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The waste hierarchy
a goal-oriented assessment and a discourse analysis of a globalized waste management strategy
Jakob Lederer
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Karl Husa
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.4075
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30369.03645.910959-1
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Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die Abfallhierarchie (Vermeidung – Verwertung – Sichere Entsorgung von Abfällen), entstanden in wohlhabenden entwickelten Ländern in den 1970er Jahren, wurde zu einer wichtigen Abfallwirtschaftsstrategie, sowohl in Entwicklungs-, als auch in entwickelten Ländern. Diese Diplomarbeit untersucht die Anwendbarkeit und Anwendung der Abfallhierarchie in Entwicklungsländern auf zwei Ebenen: Zuerst wird durch eine Zielorientierte Bewertungsmethode versucht zu ermitteln, wie Abfallwirtschaftsoptionen und –Technologien, welche der Abfallhierarchie folgen, die Ziele der Abfallwirtschaft (Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt; Schonung der Ressourcen) erreichen. Anschließend wird der Diskurs über Abfallwirtschaft in Entwicklungs- und entwickelten Ländern untersucht. Für die Bewertung der Abfallwirtschaftsoptionen werden zuerst zwei urbane Regionen, eine in einem Land mit hohem Einkommen (Wien, Österreich) und eine in einem Land mit niedrigerem Einkommen (Banda Aceh, Indonesien), ausgewählt. Die Abfallwirtschaftssysteme beider Städte werden mit einer Güterflussanalyse dargestellt und berechnet. Zusätzlich werden die Ausgaben für Abfallwirtschaft ermittelt. Da aufgrund von Berichten davon auszugehen ist, dass in Banda Aceh unsichere Praktiken, wie illegales Verbrennen und Ablagern von Abfällen, hervorgerufen auch durch eine unvollständige Abfallsammlung, existieren, werden drei Szenarien für mögliche Abfallwirtschaftsoptionen entworfen. Diese Szenarien beziehen sich auf die Abfallhierarchie. Zwei der Szenarien, eine Kompostierung und eine Abfallverbrennungsanlage mit Energiegewinnung, sind durch die Abfallhierarchie erwünschter als das dritte Szenario, nämlich ein Entsorgungsszenario mit Ausweitung des Anschlussgrades der Abfallsammlung auf alle Abfallproduzenten und –Produzentinnen mit anschließender hygienischer Deponierung. Die anschließende Zielorientierte Bewertung wird anhand von Indikatoren durchgeführt, welche zeigen sollen, wie gut ein Abfallwirtschaftssystem die Ziele der Abfallwirtschaft (Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt; Schonung der Ressourcen) erreicht. Die Ergebnisse zeigen, dass das Abfallwirtschaftssystem von Wien eher diese Ziele der Abfallwirtschaft erreicht als jenes von Banda Aceh, jedoch pro Einwohner circa 37mal höhere Ausgaben mit sich bringt. Hauptverantwortlich für das relativ schlechtere Abschneiden von Banda Acehs Abfallwirtschaftssystem sind unsichere Praktiken, wie illegale Abfallverbrennung und Ablagerung, hervorgerufen unter anderem durch unvollständige Abfallsammlung. Bei der vergleichende Bewertung des Abfallwirtschaftssystems in Banda Aceh mit den drei Szenarien für die Stadt zeigt, dass das Kompostierungsszenario und das Abfallverbrennungsszenario mit Energiegewinnung bei den Indikatoren für Ressourcenschonung besser abschneidet, während das Entsorgungs- und Deponierungsszenario eher bei den Indikatoren zum Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt besser liegt. Die Kostensteigerung gegenüber dem Status Quo ist am größten beim Abfallverbrennungsszenario mit Energiegewinnung, gefolgt vom Entsorgungs- und Deponierungsszenario. Das Kompostierungsszenario zeigt die geringsten Kostensteigerungen. