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Humor in der Untertitelung am Beispiel des Films "L'aile ou la cuisse"
Julia Reiter
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Zentrum für Translationswissenschaft
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Übersetzen Französisch Englisch
Betreuer*in
Sibylle Pot d'or
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.41650
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-24236.39686.859762-6
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Untertitel beeinflussen zwangsweise jeden Film, da das Original einen zusätzlichen schriftlichen Kanal erhält. Dem hörenden Publikum wird dadurch ermöglicht, die Originalstimmen inklusive Tonlage und anderer Geräusche zu hören und somit die im Film präsentierten Kulturen und Geschehnisse authentisch miterleben zu können. Gehörlose sind sogar auf die Untertitel angewiesen, um dem Film überhaupt folgen zu können. Eigene Untertitelungstechniken für Gehörlose geben nicht nur die gesprochenen Dialoge wieder, sondern auch alle für den Film relevanten Geräusche. Untertitel bergen aber auch Aufgaben für die Zuseher, da sie sich nicht mehr ausschließlich auf die visuellen und auditiven Reize des Originalwerks konzentrieren können, sondern gleichzeitig mitlesen müssen. Das betrifft nicht nur jene Zuseher, die auf die Untertitel angewiesen sind (Gehörlose, Hörbeeinträchtigte, Personen mit zu wenig Kenntnissen der Originalsprache). Auch jene, die das Original ohne Untertitel verstehen würden, werden alleine durch das Aufscheinen der Untertitel dazu verleitet, mitzulesen. Daraus folgt, dass die Zuseher weniger Zeit haben, den Bildern zu folgen, da sie gleichzeitig entweder mit dem Lesen der Untertitel beschäftigt sind oder zumindest durch das Aufscheinen der Untertitel abgelenkt sind. Da das Lesen der Untertitel mehr Zeit in Anspruch nimmt als das Hören der Dialoge und das Platzangebot beschränkt ist, sind Untertitel außerdem zu einer Verkürzung und mitunter auch zu einer Auslassung in den Dialogen gezwungen, was zu Auffassungsschwierigkeiten führen kann. Eine generelle Voraussetzung für eine erfolgreiche Untertitelung ist daher die Einhaltung bestimmter allgemeiner Richtlinien, die den Lesern dabei helfen, das Textmaterial rasch aufzufassen. Dadurch soll gewährleistet werden, dass genügend Zeit ist, um sowohl den Text, als auch das Bild zu verarbeiten. Werden Untertitel für Gehörlose erstellt, müssen auch alle relevanten Informationen in den Untertiteln enthalten sein, die vom hörenden Publikum über die originale Audiospur vernommen werden. Dazu gehören alle akustischen und paraverbalen Gegebenheiten, die für das Zielpublikum von Bedeutung sind, um dem Film folgen zu können. Inwieweit Untertitel den Humor eines Filmes beeinflussen, wurde anhand eines konkreten Beispiels, der französischen Komödie L’aile ou la cuisse, untersucht. Zusammenfas-send werden nun die Resultate der Untertitelanalyse präsentiert. Der in dieser Arbeit untersuchte visuelle Humor verläuft im Original rein visuell, das heißt ohne Dialog oder auditive Reize, weshalb diese Szenen keine Untertitel benötigen. Da die deutsche Untertitelfassung in vielen Passagen mehr Äußerungen enthält als das Original, waren davon auch sechs Passagen mit nonverbalem Humor betroffen. Diese Szenen verlaufen in der interlingualen Untertitelversion daher nicht immer völlig nonverbal. Der Humor bleibt trotzdem erhalten, weil dem Publikum trotz Lesen der Untertitel noch genügend Zeit bleibt, um dem nonverbal verlaufenden Humor zu folgen. Außerdem sind die beiden Kulturen ähnlich genug, dass die visuellen Pointen auch vom deutschsprachigen Publikum verstanden werden. Alles in allem bleibt der visuelle Humor in beiden Untertitelversionen bestehen. Auditiver Humor ist für das hörende Publikum (Personen ohne oder mit zu wenig Französischkenntnissen) über die originale Audiospur wahrnehmbar. Für Gehörlose kommt es immer dann zu einer Abschwächung bzw. einem Verlust des auditiven Humors, wenn akustische oder paraverbale Elemente, die für das Verständnis des Humors wichtig sind, nicht in den Untertiteln wiedergegeben werden und auch nicht durch das Bild kompensiert