des Braudelschen Mustertransfers sowie der Interpretation von Ereignissen. Das Kapitel “Nineteenth-Century Economic Life” bietet einen Überblick über das ländlicheAmerikades neunzehnten Jahrhunderts, das Aufkommen von Mechanisierung und Verkehrsverbesserungen, und stellt den Idealtyp des “gentleman farmers” (d.h. Grossgrundbesitzer) vor. Das Kapitel “Joseph Smith Jr’s Socio-Economic Baseline” (d.h. Joseph Smith Jr’s sozio-ökonomische Vorbildung) beschreibt die Einflüsse der Kindheit sowie der erweiterten Familie auf den Mormonpropheten Joseph Smith Jr in Bezug auf sozio-ökonomische Strategien und Erwartungen, wobei ein besonderer Akzent auf die Gesellschaft zur Auffindung einer vermeintlichen spanischen Silbermine, welcher Joseph Smith Jr im Spätherbst 1825 beitrat, gesetzt wird. Das Kapitel “A new Scripture” (d.h. eine neue Heilige Schrift) beschreibt die religiösen Erwartungen der frühen Konvertiten, die durch das Buch Mormon erfüllt wurden. Der zweite Teil der Dissertation, “Case Studies” (d.h. Fallstudien), wertet die Leistung der Forschungsfrage durch gezielte sozio-ökonomische Beispiele aus. Die erste Fallstudy, “Funding the Book of Mormon” (d.h. die Finanzierung des Buchs Mormon), untersucht, wie Joseph Smith Jr das Buch Mormon mit der Hilfe der “gentlemen farmer” Peter Whitmer Sr, Joseph Knight Sr und Martin Harris verschriftlicht und publiziert hat. Die zweite Fallstudie, “Raiding the Campbellites” (d.h. die feindliche ”Ubernahme der Campbelliten), stellt eine weitere Restaurations-Bewegung vor, die vom schottischen Vater-Sohn-Team Thomas und Dr Alexander Campbell ins Leben gerufen wurde, und versucht zu erklären, wie und warum der Star-Prediger der Bewegung, Sidney Rigdon, und seine Kirtland, Ohio Gemeinde, zu den Mormonen wechselte. Die dritte Fallstudie handelt von der “Consecration and Stewardship” (d.h. Weihung und Haushalterschaft) Regel, dem Programm for Kommunitarismus und soziale Gleichheit unter den Gemeindemitgliedern bei den Mormonen. Die vierte Fallstude behandelt die “United Firm” (d.h. die Vereinigte Firma), ein Betrieb der oberste Chargen der Kirchenfü̈hrung der Mormonen. Die fü̈nfte Fallstudie schätzt den Konkurs der Mormonenbank, der Kirtland Safety Socity, durich Rekontextualisierung in die Ohio Bankszene neu ein. Die sechste Fallstudie, “Settling Nauvoo” (d.h. die Besiedlung von Nauvoo), betrachtet die wirtschaftlichen Probleme rund um den Ankauf der Stadt Nauvoo an den Ufern des Mississippi in Illinois. Die siebente Fallstudie, “Reigning Nauvoo” (d.h. Nauvoo Regieren), analysiert die Strategien mit deren Hilfe die Mormonenführung eine Stadt verwaltete welche in der Mitte der 1840er Jahre die größte im Bundestaat Illinois war. Die achte Fallstudie, “Nauvoo Loose Ends” (d.h. Nauvoo Miszellen), sammelt kleiner Fallstudien zur Nauvoo-Phase: die Verschiebung in der sozial-wirtschaftlichen Problemstellung, welche die Zuwanderung der nicht-agrarischen britischen Konvertiten nach sich zog; die nutzlose Agricultural Association (d.h. landwirtschaftliche Genossenschaft); der ökonomische Streit zwischen den Niederungen und dem Hang in Nauvoo; die Abhängigkeit Nauvoos von St Louis. Der zweite Teil schließt mit einem Kapitel daß die Entwicklung der sozial-wirtschaftlichen Problemstellung noch einmal zusammenfaßt, die Forschungsfrage dementsprechend korrigiert und dann systematische Probleme des sozial-wirtschaftlichen Handelns der Mormonenfü̈hrung thematisiert. Der dritte und abschließende Teil mit dem Titel “Models and Narratives” (d.h. Muster und Erzählungen) fü̈hrt das Braudelsche Muster-Transfer-Experiment durch, bevor er mit einer prüfenden Durchsicht der heilsgeschichtlichen Strategie der frühen Mormonen schließt. Das Kapitel “Braudel’s Mediterranean Models” (d.h. Braudels Mittelmeer- Muster) gewinnt historiographische Muster von Braudels Hauptwerk die auf die Situation der Mormonen erklärend angewandt werden