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass jenes Szenario, dass am ehesten die menschliche Gesundheit schützt, von der Abfallhierarchie am wenigsten favorisiert wird. Während das Abfallverbrennungsszenario mit Energiegewinnung zu hohe Kosten mit sich bringt, verbessert das Kompostierungsszenario hauptsächlich die Ressourcenschonung. Das bedeutet das Optionen und Technologien, welche durch die Abfallhierarchie von vorne herein bevorzugt werden, nicht unbedingt die Ziele der Abfallwirtschaft besser erreichen beziehungsweise umsetzbar sind. Dieser Widerspruch wird durch eine Diskursanalyse des Diskurses über Abfallwirtschaft in Entwicklungs- und entwickelten Ländern, mit spezieller Berücksichtigung der Abfallhierarchie, untersucht. Die Analyse lehnt sich an Umweltpolitikanalysen, basierend auf Michel Foucault, an. Analysiert wird Literatur von und über verschiedene Akteure, welche nach einer ersten Recherche als wichtig erachtet werden: 1) Forscher/-innen und Expert/-innen im Bereich der Abfallwirtschaft; 2) Internationale Organisationen; 3) Nationale-, Regionale Behörden und Staatliche Entwicklungszusammenarbeitsorganisationen; 4) Private Akteure, wie NGOs oder Unternehmen. Die Analyse zeigt das wohlhabende entwickelte Länder seit der 1970er Jahre eine Veränderung im Diskurs über Abfallwirtschaft erlebt haben, weg von der Betrachtung von Abfall als ein Gesundheitsproblem, hin zur Betrachtung als ein Umwelt- und Ressourcenproblem. Die Hauptgründe für diesen Wandel sind verbesserte Siedlungshygiene durch Abfallsammlung und sauberere Deponien und Behandlungsanlagen, aber auch veränderte Beziehungen zwischen Staatlichen Akteuren, Nicht-Staatlichen Akteuren und Individuen. Ein Resultat dieser Veränderung im Diskurs ist die Abfallhierarchie, welche eine wichtige Metapher im Diskurs über Abfallwirtschaft darstellt. Entwicklungsländer haben diesen Diskurs übernommen und mit ihm auch die Abfallhierarchie. Während Internationale Organisationen den Begriff globalisierten, wurden er von Entwicklungsorganisationen, Forscher/-innen und Expert/-innen weiterverbreitet und verfestigt. Andererseits haben Gesellschaften in Entwicklungsländer nicht jene Veränderungen erlebt, wie jene, die zu Konzepten wie der Abfallhierarchie in entwickelten Ländern geführt haben. So ist etwa die Siedlungshygiene in vielen Entwicklungsländern ein großes Problem für die Gesundheit der dort lebenden Menschen. Durch die Aufnahme der Abfallwirtschaftsdiskurselemente der entwickelten Länder ergibt sich eine Überlagerung von Ressourcenschonung und Menschlicher Gesundheit im Diskurs über Abfallwirtschaft in Entwicklungsländern. Durch diese Überlagerung besteht die Gefahr, dass die Menschliche Gesundheit, welche zuerst durch eine ausreichende Siedlungshygiene herzustellen ist, gegenüber der Ressourcenschonung verdrängt wird und somit ihre Wichtigkeit im Abfallwirtschaftsdiskurs in Entwicklungsländern einbüßt.
