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La conception de la relation homme-femme et le discours contemporain
une comparaison de "Putain" (Arcan, 2001) et "Reflets dans un œil d'homme (Huston, 2012)
Dagmar Martschini
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Lehramtsstudium UF Französisch UF Englisch
Betreuer*in
Jörg Türschmann
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.41490
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30463.70104.635970-4
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Der heutige « Geschlechterdiskurs » ist weitgehend dafür bekannt, das Geschlecht als ein soziales Konstrukt anzusehen. Die « rousseauistische » Behauptung, Frau und Mann seien von Natur aus verschieden, ist längst überholt, wenn nicht ein Frevel, der höchstens der Vergangenheit angehört. Gleichheit, soweit das Auge reicht, ist die heutige Devise. Ziel meiner Arbeit ist es jedoch, aufzuzeigen, dass die so angepriesene Gleichheit der Geschlechter – ob recht oder schlecht – nicht ganz der Wahrheit entspricht. Das Verhältnis zwischen Mann und Frau ist nach wie vor kompliziert und lässt in vielerlei Hinsicht zu wünschen übrig – auch wenn wir oft so tun, als ob « bei uns », in den westlichen Industrieländern, jegliche Ungleichheiten ein Problem von gestern wären. Nancy Huston, « ehemalige Feministin », so wie sie sich selbst nennt, wird durch eine Lektüre wachgerüttelt, die ihr zu beweisen scheint, dass Männer und Frauen in vielerlei Hinsicht längst nicht « gleich » sind, sondern wie eh und je Ergebene der Evolution. Es handelt sich hierbei um die Autofiktion « Putain » (2001) von Nelly Arcan – ein Werk, in dem sich die Protagonistin (höchstwahrscheinlich ident mit der Autorin) „kein Blatt vor den Mund“ nimmt und auf radikale Art und Weise beschreibt, dass Frauen « Spiegelbilder im Blicke eines Mannes » seien, was so viel heißt wie, dass wir den Blicken der Männer in all unserem Tun ausgesetzt, uns dessen aber auch durchaus bewusst seien und sogar großen Wert darauf legen würden. Nur unsere gesellschaftlichen Strukturen und unsere Kultur würden, banal ausgedrückt, verhindern, dass Männer das andere Geschlecht auf der Straße « anspringen », und dass Frauen zugeben, dass sie sehr wohl gerne Objekte der Begierde sind und untereinander diesbezüglich konkurrieren. Reumütig, doch bestimmt, gesteht sich die französische Kanadierin nach dem Lesen jener Autofiktion in ihrem Essay « Reflets dans un œil d'homme » (2012) ein, dass Männer – trotz all der errungenen Rechte der Frauen – nach wie vor das triebgesteuerte Geschlecht sind. Sie sieht ein, dass die Monogamie nichts weiter als ein auferlegter Zwang ist und bestenfalls dazu dient, das System « Familie » aufrecht zu erhalten. Frauen hingegen fänden trotz aller gegenteiligen Behauptungen Gefallen daran, dem anderen Geschlecht schöne Augen zu machen. Im Gegensatz zu den Männern wollen sie letztendlich aber nicht nur « das Eine », sondern « den Einen », mit Betonung auf « Einen » – evolutionsbedingt wünschen sie sich einen starken sowie verlässlichen Beschützer, der sie in Zeiten der Schwangerschaft sowie der Kindeserziehung gut versorgen kann und nicht im Stich lässt. Durch die schon oben erwähnte Lektüre « Putain » (2001) von Nelly Arcan (eine Landsmännin aus Québec, welche Huston in höchsten Tönen lobt) wird der ehemaligen Feministin klar, wie heuchlerisch unsere westliche Gesellschaft mit dem Begriff « Freiheit » umzugehen pflegt. Einerseits propagieren und feiern nicht nur Feministinnen die Rechte, welche Frauen sich – man kann es nicht leugnen – in den letzten Jahrzehnten sowie Jahrhunderten erkämpft haben, andererseits zeigt die Realität, dass so einige dieser gefeierten Errungenschaften bloße Illusion sind. Viele Frauen, die nun offiziell den Status als « Subjekt » für sich in Anspruch genommen haben, reduzieren sich weiterhin gerne zum « Objekt » (man denke an die Misswahlen und die immer steigenden Profite der Schönheitsindustrie), und eine nicht unbedenkliche Anzahl an Männern, so beweisen es Studien, Umfragen sowie Tatsachen, fallen der immer mehr florierenden Pornoindustrie zum Opfer (die Anzahl der Frauen, die davon Gebrauch machen, ist laut Huston nicht einmal erwähnenswert). Arcan sowie Huston sind sich darin einig, dass das westliche Rollenverhältnis zwischen Mann und Frau im Grunde nicht viel moderner als jenes mancher