Detailansicht
Geschichte der Wiener Zeltgasse 7
Haus, Schule, Jugendzentrum, Musisches Zentrum
Harald Eggenberger
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Zeitgeschichte
Betreuer*in
Peter Eigner
DOI
10.25365/thesis.44263
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-28093.14030.951752-1
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Arbeit behandelt das Haus Zeltgasse 7 in Wien-Josefstadt und die Geschichte der darin angesiedelten Institutionen, die immer Kindern und Jugendlichen gewidmet waren: Schulen, ein Jugendzentrum, heute das Musische Zentrum Wien.
Die Zeltgasse war lange Zeit landwirtschaftlich genutztes Gebiet und entstand erst 1776 als „Zwerchgasse“. Im Jahr 1785 baute der Tischler Josef Hauser das erste Gebäude auf dem Platz der heutigen Zeltgasse 7, es trug die Bezeichnung „Zu Maria Einsiedel“. 1881 erwarb die Gemeinde Wien das Grundstück und ließ durch Theophil Hansen 1884 eine Bürgerschule für Mädchen (und dahinter eine Bürgerschule für Knaben, heute eine Volksschule) errichten. Mittlerweile eine Hauptschule, wurde sie
in der Endphase des Zeiten Weltkrieges durch Fliegerbomben beschädigt. Der Schulbetrieb wurde 1946 fortgeführt.
1962 wurde das Haus in ein Jugendzentrum umgewandelt. Das „Haus der Wiener Jugend“ wurde mit Geldern der Gemeinde Wien, der Zentralsparkasse und des Österreichischen Gewerkschaftsbundes eingerichtet und war das zweite offiziell eröffnete sowie das größte Jugendzentrum Wiens. Es bot moderne Räume, kulturelle und sportliche Möglichkeiten und auch die Gelegenheit, Veranstaltungen durchzuführen. Revolutionär war, dass prinzipiell allen Gruppen Zugang gewährt wurde, wodurch ein sehr buntes Publikum Einzug hielt. Ständig waren rund 50 Jugendgruppen vertreten, darunter bis zu zehn Bands und sechs Theaterensembles. Die Besucherzahl steigerte sich
zwischen 1962 und 1971 von jährlich 34.000 auf 71.000. Neben seiner offenen Jugendarbeit wurde das Haus vor allem als Hotspot der alternativen Musikszene bekannt. Als Folge
der 68er-Bewegung betätigten sich die Hausbesucher zunehmend politisch. Ihre neue soziale Unangepasstheit führte aber auch zu Schwierigkeiten – als ein Umbau des desolaten
Gebäudes unumgänglich wurde (1981–83), nutzte die Stadt Wien die Gelegenheit zur Umstrukturierung: Das Haus wurde teilweise dem Musischen Zentrum übergeben und somit in deutlich ruhigere Gefilde gelenkt.
Das Musische Zentrum Wien war 1976 von Doris Tarlowski in der Schwendergasse 41 gegründet worden. Die aus Polen emigrierte Choreographin und Tanzpädagogin hatte ein innovatives musisch-pädagogisches Konzept entwickelt: Kinder sollten alle musischen
Bereiche (Musik, Tanz, Theater) kennenlernen und sich – ohne jeden Zwang – mit deren Mitteln und ihrer eigenen Phantasie auszudrücken lernen. Nach Erfolgen mit Heranwachsenden aus schwierigen Familienverhältnissen in der „Stadt des Kindes“ erhielt Tarlowski politische Unterstützung bei der Einrichtung einer musischen Institution, die allen Kindern offen stehen sollte. 1981 nahmen bereits mehr als 300 Kinder zwischen 4 und 14 Jahren pro Woche an den Kursen des Musischen Zentrums teil,
welches darüber hinaus kulturelle Initiativen für junge Erwachsene ins Leben rief.
1982 übersiedelte das Musische Zentrum in das Haus der Wiener Jugend und baute sein Kursangebot kontinuierlich aus. Als 1988/89 der offene Jugendbetrieb eingestellt wurde, übernahm es das gesamte Gebäude und erntete mittlerweile aber auch Anerkennung für seine Erfolge in der Arbeit mit behinderten und psychisch gestörten Kindern. Unter neuer Leitung wandelte sich das Musische Zentrum ab 1998 vom Kunst- zum Kurszentrum. Die
Besucherzahlen lagen inzwischen bei deutlich über 1000 Kindern und Jugendlichen wöchentlich. Nach einer Veruntreuungsaffäre 2011 wurde Gudrun Schweigkofler Wienerberger mit der Leitung der Einrichtung betraut. Seitdem wurden das Haus und die
Verwaltung modernisiert und auch theoretische Aspekte der Kunstvermittlung wieder mehr in den Vordergrund gestellt. An der pädagogischen Ursprungsidee – gesamtheitliche musische
Bildung ohne Leistungsdruck – wird nach wie vor festgehalten.
Abstract
(Englisch)
The present paper covers the history of the house at 7, Zeltgasse in Vienna and the therein located institutions which have always been committed to children and adolescents: schools, a youth centre and today a Centre for Fine Arts.
In 1785 Josef Hauer put up the first building there. In 1881 the City of Vienna acquired the site and built a citizen school. In 1962 it was converted into a youth centre, the ”Haus der Wiener Jugend“ (House of Vienna Youth). In a revolutionary way all social groups were basically granted direct access. Apart from its open youth work the house became known for being a hotspot of the alternative music scene. In 1983 the house was partly handed over to the ”Musisches Zentrum“ (Centre for Fine Arts).
In 1976 the Musisches Zentrum Wien had been founded by Doris Tarlowski, an emigrated Polish choreographer and dance pedagogue who had developped an innovative musical-pedagogical concept: children should become familiar with all areas in the fine arts (music, dance, theatre). In addition to it, the Musisches Zentrum originated cultural initiatives for young adults. In 1982 the Musisches Zentrum moved to the ”Haus der Wiener Jugend“ and in 1988/89 it took over the whole building. From 1998 on, the Musisches Zentrum turned from an art centre into a course centre. Since 2011 the house has been modernized and the theoretical aspects of art education have been given priority once again.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Wien Josefstadt Zeltgasse Schule Jugendzentrum Haus der Wiener Jugend Musisches Zentrum Tarlowski Jugendkultur Jugendszene Offene Jugendarbeit Musikszene
Autor*innen
Harald Eggenberger
Haupttitel (Deutsch)
Geschichte der Wiener Zeltgasse 7
Hauptuntertitel (Deutsch)
Haus, Schule, Jugendzentrum, Musisches Zentrum
Publikationsjahr
2016
Umfangsangabe
95 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Peter Eigner
Klassifikationen
15 Geschichte > 15.04 Ausbildung, Beruf, Organisationen ,
15 Geschichte > 15.07 Kulturgeschichte ,
15 Geschichte > 15.08 Sozialgeschichte ,
15 Geschichte > 15.11 Chronologie ,
15 Geschichte > 15.60 Schweiz, Österreich-Ungarn, Österreich ,
76 Sport > 76.01 Geschichte des Sports, der Freizeit und Erholung ,
76 Sport > 76.49 Freizeitgestaltung, Hobby: Sonstiges
AC Nummer
AC13363607
Utheses ID
39181
Studienkennzahl
UA | 066 | 689 | |
