Detailansicht
Häf'npoet und Orpheus der Gosse
ein Vergleich österreichischer und französischer Gefängnisliteratur des 20. Jahrhunderts anhand ausgesuchter Werke von Jack Unterweger und Jean Genet
Nina Yasmin Christina Gruber
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Lehramtsstudium UF Englisch UF Französisch
Betreuer*in
Alfred Noe
DOI
10.25365/thesis.42177
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-24222.91070.573554-6
Link zu u:search
(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit österreichischer und französischer Gefängnisliteratur des 20. Jahrhunderts. Im Zentrum stehen dabei literarische Werke zweier Persönlichkeiten, die zunächst nicht unbedingt aufgrund ihres literarischen Talents auf sich aufmerksam machten, sondern vielmehr durch die von ihnen begangenen kriminellen Taten. Bei jenen Persönlichkeiten handelt es sich zum einen um Johann "Jack" Unterweger, Österreichs wohl berühmt-berüchtigtsten mutmaßlicher Serienmörder des 20. Jahrhunderts, der erst in Gefangenschaft seine Leidenschaft für Literatur entdeckt und darin eine Möglichkeit wittert, seine Freiheit wiederzuerlangen; und zum anderen um den Franzosen Jean Genet, den Orpheus der Gosse, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch zahlreiche Diebstähle und Einbrüche von sich reden machte, bevor er schließlich im Gefängnis seine ersten Romane verfasst und so sein literarisches Talent unter Beweis stellt. Vor allem im Kontext österreichischer Medien, die die Prozesse gegen den Häf'npoeten Unterweger mit einem so großen Ausmaß an Aufmerksamkeit begleiteten, dass ein derartiger Medienhype um einen Gerichtsprozess bis heute beinahe beispiellos in der österreichischen Kriminalgeschichte erscheint, wurde Jack Unterweger oftmals als das Äquivalent zu dem französischen Schriftsteller und Verbrecher Jean Genets bezeichnet. Während aber Genets Doppelidentität als Autor und Verbrecher durchaus das Interesse verschiedener Wissenschafter geweckt hat, seine Werke aus akademischer Perspektive zu analysieren, scheint Jack Unterwegers literarischen Werken kaum außerhalb des oftmals problematisch voreingenommenen Bereiches der Medien Beachtung geschenkt worden zu sein. Außerdem wurde meines Wissens nie ein wissenschaftlicher Vergleich zwischen jenen zwei Autoren von Gefängnisliteratur, die so oft miteinander verglichen wurden, vorgenommen. Die vorliegende Diplomarbeit nimmt sich daher der Schließung jener Forschungslücke an, indem eine literaturwissenschaftliche Analyse mit anschließendem Vergleich einzelner Werke Jack Unterwegers und Jean Genets vorgenommen wurde, um der Frage nachzugehen, ob ein Vergleich, wie er oftmals im medialen Kontext vorgeschlagen wurde, tatsächlich gerechtfertigt ist oder nur als Strategie der Medien, Aufmerksamkeit zu gewinnen, zu betrachten ist.
Im Zuge dieser Arbeit wird zunächst ein theoretischer Überblick sowie eine Erläuterung über die literaturgeschichtliche Entstehung und Entwicklung des Phänomens der Gefängnisliteratur geboten, bevor im empirischen Teil der Arbeit je zwei literarische Werke Jack Unterwegers und Jean Genets einer komparativen Analyse unterzogen werden. Dabei werden inhaltliche und stilistische Merkmale der Werke herausgefiltert, sowie Gemeinsam-keiten und Unterschiede aufgezeigt. Außerdem wird der Fragestellung nachgegangen, welche Umstände die Autoren zum Schreiben veranlasst haben und welche Wirkung das Verfassen und die Publikation der Werke auf die Autoren selbst beziehungsweise auf ihre Leserschaft ausübten. Da der Begriff Gefängnisliteratur sich auf literarische Werke bezieht, welche von Gefangenen oder ehemaligen Gefangenen während deren Haftzeit oder in Erinnerung daran verfasst wurden, interessierte im Rahmen der komparativen Analyse der Werke Unterwegers und Genets vor allem die Frage, wie das Erleben der Haftsituation in den Werken zum Ausdruck gebracht wird und mit welchen Gefühlen die Gefangenen jener Ausnahmesituation begegnen. Die Ergebnisse der komparativen Analyse zeigten erstens, dass zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen Jack Unterweger und Jean Genet bestehen, sowohl die Lebensgeschichte, als auch den literarischen Werdegang der Autoren betreffend, und zweitens, dass in den vier analysierten Werken Unterwegers und Genets ebenfalls Parallelen hinsichtlich inhaltlicher und stilistischer Merkmale zu finden sind. Zusammen-fassend lässt sich somit sagen, dass ein Vergleich der beiden Autoren auch aus wissenschaftlicher Sicht durchaus berechtigt erscheint, da sich Jack Unterweger und Jean Genet, sowie ihre literarische Produktionen, in vielen Aspekten ähnlich sind.
