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Die Anthropologie der Göttweiger Traufkinder
Katharina Wimmer
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Lebenswissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Anthropologie
Betreuer*in
Maria Teschler-Nicola
DOI
10.25365/thesis.43051
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-20202.77595.402369-3
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Einen verstorbenen Menschen zu bestatten und ihn im Rahmen seiner kulturspezifischen Rituale zu verabschieden, gehört zu den wesentlichen kulturellen Praktiken des Menschen. Er schließt auch verstorbene Kinder ein, mit denen im Verlauf der Geschichte in Abhängigkeit von Kultur und Religion, unterschiedlich umgegangen wurde.
Traufkinder stellen ein besonderes Phänomen christlicher Glaubensvorstellung dar. Die vorliegende Arbeit fokussiert auf dieses Phänomen, das darauf basiert, dass Seelenheil nur nach vollzogener Taufe erreicht werden konnte. Die Seele totgeborener oder kurz nach der Geburt verstorbener Kinder war somit dazu verdammt, in alle Ewigkeit im so genannten Limbus puerorum festzusitzen. Daher begruben verzweifelte Eltern ihre verstorbenen Kinder
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entlang einer Kirchenmauer, um sie durch herabtropfendes Regenwasser einer „symbolischen“ Taufe zu unterziehen.
In der vorliegenden Arbeit werden zwei Skelettkollektionen von sogenannten Traufkindern, Göttweig und Altenberg, sowie einer außereuropäischen Vergleichsserien (Sayala, ägyptisch Nubien) in Bezug auf ihre Alters- und Geschlechtsverteilung sowie krankhafte Veränderungen analysiert. Die Göttweiger Traufkinder wurden während Grabungsarbeiten am Göttweig Predigtstuhl (Niederösterreich) 2009 freigelegt. Bei den darauffolgenden Analysen konnten insgesamt 37 Individuen bestimmt werden. Die Skelette sind teilweise sehr gut erhalten und es konnte bei ca. 45,9% (n=17) eine Geschlechtsbestimmung (über morphologische Merkmale des Beckens) durchgeführt werden.
Die Traufkinder aus Altenberg bei Linz (Oberösterreich) wurden 1991 bei Renovierungsarbeiten unterhalb des Kirchenbodens entdeckt. Bei dieser Skelettpopulation erwies sich der Erhaltungszustand der 73 identifizierten Individuen als sehr schlecht und es konnte nur bei 17,8% (n=13) das Geschlecht ermittelt werden.
Die für Vergleichszwecke herangezogenen Überreste von Kleinstkindern aus Sayala in Ägypten sind aufgrund der klimatischen und geologischen Bedingungen sehr gut erhalten, sodass bei 16 der insgesamt 19 in die Untersuchung einbezogenen Individuen, somit bei 84,2%, das Geschlecht bestimmt werden konnte.
Die Altersbestimmung (mittels Zahnentwicklung und Langknochenmaße) ergab, dass die meisten der untersuchten Traufkinder aus Göttweig und Altenberg in die beiden Altersklassen IX. - X. Lunarmonat und X. Lunarmonat - 2 Monate einzuordnen sind. Somit verstarben diese meist kurz vor, rund um oder kurz nach der Geburt. In Sayala fehlen Feten komplett. Die jüngsten untersuchten Kleinstkinder sind der Altersklasse IV. - V. Lunarmonat zuzuordnen und stammen aus Altenberg. Die ältesten untersuchten Individuen gehören zur Altersklasse 9 - 12 Monate und kommen aus Sayala.
Im Rahmen von anthropologischen Untersuchungen wurden Pathologien wie Vitamin D-Mangel, Cribra orbitalia, Cribra cranii, Meningitis und enthesiopatische Veränderungen an den Sehnenansätzen der Langknochen entdeckt und es konnten somit Mangelversorgungen festgestellt werden.
Abstract
(Englisch)
Culture specific burials are one of the most ancient and fundamental rituals of humankind. These burials also include deceased children, who were buried in different ways depending on the culture, religion and time in history. One specific phenomenon in Christian belief are the so called “Traufkinder”. The belief on which this ritual is founded, is that only baptized humans are capable to gain salvation. As a consequence, the soul of stillborn or shortly after birth deceased children are stuck in the so called “Limbus puerorum” forever. In order to avoid this fate, Christian parents decided to bury their children along the walls of a church, as the dripping rainwater would baptize their children eventually. This master thesis focuses on that phenomenon and investigates the characteristics and importance of this tradition. Specific characteristics i.e. age, sex and pathological changes were analysed from two skeletal collections from Austria (“Traufkinder” Göttweig and Altenberg) and one non-European collection from Egypt (Sayala, Egyptian Nubian). The 37 “Traufkinder” from Göttweig Predigtstuhl (Lower-Austria) were found during an archaeological excavation in 2009. As some of the skeletons are well preserved, a sex determination though morphological features of the pelvic could be accomplished for 45.9% (n=17). The 73 skeletons of Altenberg bei Linz (Upper-Austria) were discovered during church restauration in 1991 and used as a comparison. Since the majority of the skeletons appeared to be in poor condition, a sex determination was only achieved for 17.8% (n=13) of the individuals. To further distinguish Austrian populations from others, the skeletons of a Nubian population from Sayala in Egypt were also included to this study. The hot and dry climate in Egypt led to an overall good preservation of the bones and thus the sex of 84.4% (n=19) of the individuals could be identified. Analysing the age of the individuals through measurements of the longbones and teethdevelopment, revealed that most of the babies from Göttweig and Altenberg belong to the age categories IX. - X. lunarmonth and X. lunarmonth - 2 months. They died shortly before, during or after birth. While the youngest examined children were IV - V lunarmonths old and from Altenberg, the oldest were identified in the Sayala population with an age of 9-12 months. Generally, the Sayala population consists of older babies and lacked completely of foetuses. The anthropological investigation further offered detailed information on pathologies and health status. Some of the pathologies found during this study include vitamin D - deficiency, cribra orbitalia, cribra cranii, meningitis and inflammatory mutations of the longbones.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
Traufkinder osteology featl skeletons neonatal skeletons sex determination
Schlagwörter
(Deutsch)
Traufkinder Osteologie Fetalskelette Neonatalskelette Geschlechtsbestimmung
Autor*innen
Katharina Wimmer
Haupttitel (Deutsch)
Die Anthropologie der Göttweiger Traufkinder
Publikationsjahr
2016
Umfangsangabe
237 Seiten : Illustrationen, Diagramme
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Maria Teschler-Nicola
Klassifikationen
02 Wissenschaft und Kultur allgemein > 02.10 Wissenschaft und Gesellschaft ,
30 Naturwissenschaften allgemein > 30.99 Naturwissenschaften allgemein: Sonstiges
AC Nummer
AC13318153
Utheses ID
38106
Studienkennzahl
UA | 066 | 827 | |