Abstract
(Englisch)
The hierarchy of waste management (waste reduction, recycling, disposal), which is a result of the affluent societies of high income developed countries in the 1970s, has entered waste policies in both, developed and developing countries. This thesis challenges the applicability of this approach in developing countries twofold: first by assessing how waste management options and technologies that follow the waste hierarchy fulfil the objectives of waste management (protection of human health and the environment, conservation of resources); and second by investigating the discourse on waste management in developed and developing countries. For the assessment of waste management options, two urban regions, one in a high income (Vienna, Austria) and one in a lower-middle income country (Banda Aceh, Indonesia) are selected. Subsequently, the waste management systems of both urban regions are investigated through material flow analysis, but also the expression of per capita expenditures for waste management. As unsafe waste management practises, such as illegal dumping and burning, but also incomplete waste collection, are reported from Banda Aceh, scenarios for improved waste management in Banda Aceh are designed. These scenarios refer to the waste hierarchy. Thus, two recycling scenarios (composting and waste incineration with energy recovery) and one disposal scenario (collection service for all waste generators and sanitary landfilling) are designed. The disposal scenario is lower ranked through the waste hierarchy. The subsequent goal-oriented assessment through indicators that refer to the objectives of waste management (1) protection of human health and the environment and 2) conservation of resources) shows that the actual waste management system of Vienna rather fulfil the objectives of waste management than Banda Aceh, but also costs 37times more per capita. Unsound practises in waste management in Banda Aceh, such as open burning and illegal dumping caused by incomplete waste collection, are main responsible for this weaker performances of Banda Aceh’s waste management system. The comparison of the three scenarios with the current state of waste management in Banda Aceh shows that composting and incineration with energy recovery more likely reach the objective of resource conservation, while the extension of collection to each waste generating source and sanitary landfilling more likely protects human health and the environment. The cost increase through improved waste management if compared to the current state is far highest for introducing waste incineration with energy recovery, followed by extension of collection and sanitary landfilling. The lowest increase in costs per capita can be observed for composting. Subsumed, the one option which is considered as least desirable through the waste hierarchy (extension of collection + sanitary landfilling) has the highest positive impact to reach the objective of protection of human health and the environment. While incineration is too expensive, composting more likely reaches the objective of conservation of resources. Hence options which are favoured through the waste hierarchy do not necessarily help to fulfil the objectives of waste management or can be economically unfeasible respectively. This contradiction is investigated through analyzing the discourse on solid waste management in developed and developing countries, with special regards to the appearance of the waste hierarchy. For that reason, literature from various actors in the discourse on waste management is reviewed and analyzed. The discourse analysis is based on environmental policy analysis which refers to Michel Foucault. The actors which are analyzed are 1) scientific community and experts in the field of solid waste management, 2) international organisations, 3) national and local authorities and bilateral development co-operation agencies and 4) private actors, such as NGOs and private companies. The result shows that since the 1970s, the discourse on waste management in developed countries has slowly shifted away from the protection of human health towards environmental concerns and resource conservation. The main reasons for this shift are the improved sanitary situation through more sound solid waste collection, disposal and treatment and the shifting relations between governmental actors, non-governmental actors and individuals. One outcome of this shift is the waste hierarchy, which has become an important metaphor in the discourse on solid waste management, used by scientists, experts, NGOs, but also stipulated in solid waste management policies and strategies. Developing countries have inherited parts of this discourse, such as the waste hierarchy. While international organizations have globalized this approach, national development agencies from industrialized countries, scientists and experts have helped to disseminate concepts like the waste hierarchy. On the other hand, societies in developing countries have not undergone the shifts that have led to policies like the waste hierarchy, such as the fundamental improve in the sanitary situation. This causes a superimposition of public health and resource conservation in the discourse on solid waste management in developing countries. Through this superimposition and the shift towards resource conservation, there might be the threat that protection of human health, in a first step established through improved sanitation, might looses its importance in solid waste management in developing countries.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Waste hierarchy Waste management Strategies Discourse analysis Material flow analysis Developing countries
Schlagwörter
(Deutsch)
Abfallhierarchie Abfallwirtschaft Strategie Diskursanalyse Stoffflussanalyse Entwicklungsländer
Autor*innen
Jakob Lederer
Haupttitel (Englisch)
The waste hierarchy
Hauptuntertitel (Englisch)
a goal-oriented assessment and a discourse analysis of a globalized waste management strategy
Paralleltitel (Deutsch)
Die Abfallhierarchie. Eine zielorientierte Bewertung und Diskursanalyse einer globalisierten Abfallwirtschaftsstrategie
Paralleltitel (Englisch)
The waste hierarchy. a goal-oriented assessment and a discourse analysis of a globalized waste management strategy
Publikationsjahr
2009
Umfangsangabe
XII, 237 S. : Ill., graph. Darst., Kt.
Sprache
Englisch
Beurteiler*in
Karl Husa
Klassifikation
43 Umweltforschung > 43.01 Geschichte der Umweltforschung und des Umweltschutzes
AC Nummer
AC07595796
Utheses ID
3599
Studienkennzahl
UA | 057 | 390 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1