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When do politicians delegate power over monetary policy?
the political logic of central bank reforms 1985-2009
Dominik Meisinger
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Politikwissenschaft
Betreuer*in
Wolfgang Claudius Müller
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.44087
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-16929.77309.668268-5
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Zentralbanken sind jene Regierungsinstitutionen, die für Geldpolitik verantwortlich sind. Als solche beeinflussen sie wichtige ökonomische Variablen wie Inflation, Wirtschaftswachstum und Arbeitslosigkeit. Ob Zentralbanken in der Geldpolitik bloß Entscheidungen von Politikerinnen und Politikern umsetzen oder selbst über Entscheidungsgewalt verfügen, ist daher eine äußerst relevante Frage. Seit den 1980ern ist ein globaler Trend zu unabhängigeren Zentralbanken zu beobachten. Politikerinnen und Politiker delegierten die Entscheidungsgewalt über Geldpolitik zu Notenbankern. Unklar bleibt zunächst, warum politische Akteurinnen und Akteure sich dafür entscheiden, auf ihren Einfluss auf die Volkswirtschaft über das Instrument der Geldpolitik zu verzichten. Weiters ist ungeklärt, warum sich das Ausmaß der Reformen zwischen den Staaten unterscheidet. Die vorliegende Arbeit beabsichtigt, einen Betrag zum Verständnis der Mechanismen hinter der Delegation von Entscheidungen in bestimmten Politikfeldern zu leisten und untersucht die sich unterscheidenden Ausmaße von Zentralbankreformen. Aufbauend auf einem theoretischen Rahmen, der auf dem Rational Choice Institutionalismus basiert, wird angenommen, dass Zentralbankreformen dann umgesetzt werden, wenn der erwartete Nutzen der Reform die erwarteten Kosten übersteigt. Dazu werden drei Hypothesen untersucht. Die statistische Analyse zeigt, dass (1) es einen starken Zusammenhang zwischen Zentralbankreformen und Wirtschaftskrisen (Inflations,- Währungs- oder Bankenkrisen) gibt. Das Ausmaß einer Reform wird durch die Präsenz einer Krise jedoch nicht erklärt. Weiters unterstützen die Ergebnisse die Hypothese, dass (2) linksgerichtete Regierungen weitreichendere Zentralbankreformen umsetzen, um einem angenommenen Glaubwürdigkeitsdefizit entgegen zu wirken. Ein solches resultiert aus der etablierten Annahme, dass linksgerichtete Regierungen der Bekämpfung von Arbeitslosigkeit eine höhere Priorität einräumen als Preisstabilität, während bei rechtsgerichteten Regierungen eine umgekehrte Präferenzordnung angenommen wird. Die Ergebnisse zeigen außerdem, dass (3) Regierungen sich für weitreichendere Zentralbankreformen entscheiden, wenn sie sich am Ende einer Legislaturperiode befinden. Dies deutet darauf hin, dass sie den Handlungsspielraum von Nachfolgeregierungen einengen wollen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Ergebnisse der Regressionsanalysen demonstrieren, dass Krisen Zentralbankreformen begünstigen, ihr konkretes Ausmaß jedoch stärker von politischen Aspekten geprägt ist. Vier Reformen wurden genauer beleuchtet. Dabei stellte sich heraus, dass die Reform der Bank of England im Jahr 1997 hauptsächlich von Glaubwürdigkeitsüberlegungen motiviert war. Die neugewählte Labour-Regierung versuchte mit der Reform dem Elektorat ein Bekenntnis zu verantwortungsvoller Geldpolitik vermitteln. Im Gegensatz dazu war die 1992 implementierte Reform der Banca d’Italia hauptsächlich eine Reaktion auf den Vertrag von Maastrich, der eine unabhängige Zentralbank zur Vorbedingung für eine Teilnahme an der europäischen Währungsunion erklärt hatte. Allerdings hatte die italienische Notenbank bereits im Jahrzehnt davor einen deutlichen Zuwachs an Autonomie erfahren. Die Reform der japanischen Notenbank im Jahr 1997 wurde vor allem dadurch ausgelöst, dass die Regierung von den nahenden Wahlen unter Druck gebracht wurde. Sie fürchtete, bei diesen für die Fehler des Finanzministeriums abgestraft zu werden. Daher beschloss sie, dem Ministerium die Entscheidungsgewalt für die Geldpolitik zu entziehen und der Zentralbank Unabhängigkeit zu gewähren. Die 1995 umgesetzte Zentralbankreform in China wiederum war eine Reaktion auf die hohen Inflationsraten, die im Zuge der marktorientierten Wirtschaftsreformen Anfang der 1990er auftraten und von der Regierung als Bedrohung für die eigene Legitimität gesehen wurden.