muslimisch geprägter Länder ist. Zwar unterliegen die Frauen bei uns nicht dem Zwang des Burga – oder Kopftuchgesetzes und treffen auch sonst kaum mehr auf Einschränkungen, doch sind sie laut Huston Gefangene und Opfer der Schönheitsindustrie. Das natürliche Verlangen des weiblichen Geschlechts, dem Mann zu gefallen, werde seit dem Aufkommen der technischen Medien skrupellos dazu missbraucht, Frauen weiszumachen, sie würden niemals schön und jung genug sein. Es bedürfe in den westlichen Industrieländern keines Kopftuchgesetzes, um Frauen – makaber ausgedrückt – « im Zaum zu halten », sondern lediglich der Verbreitung von Bildern makelloser, scheinbar ewig junger Mädchen, um den Kreislauf der Selbstkasteiung in Gang zu halten. Das Beispiel « par excellence »für diese « Tatsache »findet Huston in der Protagonistin des Werkes « Putain » von Nelly Arcan wieder. Wie der Titel des Werkes schon verrät, ist sie Prostituierte, und identifiziert sich auf höchst radikale Art und Weise mit der stereotypen Rolle der Frau, die ihrer Meinung nach gefügig und gehorsam zu sein hat und als Objekt dienen soll. An die Treue der Ehemänner glaubt sie kein bisschen, da ihr bei ihrer Tätigkeit tagtäglich das Gegenteil bewiesen wird. Obwohl N.A. am « Gesetz der Natur » genauso wenig wie Huston Gefallen findet, meint sie, dass es dennoch besser sei, sich dem Schicksal zu fügen und « mitzuspielen », als wie der Großteil der Gesellschaft zu agieren und die « naturgegebenen Gesetze »heuchlerisch zu leugnen. In ihrem Essay zeigt Huston jedoch auf, dass die Tätigkeit als « Freudenmädchen » fatale Konsequenzen mit sich bringen kann und alles andere als ein normaler, gewöhnlicher « Beruf » ist, auch wenn es manche noch meinen mögen. Feministinnen wie Badinter behaupten hingegen, dass man Frauen ihr Recht auf selbstbestimmte Freiheit nehme, würde man ihnen diese Tätigkeit verbieten. Freiheit hin oder her – Schicksale wie jenes in « Putain » und andere sind Beweis genug für Huston, dass Prostituierte für den Rest ihrer Tage mit psychischen Problemen zu kämpfen haben. Sie verfallen dem Nihilismus, haben ein hohes Selbstverletzungsrisiko und sehen im schlimmsten Fall den Suizid als letztmöglichen Ausweg. Ein « normales » Leben (einschließlich Kindern, Ehemann, Familie...) ist ihnen nach der längeren Ausführung jener Tätigkeit außerdem kaum mehr möglich. Welche Frau vergisst schon, dass sie eines ihrer intimsten Besitztümer – den eigenen Körper – tagtäglich einer nicht mehr zählbaren Anzahl von Männern hingegeben hat, und welcher Mann möchte schon eine Frau, an der sich bereits hunderte, wenn nicht tausende seiner Mitstreiter « vergangen  » haben? Eine Frage, die Huston in ihrem Essay interessiert, ist folglich, warum junge, intelligente, finanziell abgesicherte Frauen wie N.A., angesichts all dieser (soeben erwähnten) Nachteile und all der vielen Möglichkeiten, die ihnen das Leben bieten würde, dennoch den Weg als « Freudenmädchen » einschlagen. Der ehemaligen Feministin zufolge sind die Motive wohl vielschichtig. Eine instabile Kindheit oder gar sexueller Missbrauch, gepaart mit den medialen, evolutionären sowie gesellschaftlichen Einflüssen können dazu führen, dass eine Frau selbstverletzendes/selbstschädigendes Verhalten an den Tag legt und sich eventuell prostituiert. Arcans Protagonistin ist sich diesen Einflüssen ebenso bewusst und stellt sich selbst die Frage – so wie es auch Huston tut – ob ihre (grundlegend) negative Lebenseinstellung, bedingt durch die Eltern, die « naturgegebenen Umstände » und die Medien, zu ihrer Entscheidung geführt hat, sich zu prostituieren oder, ob die Prostitution sie erst so negativ hat werden lassen. Wie sich herausstellt, bedingt wahrscheinlich das eine das andere. Des Weiteren trägt wahrscheinlich die narzisstische – oder besser gesagt, « weiblich narzisstische » – Ader N.A.s dazu bei, sich zu prostituieren. Die junge Studentin glaubt, wie sie selbst behauptet, nicht an die Liebe, sehr wohl aber an Bewunderung, welche sie in diesem Geschäft zu finden glaubt und hofft. Stetige Bewunderung durch andere ist für sie das « A » und « O » und man könnte fast meinen, die Protagonistin sei daher abhängig von ihrer nebenberuflichen Tätigkeit. In ihrem Essai verweist Huston sogar darauf, dass man harte Drogen und Prostitution durchaus miteinander vergleichen könne. Die anfängliche Euphorie über das