werden. Bei den intralingualen Untertiteln betrifft das sowohl den akustischen, als auch den paraverbalen Humor, da die Untertitel nicht speziell für Gehörlose erstellt wurden. Auditiver und paraverbaler Humor ging in je einem Fall für Gehörlose verloren. Sechs weitere Beispiele mit paraverbalem Humor sind in den französischen Untertiteln für Gehörlose abgeschwächt wahrnehmbar. Die interlingualen Untertitel wurden zwar für Gehörlose erstellt und die Beispiele mit akustischem Humor wurden untertitelt, dennoch sind zahlreiche Passagen mit paraverbalem Humor nicht in den Untertiteln wiedergegeben. Ein Fall von paraverbalem Humor fällt demnach für Gehörlose völlig weg, sechs weitere Szenen wurden abgeschwächt. Offensichtlich wurde nicht bedacht, dass Gehörlose nicht nur akustische, sondern auch paraverbale Informationen (zum Beispiel Hinweise zu Akzenten) benötigen, um dem Film bzw. dem Humor zu folgen. Eine Abschwächung oder ein Wegfall des Humors für Gehörlose und Hörbeeinträchtigte ist auf einer Untertitelspur, die eigens für Gehörlose angefertigt wurde, besonders bedauerlich. Was den verbalen Humor des Filmes betrifft, so musste eine getrennte Analyse zwischen intra- und interlingualen Untertiteln vorgenommen werden. Intralinguale Untertitel werden in der gleichen Sprache und für den gleichen Kulturkreis erstellt wie die originale Audiospur. Es macht in diesem Fall keinen Unterschied, ob es sich um linguistischen oder nichtlinguistischen Humor handelt, da hier keine Übersetzung von einer Sprache in eine andere nötig ist. Interlinguale Untertitel hingegen sind Untertitel in einer anderen Sprache und für einen anderen Kulturkreis. In diesem Fall ist linguistischer Humor, der in der Sprachstruktur begründet liegt, nur dann übersetzbar, wenn Ausgangs- und Zielsprache parallele Strukturen aufweisen. Eine getrennte Behandlung von linguistischem und nichtlinguistischem Humor ist für interlinguale Untertitel daher unverzichtbar. Wie gerade besprochen, hängt der Erfolg des verbalen Humors bei den intralingualen Untertitel nicht davon ab, ob es sich um linguistischen oder nichtlinguistischen Humor handelt. Ob der Humor beibehalten werden kann liegt vielmehr daran, ob genügend Raum und Zeit vorhanden ist, um diesen wiederzugeben. Tatsächlich sind Kürzungen und Auslassungen des Originaldialoges hauptverantwortlich für eine Minderung des Humors. Die humorvollen Passagen mit verbalem Humor sind in zwei Szenen für das gesamte Publikum abgeschwächt und fallen in einer Szene völlig weg. Für Gehörlose gehen zwei weitere Fälle verloren. Zwar wirkt eine Szene durch die verkürzten Untertitel lustiger als im Original, doch ist dies im Hinblick auf die Zahl der Einbußen des Humors ein verschwindend kleiner Teil. Um den Skopos der intralingualen Untertitel zu wahren, nämlich das Publikum zum Lachen zu bringen, wäre es nötig gewesen, die humorvollen Passagen nur so weit zu kürzen, dass es durch die Untertitelung zu so wenig Verlust wie möglich kommt. Der Humor leidet in der intralingualen Untertitelversion aber nicht nur an den verkürzten Dialogen. In vier Passagen kommt es zu einer Veränderung, Abschwächung oder gar zu einem Verlust des Humors durch sprachliche Fehler in der Untertitelung, die anscheinend nicht von einem französischen Muttersprachler erstellt wurde. Da es sich bei der konkret untersuchten intralingualen Untertitelung nicht um eine Untertitelversion für Gehörlose handelt, gehören Sprachstudenten und Migranten zum vorherrschenden Zielpublikum. Aus pädagogischer Sicht ist es für den Spracherwerb besonders schlecht, dass die intralinguale Untertitelung Französischfehler enthält. Die Fehler hätten durch eine gründliche Kontrolle der Filmprotokolle, eine Hörprobe und eine Korrektur durch einen Muttersprachler vermieden werden können. In Bezug auf die interlingualen Untertitel wurden der linguistische und nichtlinguistische Humor gesondert behandelt. Nichtlinguistischer Humor konnte in den meisten Fällen ohne Verlust in den deutschen Untertiteln dargestellt werden. Das liegt daran, dass sich die französische Kultur nicht stark von der deutschsprachigen abgrenzt und es dadurch kaum zu einem inhaltlichen Verlust des