Detailansicht

Der komische Körper in Ernst Jandls ‚Frankfurter Poetikvorlesungen‘
Barbara Stocker
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Lehramtsstudium UF Psychologie und Philosophie UF Deutsch
Betreuer*in
Arno Dusini
Volltext in Browser öffnen
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.43519
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-15480.23509.832563-1
Link zu u:search
(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Diplomarbeit behandelt anfangs die Rolle des Körpers in der Rhetorik und verweist dabei auf Texte von Cicero und Quintilian sowie die Herennius-Rhetorik. Ausgewählte Positionen der Theorie des Komischen werden anschließend aufgegriffen, um sprachliche Methoden der Komikerzeugung darzustellen. Auch die performativen Theorien des Komischen, die für diese Diplomarbeit ein wichtiges Analyseinstrument sind, werden aufgezeigt. Die Bedeutung des Körpers in der Komik allgemein, sowie spezifisch in Ernst Jandls Werk, sind ein zentraler Aspekt des Theorieteils dieser Arbeit. Zur Analyse von Ernst Jandls „Frankfurter Poetikvorlesungen“, die sowohl in gedruckter als auch in gefilmter Version untersucht werden, dienen die im Theorieteil dargestellten Methoden der Erzeugung von Komik. Dabei wird zuerst die Komik im Text und anschließend der Körper des Vortragenden analysiert. Durch die Analyse wurden folgende Ergebnisse erbracht: Eine oft verwendete Methode zur Erzeugung von Komik in Ernst Jandls Text ist der Rahmenbruch. In den untersuchten Beispielen findet sich je ein verbindendes Element, das einen Zusammenhang zwischen zwei Sachverhalten herstellt. Dieses verbindende Element kann eine Analogie, eine bestehende Phrase sowie eine Metapher sein. Die in der Analyse angeführten Beispiele enthalten neben verbindenden Elementen jeweils auch zerstörende. Das bedeutet, dass die entstandene Verbindung unerwartet getrennt wird. Diese zerstörenden Elemente werden als „Trigger“ bezeichnet. Auffällig ist, dass diese „Trigger“ immer dem semantischen Feld des Körpers entstammen. Je widersprüchlicher die zwei verbundenen Elemente, die getrennt werden, sind, desto komischer ist der dadurch entstandene Effekt. Auch durch das Verwenden von obszönen und absurden Äußerungen lässt Jandl seine Texte oftmals komisch wirken. Kaum eine obszöne Funktion des Körpers spart er aus. Durch das Ineinandergreifen der Komik des Textes und der Komik des Körpers entsteht an einigen Stellen eine performative Spannung. Während im Theorieteil auf die Notwendigkeit der Harmonie von Körper und Text für das Gelingen von Sprache hingewiesen wird, ist in der Analyse erkennbar, dass an jenen Stellen, an denen diese Harmonie nicht vorhanden ist, und Körper und Text etwas Anderes aussagen, Komik entsteht. Ein zentraler Aspekt der Entstehung von Komik durch den Körper ist außerdem die Aufwandsdifferenz. Die Art, auf die Jandl mit seinen Artikulationsorganen umgeht, übersteigt immer wieder den dafür nötigen artikulatorischen Aufwand. Als letzter Aspekt der durch den Körper des Vortragenden erzeugten Komik sei die körperliche Desorganisation genannt. Das Publikum lacht über bewusst inszenierte körperliche Fehlartikulation durch eine vorgetäuschte Erkrankung der Sprechorgane. Auch die heruntergekommene Sprache ist Teil der körperlichen Desorganisation. Komik steht immer in einem nahen Zusammenhang zu den Normen der Gesellschaft. Die Grenze zum Tabu und zum Geschehen wider die Erwartung ist der Schauplatz der Komik. Es braucht Erfahrung und Vorstellungen von einer Norm, um Komik überhaupt zu empfinden. Dies macht die Analyse schwierig, weil sie oft nicht frei von zu einem bestimmten Zeitpunkt existierenden gesellschaftlichen Vorstellungen durchgeführt werden kann. Jedoch zeigt diese Arbeit, wie es möglich ist, mithilfe der Erläuterung von den Methoden des Komischen einen Weg zu finden, Ernst Jandls Texte sowie seine Performanz hinsichtlich des Phänomens des Komischen zu untersuchen.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Ernst Jandl Komik Frankfurter Poetikvorlesungen
Autor*innen
Barbara Stocker
Haupttitel (Deutsch)
Der komische Körper in Ernst Jandls ‚Frankfurter Poetikvorlesungen‘
Publikationsjahr
2016
Umfangsangabe
90 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Arno Dusini
Klassifikation
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.99 Literaturwissenschaft: Sonstiges
AC Nummer
AC13325094
Utheses ID
38519
Studienkennzahl
UA | 190 | 299 | 333 |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1