Abstract
(Englisch)
This diploma thesis explores the phenomenon of 20th century Austrian and French carceral literature by focusing on the literary works of two authors who have attracted attention not mainly by reason of their literary talent but also because of the criminal acts they committed. One of those authors is the Austrian Johann "Jack" Unterweger, who was accused to be the country's most notorious serial killer of the 20th century. During his period of incarceration Unterweger developed an ambition and love for writing which did not only earn him the sobriquet Häf'npoet ("poet of the prison") but which actually paved his way back into freedom. The second author this thesis focuses on is the French writer Jean Genet, nicknamed The Orpheus of the gutter, who achieved popularity in the first half of the 20th century due to the curious interplay of his passion for criminal deeds and his distinctive talent for writing works of literature, the latter of which he also only discovers and develops during imprisonment. Often, especially in the context of the media, Jack Unterweger was referred to as the Austrian equivalent of the French prison writer Jean Genet. As far as Genet and his works are concerned, they have been examined from various academic angles. Unterweger and his works, however, seemed to never have been truly analyzed outside the oftentimes problematically biased realm of the media. Furthermore, no academic research has ever - to my knowledge - been done in terms of a comparison between Jack Unterweger and Jean Genet, those two prison authors who have so often been compared to each other in various newspapers. This diploma thesis intends to fill this apparent research gap by carrying out a comparative literary analysis of selected works produced by Jack Unterweger and Jean Genet, respectively, in their isolation in order to answer the question whether or not the claim regarding a comparison of the two authors, as often suggested by the media, is truly justifiable from an academic perspective or not.
This thesis gives a theoretical overview as well as an elaboration on the historical development of the phenomenon of carceral literature, before moving on to a comparative analysis of two literary works each by Jack Unterweger and Jean Genet. The aim of the analysis is to disclose similarities and differences of the literary works of the two authors in terms of prevalent themes, motifs, symbols and language use in order to determine if Unterweger and Genet follow certain patterns. In addition, the analysis attempts to answer the questions which factors encouraged and motivated Unterweger and Genet as prisoners to start writing, as well as how the writing process and the publication of the novels affected the authors and their respective readers. Due to the fact that the term prison literature is used to describe literary works which are strongly marked by their authors' subjective experiences made in connection with imprisonment, a predominant concern of the comparative analysis is to investigate how the reality of imprisonment is expressed within the literary works and which feelings accompany the prisoners during this exceptional situation of imprisonment.
The results of the comparative analysis could reveal a great number of similarities between Jack Unterweger and Jean Genet. Firstly, similarities were found in terms of the authors' personal backgrounds and careers as prison writers. Secondly, parallels in the literary works, concerning content-related and stylistic aspects, could be identified. In conclusion, the findings of the analysis suggest that a comparison between Jack Unterweger and Jean Genet seems justifiable even from an academic point of view since there exist a significant number of similarities in the lives, careers and works of the two authors.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
prison literature carceral literature poet of the prison Jack Unterweger Jean Genet The Orpheus of the gutter purgatory Miracle de la rose Notre-Dame-des-Fleurs
Schlagwörter
(Deutsch)
Gefängnisliteratur Gefangenenliteratur Häf'npoet Jack Unterweger Jean Genet Fegefeuer oder die Reise ins Zuchthaus Kerker Miracle de la rose Notre-Dame-des-Fleurs Orpheus der Gosse
Autor*innen
Nina Yasmin Christina Gruber
Haupttitel (Deutsch)
Häf'npoet und Orpheus der Gosse
Hauptuntertitel (Deutsch)
ein Vergleich österreichischer und französischer Gefängnisliteratur des 20. Jahrhunderts anhand ausgesuchter Werke von Jack Unterweger und Jean Genet
Paralleltitel (Englisch)
Haef'npoet and the Orpheus of the Gutter : a comparative study of 20th century Austrian and French carceral literature bBased on selected novels by Jack Unterweger and Jean Genet
Publikationsjahr
2016
Umfangsangabe
179 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Alfred Noe
Klassifikationen
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.84 Sonstige literarische Gattungen ,
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.87 Besondere Literaturkategorien ,
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.93 Literarische Stoffe, literarische Motive, literarische Themen ,
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.96 Vergleichende Literaturwissenschaft: Sonstiges ,
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.97 Texte eines einzelnen Autors
AC Nummer
AC13251639
Utheses ID
37332
Studienkennzahl
UA | 190 | 344 | 347 |