Abstract
(Englisch)
Central banks are the government agencies responsible for monetary policy. As such, they influence important economic variables like inflation, economic growth and unemployment. Therefore, the question whether central banks are limited to carry out policy decisions by politicians or have the power to decide these themselves is highly relevant. From the 1980s onward, a strong global trend toward more autonomous central banks can be observed. In other words, politicians delegated decision-making power in the field of monetary policy to central bankers. It is somewhat puzzling why politicians decide to give up their ability to influence the economy in the first place. Also, it is unclear why politicians grant higher degree of independence to central banks in some countries than in others. This study aims to contribute to the understanding of the mechanisms in policy delegation and examines the varying degrees of central bank reforms. Building on a rational choice institutionalist framework, it is assumed that central bank reforms are implemented when the expected benefits from a reform exceed the expected costs associated with the reform. Three specific hypotheses are tested. The statistical analysis shows that (1) economic crises are strongly associated with major changes in central bank legislation. But while the data showed a clear relationship between crises and central bank reforms, the presence of crises does not explain the degree of change in central bank legislation. Furthermore, the results indicate (2) support for the hypothesis that left-wing governments implement stronger central bank reforms to counteract a perceived credibility deficit resulting from standard partisan expectations that left-wing parties put a greater weight on fighting unemployment than inflation while right-wing governments are usually assumed to have contrary preferences. The statistical analysis also finds that (3) governments opt for more far-reaching central bank reforms if those reforms take place at the end of their terms in office, which indicates that politicians try to tie the hands of successors. Taken together, the results of the regression analysis indicate that while the presence of crises is a strong predictor for central bank reforms, its particular content is better explained by political aspects. Four central bank reforms were studies in more detail. It was shown that the 1997 reform of the Bank of England was mainly driven by credibility considerations. The newly elected Labour government tried to signal its commitment to a responsible monetary policy to the electorate by granting independence to the central bank. In contrast, the 1992 reform of the Banca d’Italia was mainly a response to the Maastricht Treaty which made independent central banks a prerequisite for joining the European Monetary Union. However, the Italian central bank had already gained much more autonomy in the decade up to the reform. Japan’s 1997 central bank reform was triggered by electoral pressures. The government feared that voters would punish it for failures in the Ministry of Finance, and responded by removing the decision-making power of monetary policy from the ministry to the central bank. The 1995 central bank reform in China was a response to soaring inflation rates as a result of more market-oriented reform policies, as the government increasingly viewed inflation as a threat to its legitimacy.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Central Banks Central Bank Reforms Institutional Change Monetary Policy Political Economy
Schlagwörter
(Deutsch)
Zentralbanken Zentralbankreformen Institutioneller Wandel Geldpolitik Politische Ökonomie
Autor*innen
Dominik Meisinger
Haupttitel (Englisch)
When do politicians delegate power over monetary policy?
Hauptuntertitel (Englisch)
the political logic of central bank reforms 1985-2009
Paralleltitel (Deutsch)
Wann delegieren Politikerinnen und Politiker Macht über Geldpolitik?
Publikationsjahr
2016
Umfangsangabe
x, 119 Seiten
Sprache
Englisch
Beurteiler*in
Wolfgang Claudius Müller
Klassifikationen
83 Volkswirtschaft > 83.50 Geld, Inflation, Kapitalmarkt ,
89 Politologie > 89.39 Politische Systeme: Sonstiges ,
89 Politologie > 89.59 Politische Prozesse: Sonstiges ,
89 Politologie > 89.99 Politologie: Sonstiges
AC Nummer
AC13369788
Utheses ID
39030
Studienkennzahl
UA | 066 | 824 | |
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