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Wenn das Lebensende dem Lebensanfang vorausgeht
das Erleben von Pflegepersonen einer gynäkologischen Normalstation bei einer stillen Geburt
Lisa Brunhuber
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Pflegewissenschaft
Betreuer*in
Hanna Mayer
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.39542
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29793.33819.835163-3
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
„Wenn das Lebensende dem Lebensanfang vorausgeht“ Das Erleben von Pflegepersonen einer gynäkologischen Normalstation bei einer stillen Geburt Hintergrund: Der Verlust eines noch ungeborenen Kindes ist nicht nur für die betroffenen Eltern tragisch und mit Belastungen verbunden. Auch das klinische Personal im Spitalssetting weiß oftmals nicht, wie es mit diesen spezifischen Betreuungssituationen rund um einen Spätabort bzw. eine Totgeburt umgehen soll. Da betroffene Mütter vermehrt auf gynäkologischen Normalstationen für die vaginale Entbindung stationär aufgenommen werden, stellen allgemein diplomierte Pflegepersonen wichtige Ansprech- und Bezugspersonen für diese dar. Letztere sehen sich zunehmend mit Erwartungen der Eltern bezüglich ihrer Begleitung und der Versorgung des stillgeborenen Kindes konfrontiert. Um diesen jedoch besser entsprechen zu können, müssen zuvor die Bedürfnisse sowie die Belastungen der Pflegepersonen bei stillen Geburten betrachtet werden. Mit dem spezifischen Wissen darüber kann in weiterer Folge den Pflegekräften Unterstützung für deren eigenen Umgang mit diesen Situationen angeboten werden. Zielsetzung: Das Ziel dieser Arbeit ist die Betrachtung des Erlebens von Pflegepersonen einer gynäkologischen Normalstation bei einer stillen Geburt. Es wird vermutet, dass sich deren Erleben von anderen Professionen unterscheidet, da es sich bei allgemein diplomierten Pflegepersonal einerseits um eine noch nicht untersuchte ProbandInnengruppe handelt, die mit dem geburtshilflichen Setting nicht vertraut ist, andererseits die gynäkologische Normalstation ein bisher nicht erforschtes Setting darstellt. Des Weiteren soll zusätzlich ein neuer Fokus auf das spezifische Erleben und die Belastungen von Pflegepersonen bezogen auf den Umgang mit und die Versorgung der stillgeborenen Babys gelegt werden, da dies bisher noch kein Gegenstand der pflegewissenschaftlichen Forschung war, jedoch ein relevanter Einfluss vermutet wird. Auch wird auf den bestehenden Unterstützungsbedarf der betroffenen Pflegepersonen eingegangen, um in weiterer Folge spezifischere Ideen zu möglichen Hilfestellungen formulieren zu können. Methodik: Zur Datenerhebung werden neun qualitative leitfadengestützte Interviews mit allgemein diplomierten Pflegepersonen geführt, die auf gynäkologischen Normalstationen arbeiten und mit stiller Geburt im Arbeitsalltag konfrontiert sind. Die Analyse des Datenmaterials geschieht mittels offenen und axialen Kodierens in Anlehnung an die Grounded Theory nach Strauss und Corbin (1996). Ergebnisse: Es konnte das Schlüsselphänomen „Als Pflegeperson das Wohl der Patientin in den Mittelpunkt stellen“ identifiziert werden. Dieses steht im Zentrum des Erlebens der Pflegepersonen und ist deren Hauptziel in den spezifischen Betreuungssituationen rund um eine stille Geburt. Es sticht hervor, dass die Pflegekräfte ihre eigene Zufriedenheit betreffend ihrer geleisteten Arbeit über das Wohlbefinden der Patientinnen definieren. Um ihr Ziel zu erreichen, setzen sie Handlungen, wie die emotionale Betreuung der Patientin und ihrer Familie, der liebevolle Umgang mit dem stillgeborenen Kind, das Miteinbeziehen von Ressourcen, das Entsprechen des Rollenbilds der Pflege und das Achten auf sich selbst. Letzteres sind jene Strategien, die von den Befragten gewählt werden, um selbst besser mit stiller Geburt und der Versorgung des Kindes umgehen zu können. Weiters gibt es Faktoren, die als mögliche Belastungen identifiziert werden, wie beispielsweise der unzureichende Erfahrungsschatz der Pflegepersonen, deren Berührungsängste und Umgang mit den eigenen Emotionen, infrastrukturelle Gegebenheiten sowie ein Mangel an Zeit. Hinzu kommt, dass die Tatsache, dass das Kind tot ist über jeder Betreuungssituation schwebt und als eine Grundbelastung gesehen wird. Befragte vermuten eine Unwissenheit und mangelnde Einsicht der Führungskräfte bezüglich der Belastungen der Pflegekräfte. Aufgrund dessen wird kaum Unterstützung angeboten, Pflegepersonen fühlen sich alleine gelassen und überfordert. Schlussfolgerungen: Es wurden neue Setting spezifische Erkenntnisse bezogen auf die herangezogene Probandinnengruppe erzielt, die eine Ergänzung zum bisherigen Forschungsstand in Bezug auf stille Geburt darstellen. Auch wurde erstmals das spezifische Erleben von Pflegepersonen bezüglich des Umgangs mit bzw. der Versorgung von stillgeborenen Babys thematisiert. In Zukunft sollten angepasste Unterstützungsangebote geschaffen werden, wie beispielsweise häuserübergreifende Gesprächsrunden oder Arbeitsgruppen, damit die Pflegepersonen sich reflektieren und austauschen sowie lernen können, selbst mit stiller Geburt besser umzugehen. Erst dann sind eine Optimierung der Betreuung betroffener Eltern und der Versorgung des stillgeborenen Kindes sowie eine Steigerung des Selbstbewusstseins der Pflegekräfte und eine Minderung deren Belastungen möglich.
