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Der Kompetenzbegriff in ausgewählten Publikationen der Europäischen Union - ein spätmoderner, problematischer Umgang mit Kontingenz(erfahrungen)?
kontingenztheoretische und subjektkritische Betrachtungen
David Unterhuber
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Bildungswissenschaft
Betreuer*in
Ines Maria Breinbauer
DOI
10.25365/thesis.39325
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29413.93191.582960-3
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Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Arbeit untersucht drei bildungspolitisch-programmatische Publikationen der Europäischen Union auf den darin herrschenden Diskurs um den Begriff der Kompetenz. Die theoretische Perspektive, aus der diese Untersuchung auf exemplarisch-hermeneutischem Weg durchgeführt wird, ist ein bestimmtes Verständnis von Kontingenz. Dieses besteht im Wesentlichen darin, menschliches Denken und Handeln zwischen Nichtnotwendigkeit und Nichtunmöglichkeit zu verstehen, unter den Bedingungen einer (epistemologischen) Ungewissheit der letzten Gründe menschlichen Wissens, einer (anthropologischen) Unbestimmtheit menschlicher Natur, einer (subjektiven) Unverfügbarkeit der Bedingungen individuellen Denkens, Handelns und Sprechens sowie einer (praktischen) Unbestimmtheit der Ziele und Zwecke menschlicher Lebens- und Praxisentwürfe.
Vor dem Hintergrund dieser Grundlegung kommt die durchgeführte Analyse zum Schluss, dass die untersuchten Dokumente eine Kontingenzerzählung generieren, die die Unvermeidlichkeit der Anpassung an moderne ökonomische wie soziale Wandlungsprozesse konstatiert und diese Prozesse naturalisierend von den damit verbundenen und dafür verantwortlichen Akteuren entkoppelt. Die empfohlene Reaktion auf diese Wandlungsprozesse geht von (pädagogisch weithin anerkannten) Vorstellungen menschlicher Entwicklungsoffenheit aus, verengt diese jedoch in einem zweiten Schritt im Sinne einer sozialen und ökonomischen Teleologie der Wettbewerbs- und Beschäftigungsfähigkeit Einzelner sowie der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Wirtschaftsraumes. Das entlang dieser Teleologie konstituierte Subjekt ist angehalten, sich selbst als flexibles, kreatives, innovatives und unternehmerisches Lern-Subjekt zu beschreiben und diese Beschreibung durch institutionelle Akkreditierung und Zertifizierung zu legitimieren. Die untersuchten Dokumente konstruieren Kontingenz in der Form einer Ungewissheit globaler Wandlungsprozesse, einer Unbestimmtheit menschlicher Fähigkeitsentwicklung sowie einer Pluralisierung der Legitimationszusammenhänge menschlichen Wissens. Der als alternativlos dargestellte Umgang mit dieser mehrfachen Kontingenz ist schließlich eine Konzentration auf die Entwicklung formaler Kompetenzen, deren Begründungszusammenhang primär auf einem technologischen, an der Erhöhung von Effizienz ausgerichteten Wissensverständnis aufbaut. Damit bleiben jedoch die normativen Fragen der Beurteilung der Wünschbarkeit sowohl dieser Art der Reaktion auf Kontingenz als auch der inhaltlichen Ausrichtung der damit verbundenen Kompetenzen unterbestimmt, beziehungsweise werden sie denjeningen abgenommen, die vor der "Notwendigkeit" stehen, sich Kompetenzen anzueignen.
Abstract
(Englisch)
This study analyses three policy documents on education by the European Union and centers on their inherent discourse around competency. The theoretical framework underlying the hermeneutical analysis of said documents is a certain understanding of contingency. Contingency, as it is understood here, describes human acting and thinking between non-necessity and non-impossibility. Furthermore, human actions and thoughts are understood as being tied to an (epistemological) uncertainty of the bases of human knowledge, an (anthropological) indetermination of human nature, a (subjective) inaccessibility of the conditions of individual thought, action and speech and a (practical) indetermination of the goals and purposes of human concepts of life and of action.
Following this theoretical framework, the study concludes that the analysed documents generate a narrative of contingency, stating an inevitability of the need to adapt to processes of modern economical and social changes. These processes are subject to naturalisation as they are being disconnected from those who participate in changes and could be held responsible for them. The recommended reaction to said changes is based on (educationally renowned) concepts of the openness of human development, yet in its implementation narrows down this openness according to a certain social and economical teleology of competitiveness and employability. The subject constituted along this teleology has to describe itself as being a flexible, creative, innovative and entrepreneurial subject of learning and needs to legitimise this description via processes of institutional certification and validation. The analysed documents depict contingency as an incertainty of global change, an indetermination of the development of human skills as well as a pluralisation of the ways of legitimising human knowledge. According to said publications, the only way of dealing with this complex form of contingency needs to concentrate on developing formal competencies. This concentration is legitimised primarily via a technological concept of knowledge emphasising the increase of efficiency. However, this either avoids the normative questions whether this reaction to contingency and the specific content of certain competencies can be called desirable, or takes those questions away from those who face the "necessity" to acquire competencies.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
Competence Competencies Contingency Knowledge Subject Subjectivity
Schlagwörter
(Deutsch)
Kompetenz Kontingenz Ungewissheit Wissen Subjekt Subjektivität Souveränität
Autor*innen
David Unterhuber
Haupttitel (Deutsch)
Der Kompetenzbegriff in ausgewählten Publikationen der Europäischen Union - ein spätmoderner, problematischer Umgang mit Kontingenz(erfahrungen)?
Hauptuntertitel (Deutsch)
kontingenztheoretische und subjektkritische Betrachtungen
Paralleltitel (Englisch)
Competence in selected publications of the European Union - a late modern, problematic way of dealing with contingency? Examinations of contingency and a critique of the subject.
Publikationsjahr
2015
Umfangsangabe
117 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Ines Maria Breinbauer
Klassifikationen
AC Nummer
AC13003457
Utheses ID
34834
Studienkennzahl
UA | 066 | 848 | |