könnten. Das Kapitel “Evaluating Mediterranean Models” (d.h. Evaluation der Mittelmeer-Muster) analysiert die Redundanz mit den bereits durchgeführten Fallstudien, um dannach das Muster der Geldfälschung sowie die Trope des Stadtstaats mit zu vielen Freiheiten auf Nauvoo anzuwenden. Das letzte Kapitel, “Salvation History in the Age of Micro History” (d.h. Heilsgeschichte im Zeitalter der Mikro-Geschichte), weist den historiographischen Kontext der Mormonen-Heilsgeschichte als denjenigen des neunzehnten Jahrhunderts nach und benennt die ausgeblendeten historischen Handlungsgruppen, um dann Vorschläge zur Modernisierung von Heilsgeschichte im Protestantismus, unter der Bedingung der funktionalen Ausdifferenzierung der Gesellschaft und trotz der vernichtenden Kritik von Rudolf Bultmann, zu machen, die sich von der Ahnenforschung der Mormonen und den Strategien der Oral History inspirieren läßt.
Abstract
(Englisch)
A semantic shift took place in the United States of America in the aftermath of the War of 1812. Among the religious movements that formed as a reaction to this shift was early Mormonism, a Millenarian Restorationist movement founded by Joseph Smith Jr. Mormonism used a new revelation, the Book of Mormon, and a new apostolically inspired church organization, including the oce of prophet held by Smith Jr, to connect American antiquities to covenant-theological salvation history reaching all the way back to the Old Testament patriarchs. This grounded the Restorationist charismatic expectations and Millenarian self-interpretation of its United States adherents to the Abrahamic covenant of Genesis and in the spiritual gifts of the early Apostolic church. The innovative religious strategy was coupled with a conservative socio-economic stance. The economic ideal was that of the gentleman farmer as head of a predominantly self- sucient family. The social relationship between the family heads was intended to be egalitarian and classless. Artisan- and craftsmanship were deemed sufficient to meet non- agrarian needs. Trade and professionalization were suspect as sources of inequality. The resistance to the beginnings of industrialization co-existed with a ready acceptance of the steamboat and the early train. The dissertation tracks the development of this socio-economic stance through the first fourteen years of the church’s existence, from its incorporation in the spring of 1830 in New York, through Ohio and Missouri and Illinois, up to the lynching of Joseph Smith Jr in the summer of 1844. The material is presented through case studies focused on socio-economic problems. In order to correct for the agentive overtones so typical of standard Mormon historiography, both in its supportive and in its detractive stance, the explanatory models of social time from Fernand Braudel’s classic Mediterranean are transferred to and applied in the nineteenth-century American context. The first part of the dissertation, entitled “Groundwork”, provides the background information for the exposition in the other two parts. The chapter “Methodology” introduces the research hypothesis and discusses the historiographical strategy, including the Braudelian model transfer and the problem of event interpretation. The chapter “Nineteenth-Century Economic Life” gives a sketch of nineteenth-century rural America, the rise of mechanization and transportation improvements, and an outline of the ideal of the gentleman farmer. The chapter “Joseph Smith Jr’s Socio-Economic Baseline” enumerates the influences on Smith Jr, from both his childhood environment and his family members, as to socio-economic strategies and expectations, with a special focus on the Stowell Spanish silver-mine stock company that Smith Jr joined in the late fall of 1825. The chapter “A New Scripture” sketches the religious expectations of early Mormon converts that the Book of Mormon fulfilled. The