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Die Europäisierung des mitgliedstaatlichen Verfassungsrechts am Beispiel der Slowakischen Republik
Matthias Földeak
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Rechtswissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Doktoratsstudium Rechtswissenschaften
Betreuer*in
Gerhard Hafner
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-16433.12012.947349-6
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die Europäisierung des mitgliedstaatlichen Verfassungsrechts beschreibt den Entwicklungsprozess, dem die mitgliedstaatlichen Verfassungsordnungen im Zuge der fortschreitenden europäischen Integration im Rahmen der Europäischen Union ausgesetzt sind. Illustriert wird diese Entwicklung am Beispiel der Verfassung der Slowakischen Republik, einem der jüngsten Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Wie in der Einleitung dargestellt wird, verlief deren Beitrittsprozess auf Grund von der EU festgestellter demokratischer und rechtsstaatlicher Defizite im Gegensatz zu dem seiner Nachbarstaaten vergleichsweise schwierig. Einmal Mitglied geworden, hat sich die Slowakei, welche 2016 erstmals die Präsidentschaft der EU übernimmt, indes als ein in seiner Mitgliedschaft eher unauffälliges und der unionalen Rechtsordnung in Loyalität verbundenes Mitgliedsland erwiesen. Wesentlicher Anknüpfungspunkt für die Untersuchung der hier zu begründenden Europäisierung der slowakischen Verfassung ist die aus dem Jahr 2001 stammende Verfassungsreform, die sog. Euro-Novelle. Mittels dieser sollte die Verfassungfür das Völkerrecht im Allgemeinen und das Unionsrecht im Besonderen geöffnet und die verfassungsrechtlichen Voraussetzungen für die Mitgliedschaft in der Europäischen Union geschaffen werden. Ausgehend hiervon wird im ersten Teil der Arbeit zunächst die Beziehung der slowakischen Verfassung zum Völkerrecht untersucht. Dabei kommt der Stellung des Völkervertragsrechts, auf welches die Verfassung im Gegensatz zum Völkergewohnheitsrecht in sehr viel detaillierter Weise eingeht, besondere Aufmerksamkeit zu. Aus unionsrechtlicher Sicht ist diese Frage insoweit von Bedeutung, als zumindest das Unionsprimärrecht dem slowakischen Recht nach (auch) den völkerrechtsbezogenen Bestimmungen untersteht. Hieran schließt sich im zweiten Teil die Untersuchung der unionsspezifischen Integrationsklausel der slowakischen Verfassung an, die diese für das Unionsrecht öffnet. Behandelt wird zunächst die Frage, inwieweit die Einfügung einer solchen Klausel in die slowakische Rechtsordnung aus rechtlicher Sicht überhaupt erforderlich war. In einem zweiten Schritt folgt eine Darstellung der Genese der Klausel von der Entwurfs- bis zu ihrer Endfassung, sowie der Voraussetzungen, welche die slowakische Verfassung in materiell- und verfahrensrechtlicher Hinsicht an eine Kompetenzübertragung auf die Europäische Union knüpft. Gesonderte Berücksichtigung findet in diesem Zusammenhang die Abgrenzung der unionsbezogenen Integrationsklausel von der verfassungsrechtlichen Beitrittsermächtigung zu einem Staatenverband, deren Anwendbarkeit in Bezug auf den europäischen Integrationsprozess höchst strittig ist. Im dritten Teil folgt eine Untersuchung derjenigen Bestimmungen der slowakischen Verfassung, die einen unmittelbaren Bezug zur Europäischen Union aufweisen und derer im Vergleich zu den Verfassungen anderer Mitgliedstaaten überdurchschnittlich viele sind. Berücksichtigung findet in diesem Zusammenhang auch die hierzu ergangene höchstrichterliche Rechtsprechung. Im Schlussteil wird, losgelöst von der slowakischen Verfassung, der Frage nachgegangen, welche möglichen Funktionen mitgliedstaatliche Verfassungen im aktuellen Kontext des europäischen Integrationsprozesses wahrnehmen. Die Arbeit schließt mit Überlegungen des Verfassers, in welche Richtung sich die Verfassungen der Mitgliedstaaten im Zeichen der ihnen obliegenden Loyalitätspflicht in diesem Zusammenhang weiterentwickeln sollten.
Abstract
(Englisch)
The Europeanisation of the member states’ constitutional law describes the process, to which their constitutional legal orders are shaped by the steadily advancing integration of the European Union. This process is illustrated with reference to the constitution of the Slovak Republic, one of the youngest member states in the European Union. As expressed in the introduction, its accession process was rather more complicated and bumpy than that of its neighbours due to deficits recognized by the European Union with regard to democratic process and the rule of law in Slovakia. However, having successfully accomplished accession, Slovakia, which will hold EU presidency for its first time in 2016, has proven to be a member state loyally and un-controversially committed to the European legal order up to now. The essential starting point for the examination of the postulated Europeanisation of the Slovak constitution is the constitutional reform of 2001, the so-called Euro-amendment, whose purpose was to open the legal order to international public law in general and to EU law in particular, as well as to create the conditions for membership in the European Union. Part one of the thesis addresses the relationship between the Slovak constitution and international law. Special attention is paid to international treaty law that the constitution treats in greater detail than customary international law. Part two thoroughly examines the integration clause of the Slovak constitution, which opens the Slovak legal order to EU-law. In a first step, it is questioned to what extent the insertion of such a clause in the Slovak legal order was necessary from a legal point of view. In a second step, the genesis and evolution of the clause from its first draft through various amendments, to the eventually adopted final version are described. This part also deals with the conditions stipulated by the Slovak constitution for a transfer of sovereign powers to the EU, both in the material as well as procedural law perspective. Particular attention is paid in this context to the necessary distinction between the EU-integration clause on the one hand, and, on the other hand, the constitutional conditions for joining a state-union with other countries. The applicability of the latter to the European integration process is highly controversial. Part three consists of an examination of those articles of the Slovak constitution, which refer directly to the European Union. In contrast to other member states, the Slovak constitution contains a comparatively high number of such references. In this context, the relevant rulings of the Slovak Supreme Court related to the aforementioned references are also discussed. Moving beyond the example of Slovakia, the conclusion examines the functional role played by the constitutions of member states in the current context of the progressive integration of the European Union. It ends with a suggestion by the author regarding the direction in which the member states’ constitutions should be developed in recognition of their obligation of loyalty towards the European Union.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Europenisation constitutional law integration clause Slovakia
Schlagwörter
(Deutsch)
Europäisierung Verfassungsrecht Integrationsklausel Slowakei
Autor*innen
Matthias Földeak
Haupttitel (Deutsch)
Die Europäisierung des mitgliedstaatlichen Verfassungsrechts am Beispiel der Slowakischen Republik
Paralleltitel (Englisch)
Europeanisation of the of the member states’ constitutional law with reference to the Slovak Republic
Publikationsjahr
2015
Umfangsangabe
194 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Gerhard Hafner ,
Alexander Bröstl
Klassifikation
86 Recht > 86.86 Europarecht: Allgemeines
AC Nummer
AC13289248
Utheses ID
36354
Studienkennzahl
UA | 783 | 101 | |
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