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Arbeitsrechtliche Fragen des österreichischen Parlamentsmitarbeitergesetzes
Sabine Wagner
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Rechtswissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Michaela Windischgrätz
DOI
10.25365/thesis.4244
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29722.47668.493562-1
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Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Auf Grundlage des Parlamentsmitarbeitergesetzes können österreichische Nationalratsabgeordnete zur Unterstützung ihrer parlamentarischen Tätigkeit MitarbeiterInnen anstellen. Die vorliegende Arbeit behandelt die zentralen arbeitsrechtlichen Fragen dieses Gesetzes. Motivation war die Klärung wichtiger Fragen wie jener der Arbeitgebereigenschaft oder der Anwendbarkeit von Arbeitsverfassungsrecht sowie eine vermutete Europarechtswidrigkeit der ex-lege-Befristung der Dienstverträge.
Die Arbeitgebereigenschaft, die hier aus verschiedenen Gründen unklar sein kann, ist gemäß der Vertrauenstheorie zu ermitteln. Ergebnis ist, dass im Regelfall – wie gesetzlich vorgesehen – die Abgeordneten die Arbeitgebereigenschaft innehaben, im Einzelfall können aber auch andere Personen Arbeitgeber parlamentarischer MitarbeiterInnen werden. Außerordentliches Ausscheiden von Abgeordneten aus dem Nationalrat beendet die Dienstverträge im Falle des Todes automatisch, da die Tätigkeit einen engen persönlichen Bezug aufweist. Bei sonstigem unplanmäßigen Ausscheiden läuft der Dienstvertrag weiter.
Es folgt eine Analyse der ex-lege-Befristung des Parlamentsmitarbeitergesetzes. Dieser wird eine grundsätzliche Untersuchung der arbeitsrechtlichen Nachteile befristeter Dienstverhältnisse vorangestellt. Die Analyse ergibt, dass die ex-lege-Befristung der EU-Befristungsrichtlinie widerspricht, da das Gesetz keine der dort vorgeschriebenen Maßnahmen zur Missbrauchsvermeidung durch Kettenverträge enthält. Auch ein Vergleich mit anderen österreichischen ex-lege-Befristungen sowie der Judikatur zu Kettenverträgen macht deutlich, dass keine ausreichende sachliche Begründung für die unbegrenzten Befristungen der Dienstverhältnisse parlamentarischer MitarbeiterInnen vorliegt.
Schließlich wird die Anwendbarkeit von Arbeitsverfassungsrecht für parlamentarische MitarbeiterInnen geprüft und festgestellt, dass je nach Tätigkeitskonstellation Betriebsverfassungsrecht zur Anwendung kommen kann oder nicht. Kollektivverträge können für parlamentarische MitarbeiterInnen nicht abgeschlossen werden, da es an einer kollektivvertragsfähigen Körperschaft auf Arbeitgeberseite fehlt. Nachdem auch Satzung und Mindestlohntarif für parlamentarische MitarbeiterInnen nicht existieren, gibt es keine für parlamentarische MitarbeiterInnen geltenden überbetrieblichen kollektiven Normen.
Ein Rechtsvergleich mit Deutschland ergibt, dass die Regelungssystematik gleich ist, bei sonstigen Arbeitgeberleistungen sowie der kollektiven Interessenvertretung die Situation in Deutschland deutlich günstiger ist als für parlamentarische MitarbeiterInnen in Österreich.
Ausgehend von den konstatierten Problemen und dem Rechtsvergleich schließt die Arbeit mit einem Abschnitt über notwendige und wünschenswerte Gesetzesänderungen sowie konkreten Vorschlägen dazu.
Abstract
(Englisch)
Based on the Austrian parliamentary assistant act, members of the National Assembly can personally employ assistants for their parliamentary support. The present work deals with the main labor law-related questions regarding this act. Motivation was, on the one hand, the clarification of important labor law-related questions, like the role of the employer or the applicability of collective labor law, and, on the other hand, an assumed contradiction between the fixed-term contracts of parliamentary assistants required by the parliamentary assistant act and the EU-directive on fixed-term work.
The labor-law employer has to be determined by the theory of protection of confidence. As a result, members of the National Assembly usually become personal employers of their assistants – as provided in the parliamentary assistant act. In rare cases however, other natural persons or corporate bodies can become the assistants´ employers. Irregular retirement of members of the National Assembly from this function automatically terminates contracts with their assistants only in case of death, because of the close personal relation between employer and employee. However, contracts remain valid in cases of irregular retirement for other reasons.
The next part of this dissertation is an analysis of the requirement of successive fixed-term contracts by the parliamentary assistant act, following a basic investigation of the labor law-related disadvantages of fixed-term work. The analysis reveals that this requirement contradicts the EU-directive on fixed-term work, due to the absence of preventive measures against abuse arising from the use of successive employment contracts. A comparison with other Austrian laws that require fixed-term contracts also shows that the successive fixed-term contracts for parliamentary assistants lack sufficient objective reasons.
An examination whether collective labor law is applicable to parliamentary assistants, shows that this depends on their establishment constellations. Collective agreements for parliamentary assistants cannot be completed due to missing competent corporate bodies on the employer´s side. Since neither a collective agreement nor minimum wage rates are applicable for parliamentary assistants, a lack of collective regulations must be stated.
An international comparison with Germany shows a similar construction of both acts, but a better legal situation for German parliamentary assistants, due to a variety of employees´ benefits and collective regulations.
Following the stated problems and the legal comparison, the present work terminates with a chapter on necessary and desirable changes to the parliamentary assistant act and provides some realistic suggestions towards these goals.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
parliamentary assistant act fixed-term work
Schlagwörter
(Deutsch)
Parlamentsmitarbeitergesetz Befristung
Autor*innen
Sabine Wagner
Haupttitel (Deutsch)
Arbeitsrechtliche Fragen des österreichischen Parlamentsmitarbeitergesetzes
Publikationsjahr
2009
Umfangsangabe
222 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Michaela Windischgrätz ,
Martin E. Risak
Klassifikation
86 Recht > 86.74 Arbeitsrecht: Allgemeines
AC Nummer
AC07705193
Utheses ID
3758
Studienkennzahl
UA | 083 | 101 | |
