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"der staub, den sie bei ihren kämpfen aufwirbeln, das ist die wirkliche materie." Realitätskonzeptionen in Bertolt Brechts Texten
Doris Neumann-Rieser
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Dr.-Studium der Philosophie (Dissertationsgebiet: Deutsche Philologie)
Betreuer*innen
Günther Stocker ,
Werner Michler
DOI
10.25365/thesis.41369
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29152.25149.673254-4
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die Arbeit fragt, wie Realität – als diskursiv hergestellte Kategorie – in Texten Brechts zwischen 1918 und 1956 konzipiert wird und welche literatursoziologischen und diskursiven Bedingungen dabei relevant sind. Eine wichtige Positionierungsstrategie stellt die Option für den Materialismus (vs. individuelle Seele) und die diesseitige ‚Welt‘ (vs. christliche Jenseitsvorstellungen, Ideenwelt) dar. Sowohl die Vorstellung einer Ausdruckskunst, als auch eine scharfe Trennung zwischen Kunst- und Alltagsrealität, als auch die Problematisierung von Erkenntnisprozessen entfallen damit zunächst.
In den 1920er Jahren befürwortet Brecht entsprechend den Schlagworten der Neuen Sachlichkeit ‚dokumentarische‘ Darstellungsmodi, behält praktisch jedoch eine von bewusster Konstruktion und Montage geprägte Ästhetik bei. Die Beschäftigung mit aktuellen Diskursen zum Zweck ihrer Veränderung wird im Laufe der 1920er Jahre zunehmend zu einer Zielsetzung für den Autor.
Um 1930 wird von Seiten der kommunistischen Kritik der Vorwurf am Lehrstück Die Maßnahme erhoben, es mangle ihm an Realistik. Brecht beschäftigt sich daraufhin verstärkt mit dem (marxistischen) Dialektikdiskurs und Wissenschaftsphilosophie. Auf dieser Grundlage wird eine Ästhetik entwickelt, die von stets situierten Standpunkten, Indeterminismus von Ereignissen und dem Primat von Wirkung, Funktion und Praxis ausgeht.
Im Exil arbeitet Brecht mit der Technik der Aufdeckung ausgeblendeter (ökonomischer) ‚Wahrheiten‘. Die Rolle der Intelligenz und der empirischen Wissenschaften im Machtfeld werden in Tuiroman und Leben des Galilei verhandelt, wobei sich eine Ambivalenz zwischen dem dialektischen Wahrheitsbegriff und der Bestimmtheit ergibt, mit der etwa Galilei ‚die Wahrheit‘ behauptet.
Nach dem Exil verschärft sich der Widerstreit zwischen der Formalismus-Realismus-Doktrin und Brechts Konzept der experimentell begreifbaren und mit Eingriffen veränderbaren Praxis-Realität durch den Umzug in die DDR. Brechts teilweise Kompromissbereitschaft dieser Staatsführung gegenüber lässt sich jedoch ebenfalls mit seinem dialektischen Realitätskonzept erklären.
Abstract
(Englisch)
The thesis asks how reality is conceived in Brecht’s works between 1918 and 1956, and what the literature-sociological und discursive preconditions are. A crucial strategy for positioning himself in the literary field is the option for materialism (vs. individual souls) and the carnal world (vs. the Christian concept of the afterlife or Platonic ideas). Hence the idea of expressive arts, a sharp division between arts and everyday-reality as well as epistemological problems are initially dispensable.
In the 1920s Brecht appraises ‘documentary’ arts as appropriate for the period of New Objectivity. In practice, however, he exercises a reflected constructive aesthetic program. Using recent discourses to change them now becomes a more and more relevant aspect of Brecht’s work.
Around 1930 communist critics brought reproach on the learning play The Measures taken or The Decision, claiming it to be not realistic enough. Subsequently, Brecht concerned himself with the (Marxist) discourse of dialectics, and with philosophy of science. On this basis he develops an aesthetic which takes into account that subjects are always situated, events are not fully determined, and practical function of action is important in the first place.
In exile Brecht exercises the strategy of revealing repressed (economical) ‘truths’. The role of intellectuals and scientists within the field of power is questioned in the “Tui” novel, and in the play Galileo. In this play an ambivalence can be perceived between the dialectic conception of truth and the seemingly absolute truth Galileo states.
After exile, when Brecht had moved to the GDR, the conflict between Brecht’s conception of reality, which highlights practice and change, and states that reality can only be perceived by experiment, and the formalism-realism-doctrine grows. The fact that Brecht was partially willing to make compromises with the government can also be understood by taking into account his conception of reality, which entails that reality consists of negotiations.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
Bertolt Brecht reality realism objectivity epistemology empirism perception truth philosophy science literary field discourse
Schlagwörter
(Deutsch)
Bertolt Brecht Realität Realismus Wirklichkeit Objektivität Epistemologie Erkenntnis Empirie Wahrnehmung Wahrheit Philosophie Wissenschaft literarisches Feld Diskurs
Autor*innen
Doris Neumann-Rieser
Haupttitel (Deutsch)
"der staub, den sie bei ihren kämpfen aufwirbeln, das ist die wirkliche materie." Realitätskonzeptionen in Bertolt Brechts Texten
Paralleltitel (Englisch)
"der staub, den sie bei ihren kämpfen aufwirbeln, das ist die wirkliche materie." Concepts of Reality in Bertolt Brecht's Works
Publikationsjahr
2015
Umfangsangabe
434 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Michael Rohrwasser ,
Erdmut Wizisla
Klassifikationen
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.90 Literatur in Beziehung zu anderen Bereichen von Wissenschaft und Kultur ,
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.97 Texte eines einzelnen Autors
AC Nummer
AC13075696
Utheses ID
36615
Studienkennzahl
UA | 792 | 332 | |