Humors kommt. Die Tabuthemen konnten in den Untertiteln problemlos wiedergegeben werden. Ethnischer, struktureller und sozialer Humor wurde in jenen sieben Fällen für Gehörlose geschmälert, wo der Humor durch paraverbale Stilmittel übertragen wurde. Je ein Beispiel mit strukturellem und sozialem Humor ging in der Untertitelung durch Verkürzung bzw. mangels kulturellen Wissens verloren. Zwei weitere Beispiele mit sozialem Humor wurden in der interlingualen Untertitelung verändert, was zu einer Verstärkung des Humors führte. Am schwierigsten fiel die Darstellung des linguistischen Humors, da dieser seinen Ursprung in der Sprachstruktur des Französischen hat und nur dann im Deutschen wirkt, wenn parallele sprachliche Mittel zur Verfügung stehen. Vor allem in der Kategorie des grammatikalischen Humors, der entweder in der Syntax oder der Morphemik begründet liegt, kam es zu den meisten Verlusten des Humors (insgesamt sieben Fälle). Aus sprachlicher Sicht hätte es nicht in all diesen Fällen zu einer Verminderung des Humors kommen müssen. Besonders der Verlust des syntaktischen Humors hätte vermieden werden können, weil er hauptsächlich auf Veränderungen bzw. Paraphrasierungen in den Untertiteln zurückzuführen ist, nicht aber auf die Sprachstruktur. Der morphologische Humor war zwar schwieriger zu übertragen weil es im Deutschen nicht immer parallele Idiome gibt, doch hätten in diesen Fällen ähnliche idiomatische Ausdrücke im Deutschen wenigstens einen Teil des Humors beibehalten. Es ist aber anzumerken, dass gerade in der Kategorie des grammatikalischen Humors der verloren gegangene Humor in vier Fällen durch andere Humortypen oder Einschübe desselben Humortyps an einer angrenzenden Stelle eingefügt wurde. Ein weiteres Beispiel wirkt in der Untertitelung lustiger als das Original. Somit wurden die Verluste zum Teil kompensiert. Die restlichen Untertypen des linguistischen Humors waren aus sprachlicher Sicht weniger problematisch zu übertragen. Semantischer Humor konnte nicht nur erhalten bleiben, er wurde durch die deutschen Untertitel in zwei Szenen sogar verstärkt. Der durch Sprachregister bedingte Humor blieb zwar erhalten, es kam hier jedoch für Gehörlose zu einer Abschwächung, da die paraverbalen Informationen nicht untertitelt wurden. Der phonologische Humor ging für Gehörlose generell verloren, weil auch dieser nicht Einzug in die interlingualen Untertitel fand. Um den verloren gegangenen Humor zu kompensieren, wurde in den interlingualen Untertiteln zusätzlicher Humor an Stellen eingebaut, die im Original humorlos verlaufen. Insgesamt wurden in fünf Passagen linguistischer Humor (davon vier Mal grammatikalischer Humor) und in fünf Passagen sozialer Humor im Deutschen hinzugefügt. Die Verluste des Originalhumors werden dadurch – vor allem auch durch die relativ hohe Zahl an zusätzlichem grammatikalischem Humor – etwas kompensiert. Diese Veränderungen des Humors müssen jedoch auch im Hinblick auf den Gesamtfilm betrachtet werden. Nicht nur humorvolle Szenen, sondern auch viele andere Passagen wurden in der deutschen Untertitelfassung verändert. Der Film erinnert dadurch an die früheren Filme, mit denen Louis de Funez durch seine Wutausbrüche berühmt wurde. Da dieses Genre im deutschen Kulturraum vor allem bei Kindern beliebt ist, führen die Änderungen zwangsweise dazu, dass der Film ein anderes Publikum anspricht und sich auch die interlingualen Untertitel an ein jüngeres Publikum richten als die intralingualen Untertitel.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Untertitelung interlinguale Untertitel intralinguale Untertitel Humor französischer Humor verbaler Humor linguistischer Humor nichtlinguistischer Humor nonverbaler Humor
Autor*innen
Julia Reiter
Haupttitel (Deutsch)
Humor in der Untertitelung am Beispiel des Films "L'aile ou la cuisse"
Publikationsjahr
2016
Umfangsangabe
126 Seiten : Diagramme
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Sibylle Pot d'or
Klassifikation
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.45 Übersetzungswissenschaft
AC Nummer
AC13264331
Utheses ID
36872
Studienkennzahl
UA | 060 | 345 | 342 |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1