Abstract
(Englisch)
„When end-of-life precedes living existence“ Nurses experiencing stillbirth on gynecologic wards Background: The loss of an unborn baby is a tragic and burdening event for parents. Often clinical staff doesn’t know how to handle situations of care regarding late miscarriage and stillbirth, either. Affected mothers are mostly staying on gynecologic wards for delivering their deceased baby. Therefore, nurses with a general diploma are very important caregivers and resources for these women. Nurses are confronted with parents‘ high expectations concerning their support and the care of the stillborn child. Before nurses can meet these expectations, their needs and concerns regarding stillbirth should be considered. Only with specific knowledge about that, support for nurses can be provided relating their personal approach to these specific situations of care. Aim: The purpose of this study is to explore stillbirth related experiences of nurses, who have a general diploma and are working on gynecologic wards. It can be assumed that their experiences differ from those of other health care professionals, since nurses with a general diploma are a new sample who are not familiar with an obstetric setting. On the other hand, the general gynecologic ward is also an unexplored setting up to this point. Furthermore, there will be a new focus on the nurses‘ specific experiences and concerns regarding the care of the stillborn child. It wasn’t part of research so far, but relevant impact can be assumed. Additionally, this study aims to explore the nurses‘ needs of support in order to phrase specific ideas of possible assistance and support for these nurses. Methods: In order to collect data nine qualitative guided interviews were conducted with nurses who have a general diploma, work on gynecologic wards and are confronted with stillbirth in their daily routine. Data was analysed with open and axial coding following the grounded theory of Strauss and Corbin (1996). Findings: A key phenomenon was identified, „As a nurse placing special emphasis on the patient’s well-being“. This is most important for nurses and their main concern during care situations regarding stillbirth. Nurses define their own contentment with their accomplished work by the patient’s well-being. To achieve their main goal, nurses persue strategies, like caring emotionally for the patient and her family, treating the stillborn baby in an affectionate way, including resources into the care situation, understanding their role as a nurse and acting accordingly but also taking care of themselves. These last strategies are chosen by nurses to enable themselves to handle specific care situations regarding stillbirth in a better way. Furthermore, there are factors which are identified as burdens or concerns, such as insufficient experience of the nursing staff, their inhibition with these care situations, inadequate handling of their own emotions, infrastructure of the hospital or ward and lack of time. Additionally, the fact that the child is deceased is omnipresent and nurses see it as one of their main concerns. Because of the assumed ignorance of managers and their poor awareness of the nurses‘ burdens and concerns, there are very few resources and offers of support. Nurses feel left alone, overwhelmed and unable to cope. Conclusions: New results, which are specific for this sample and setting, were obtained and they are an addition to the current state of reasearch. For the first time nurses‘ specific experience regarding the care for the stillborn baby and their associated concerns were explored. These findings demonstrate that prospectively, offers of support need to be adjusted, such as discussion groups or supervision across different hospitals, so that nurses can reflect, exchange views and ideas and are able to learn how to handle stillbirth in a better manner. Only then optimizations of affected parent’s care and the affectionate care of the stillborn child are possible. As a result nurses‘ concerns lessen and their self-confidence increases.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
stillbirth Nurse experience
Schlagwörter
(Deutsch)
stille Geburt Pflege Erleben
Autor*innen
Lisa Brunhuber
Haupttitel (Deutsch)
Wenn das Lebensende dem Lebensanfang vorausgeht
Hauptuntertitel (Deutsch)
das Erleben von Pflegepersonen einer gynäkologischen Normalstation bei einer stillen Geburt
Paralleltitel (Englisch)
When end-of-life precedes living existence
Publikationsjahr
2015
Umfangsangabe
138 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Hanna Mayer
Klassifikation
70 Sozialwissenschaften allgemein > 70.99 Sozialwissenschaften allgemein: Sonstiges
AC Nummer
AC12728221
Utheses ID
35027
Studienkennzahl
UA | 066 | 330 | |
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