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„… zu deren Besorgung die Verwendung weiblicher Arbeitskräfte am Geeignetsten und Billigsten erschien“
Frauenarbeit und Frauenbeschäftigung in der Österreichischen Postsparkasse 1883-1914 ; eine quellengestützte Analyse
Roland Löffler
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Betreuer*in
Peter Eigner
DOI
10.25365/thesis.42947
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-20200.91595.602059-9
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Im ausgehenden 19. Jahrhundert gab es für Frauen außerhalb der Landwirtschaft, der Fabriksarbeit und der Dienste in Haushalte nur wenige Möglichkeiten erwerbstätig zu sein. Im Dienstleistungssektor gab es außerhalb des öffentlichen Dienstes nur wenige Erwerbsmöglichkeiten; dies galt insbesondere auch für den Bereich der Finanzdienstleistungen.
Die im Jahr 1883 als Institut des „kleinen Mannes“ gegründete Postsparkasse setzte von Anfang auch auf den Einsatz von Frauen für die Bewältigung der mit der Belegeverarbeitung verbundenen manipulativen Tätigkeiten. Die Rekrutierungskriterien und Beschäftigungsbedingungen dieser „Kalkulantinnen“ lehnten sich zunächst stark jene im öffentlichen Dienst an: Die Bewerberinnen sollten ledige Töchter aus Beamten- und Offiziersfamilien sein, die lediglich sich selbst erhalten mussten. Die Anforderungen beschränkten sich auf gute Deutschkenntnisse, Beherrschung der Grundrechnungsarten und eine klare leserliche Schrift. Eine sozialrechtliche Absicherung im Krankheitsfall, Anspruch auf bezahlten Urlaub oder eine Altersvorsorge waren nicht vorgesehen.
Die Zahl der Kalkulantinnen wuchs in den 30 Jahren zwischen 1883 und 1913 stetig an, die Postsparkasse wurde zu einem der größten Arbeitgeber für Frauen in Wien. Von 7.000 Bewerberinnen wurden 2.500 Frauen eingestellt, der Anteil der Frauen am gesamten Personalstand der Postsparkasse stieg von 5,8% im Jahr 1883 auf über 36% an. Frauen waren damit eine wesentliche Stütze für einen reibungslosen Betrieb des Massengeschäftes der Postsparkasse.
Der zweite Teil der Masterarbeit analysiert anhand von Primärquellen aus dem um-fangreichen Archiv der Postsparkasse inwieweit sich die Arbeits- und Beschäfti-gungsbedingungen der Frauen in der Zeit von der Gründung bis zum Ersten Welt-krieg entwickelt haben. Anhand der aufgenommenen Frauen der zwei Fünf-Jahres-Perioden 1883 bis 1887 und 1903 bis 1907 wurden sowohl die sozioökonomischen Merkmale als auch die Beschäftigungskarrieren der Frauen untersucht. Die Analysen ergaben, dass sich die Postsparkasse bereits in ihrer Gründungsphase nicht immer streng an die eigenen Aufnahme- und Beschäftigungskriterien gehalten hat. Zwar war die überwiegende Mehrheit der in den ersten Jahren aufgenommenen Kalkulantinnen ledig, doch wurden auch verwitwete Frauen mit Versorgungspflichten für Kinder aufgenommen, auch Frauen über 40 Jahren erhielten Beschäftigung. Im Krankheitsfall wurden die Kalkulantinnen nicht sofort entlassen, sondern ihnen in einigen Fällen für den Krankenstand das Taggeld belassen und die Beschäftigungsverhältnisse sogar bei mehreren Krankenständen pro Jahr aufrechterhalten. Obwohl es für die Damenabteilung in der Gründungsphase keine Regelung für Beförderungen oder Gehaltsvorrückungen gab, konnte mehr als ein Drittel der Kalkulantinnen während ihrer Beschäftigungsdauer durchschnittliche jährliche Gehaltssteigerungen von mehr als 6% lukrieren.
In der zweiten untersuchten Fünf-Jahres-Periode zwanzig Jahre nach Gründung der Postsparkasse hatten sich die Rahmenbedingungen für Frauen verändert. Zwar waren die Frauen zunächst immer noch auf Taglohn beschäftigt (die Beförderungs- und Besoldungsbestimmungen für Kalkulantinnen wurden erst 1909 festgelegt), dennoch gelang es über 70% der Frauen, die zwischen 1903 und 1907 eingestellt wurden, jährlich mehr als 6% Lohnsteigerung zu erreichen. Die Arbeitsplätze der Kalkulantinnen, deren Anteil am Gesamtpersonalstand zwischen 1900 und 1913 von 11% auf über ein Drittel anstieg, waren wesentlich sicherer geworden. Auch wiederholte Krankenstände führten nicht automatisch zur Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses, die Versetzung in den zeitlichen (vorübergehenden) Ruhestand erfolgte oft erst nach Krankenständen von mehr als sechs Monaten Dauer.
Abstract
(Englisch)
The present study examines women's work and employment at the Austrian Post Office Savings Bank in the period from 1883 to 1914 on the basis of primary sources. For a quantitative empirical analysis of the employment of women in the Post Office Savings Bank, both the financial reports, ordinances and writings published by the Postal Savings Bank were used as well as extensive file stocks of the Postal Savings Bank archive for a sample of women taken as employees in two selected five-years periods. These files include not only the personnel records (in which the socio-demographic characteristics of employees, their years of service, vacations, sick leave, pay and discharge reasons are noted) but also internal documents, official medical records and other files.
The Post Office Savings Bank, founded as a financial institution for harnessing the incomes and assets of the "little man" and the involvement in government debt fi-nancing, included women in their workforce already from the outset. They first tied entirely to the working conditions and recruitment criteria of public service (marriage and childlessness, employment on daily wages without social legal protection).
The empirical analysis of social documents of the Postal Savings Bank for two five-year periods from 1883 to 1887 and from 1903 to 1907 shows that the employment of women has changed in the first thirty years of the Post Office Savings Bank for the benefit of women. In the 30 years between 1883 and 1913, the Postal Savings Bank had become one of the largest employers of women in Vienna, 2,500 women were selected out of more than 7,000 candidates in this period; many of them remained in employment for more than 10 years. Thus, the Postal Savings Bank has made a val-uable contribution to the opening of the financial services sector for the employment of women. At the same time the women had developed to be essential for a smooth operation of the retail business of the Postal Savings Bank.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
women's work women's employment Post Office Savings Bank employment careers income profiles
Schlagwörter
(Deutsch)
Frauenarbeit Frauenbeschäftigung Postsparkasse Beschäftigungsverläufe Einkommensverläufe
Autor*innen
Roland Löffler
Haupttitel (Deutsch)
„… zu deren Besorgung die Verwendung weiblicher Arbeitskräfte am Geeignetsten und Billigsten erschien“
Hauptuntertitel (Deutsch)
Frauenarbeit und Frauenbeschäftigung in der Österreichischen Postsparkasse 1883-1914 ; eine quellengestützte Analyse
Publikationsjahr
2016
Umfangsangabe
131 Seiten : Diagramme
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Peter Eigner
Klassifikation
15 Geschichte > 15.09 Wirtschaftsgeschichte
AC Nummer
AC13264247
Utheses ID
38017
Studienkennzahl
UA | 066 | 688 | |