Unbekannte, Aufregende, die Macht, die man nun zu besitzen meint (über das Geld und die Männer) sowie das neu gewonnene Hochgefühl weiche schneller als man glaubt einer inneren Leere. Wie ein Drogenabhängiger versuche man nach dem Verschwinden des anfänglichen « Kicks » mit allen Mitteln, das berauschende Gefühl des Anfangs wiederzuerlangen – leider aber vergeblich. Für Huston zeigt sich im Fall von N.A. außerdem noch eine weitere Form der Abhängigkeit – eine Form der « doppelten Abhängigkeit ». Außer den soeben genannten Gründen ist die junge Studentin wohl noch davon abhängig, « ewig »jung, begehrenswert und schön zu bleiben. Sie sieht ihren Körper als ihr einziges Gut an, wofür sie als Frau und Mensch geschätzt wird, und investiert daher Unsummen in teure Kleidung und Schönheitsoperationen. Ohne ihre Tätigkeit als Prostituierte könnte sich N.A. mit einem einfachen Studenteneinkommen einen solchen Luxus wohl kaum leisten. Sie ist daher auf ihr hohes Gehalt angewiesen, wenn sie (wie sie selbst meint) nicht wie ihre Mutter enden will: alt, depressiv und unbegehrenswert. Im Laufe der Analyse und des Vergleichs der beiden Autorinnen erweist sich, dass sie in vielerlei Aspekten recht zu haben scheinen. Das Verhältnis zwischen Mann und Frau lässt nach wie vor zu wünschen übrig und von wahrer Gleichheit kann man angesichts des hohen Pornokonsums und dem Ziegeszug der Schönheitsindustrie auch heute noch nicht sprechen. Viele Frauen laufen Gefahr, in einer Gesellschaft, die großen Wert auf das Äußere legt und dies aber gleichzeitig leugnet, unterzugehen und sich selbst zu verlieren. Einerseits sollen sie autonom, frei und dynamisch sein – das Bild der emanzipierten Frau verkörpern – andererseits wird ihnen vorgelebt, dass Jugend und ewige Schönheit « alles » sei. « Wer bin ich, mein Verstand oder mein Körper? » – dieser Frage sind viele Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts ausgeliefert und ein Identitätskonflikt ist oft die Folge. Infolge dieses Identitätskonflikts kann es unter anderem passieren, dass sie sich, wie N.A., alleinig durch ihren Körper identifizieren, selbstverletzen, anorektisch werden oder prostituieren. Aufgrund der eher einschlägigen, fatalistischen Stellungnahme der Autorinnen, ist es mir dennoch ein Anliegen, einige konträre Sichtweisen zur Thematik aufzuzeigen, und damit die Überzeugungen der Kanadierinnen im Hinblick auf das weibliche sowie männliche Rollenbild zu hinterfragen. In seinem Forschungsbericht « Die versteckte Lust der Frauen » (2013) von Daniel Bergner bezieht sich der Autor zwar, ebenso wie Huston und Arcan, auf den evolutionnären Einfluss auf die Geschlechter, unter einem jedoch völlig anderen Blickwinkel. Wie Bergner durch jahrelangen, intensiven Austausch mit Sexologen und Paartherapeuten herausgefunden zu haben scheint, sind nämlich die Frauen das « animalischere» und weniger monogame Geschlecht (und nicht die Männer, wie Arcan und Huston es behaupten). Lediglich durch eine Vergangenheit jahrelanger Unterdrückung des weiblichen Geschlechts und der immer noch vorherrschenden Annahme, dass Frauen von Natur aus das treuere Geschlecht seien, fiele es ihnen schwer, ihre wahre Sexualität auch leben zu können. Mit den Ansichten von Bergner möchte ich darauf hinweisen, dass es genauso Gegenbelege zu Hustons Auffassung über die « naturbestimmten Begebenheiten » gibt, und ebenso zeigen, wie umstritten und aktuell die Thematik betreffend der Auffassung über die Geschlechter in der heutigen « modernen  » Zeit immer noch ist. Vom Konsens scheint man hier weit entfernt.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Auffassung der Mann-Frau Beziehung Prostitution Nelly Arcan Nancy Huston
Autor*innen
Dagmar Martschini
Haupttitel (Französisch)
La conception de la relation homme-femme et le discours contemporain
Hauptuntertitel (Französisch)
une comparaison de "Putain" (Arcan, 2001) et "Reflets dans un œil d'homme (Huston, 2012)
Paralleltitel (Deutsch)
Die Auffassung der Beziehung zwischen Mann und Frau und der kontemporäre Diskurs
Publikationsjahr
2016
Umfangsangabe
141 Seiten
Sprache
Französisch
Beurteiler*in
Jörg Türschmann
Klassifikation
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.92 Vergleichende Literaturwissenschaft: Allgemeines
AC Nummer
AC13107787
Utheses ID
36723
Studienkennzahl
UA | 190 | 347 | 344 |
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