second part is entitled “Case Studies” and tests the research hypothesis through targeted socio-economic examples. The first case study, “Funding the Book of Mormon”, analyses how Joseph Smith Jr drafted and published the Book of Mormon with the help of gentlemen farmers Peter Whitmer Sr, Joseph Knight Sr and Martin Harris. The second study, “Raiding the Campbellites”, introduces another restoration movement, spearheaded by the Scotch father-son team of Thomas and Dr Alexander Campbell, and explains how and why the star preacher of the movement, Sidney Rigdon, and his Kirtland, Ohio congregation converted to Mormonism. The third case study tells the story of the law of “Consecration and Stewardship”, the Mormon program for communitarianism and social equality among the church members. The fourth case study discusses the “United Firm”, an enterprise of the top echelon of the Mormon church leadership. The fifth case study re-evaluates the role of the failed Mormon bank, the Kirtland Safety Society, in the context of Ohio banking. The sixth case study, entitled “Settling Nauvoo”, looks at the economics of purchasing the city on the banks of the Mississippi River in Illinois. The seventh case study, “Ruling Nauvoo” looks at the strategies of the Mormon church leadership to manage a city that grew to be the largest in the state of Illinois by the mid-1840s. The eight analysis entitled “Nauvoo Loose Ends” combines smaller case studies of the Nauvoo period: the shift in socio-economic policy caused by the influx of British non-agrarian converts; the impotent agricultural association; the economic competition between the highlands and the lowlands in Nauvoo; the dependence of Nauvoo on St Louis. The second part concludes with a chapter that summarizes the overall development of socio-economic policy, updating the research hypothesis in light of the results and discussing systemic problems in the Mormon policy-development approach. The third and final part, entitled “Models and Narratives”, performs the Braudelian model-transfer experiments, before concluding with a critical review of early Mormonism’s strategy for writing salvation history. The chapter “Braudel’s Mediterranean Models” extracts historiographical models from Braudel’s magnum opus that could be applied to explicate the Mormon situation. The chapter “Evaluating Mediterranean Models” analyzes the overlap with the existing case studies, before identifying and applying the model of counterfeiting and the trope of the lawless city-state to the Nauvoo phase. The final chapter, “Salvation History in the Age of Micro History”, locates Mormon salvation history in the nineteenth-century historiographic tradition and identifies the historical agent groups that such a type of salvation history excludes, before suggesting that salvation history in Protestantism could be modernized—under the condition of social differentiation and in spite of the damning critique of Rudolf Bultmann—by drawing upon inspirations from Mormon ancestor research and the strategies of oral history.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Mormons Economics Religion Restorationism Modernity Social Policy
Schlagwörter
(Deutsch)
Mormonen Wirtschaft Religion Moderne Sozialpolitik
Autor*innen
Robert Christian Kahlert
Haupttitel (Englisch)
Salvation and Solvency
Hauptuntertitel (Englisch)
Études historiographiques Braudéliennes on the socio-economic policies of early Mormonism
Paralleltitel (Deutsch)
Heil und Solvenz
Publikationsjahr
2015
Umfangsangabe
xviii, 579 Seiten
Sprache
Englisch
Beurteiler*innen
Wolfgang Wischmeyer ,
Friedrich Wilhelm Graf
Klassifikationen
11 Theologie > 11.53 Neuzeitliches Christentum ,
11 Theologie > 11.55 Protestantismus ,
15 Geschichte > 15.08 Sozialgeschichte
AC Nummer
AC12660840
Utheses ID
34554
Studienkennzahl
UA | 782 | 041 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1