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Joseph Anton Kochs Zeichnungen zu Macphersons Ossian
Evelyne Steininger
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Werner Kitlitschka
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.541
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29975.28136.556465-8
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Das Interesse an James Macphersons (1736-1796) Ossian hat bis heute nichts an Aktualität verloren, denn seine Dichtungen wurden im Laufe der Zeit immer wieder neu übersetzt oder neu aufgelegt. Bereits unmittelbar nach der Publizierung der Erzählungen (1760, 1762 und 1763) wurde ein wahrer Begeisterungssturm ausgelöst, der in der Folge großen Einfluss auf Literatur, Musik und Kunst hatte. Für die bildende Kunst bedeutete Ossian in erster Linie einen erheblichen Zuwachs an neuen Themen. International lässt sich eine unterschiedliche Herangehensweise an das Thema feststellen: Spielte in Großbritannien die jeweils eigene Geschichte eine tragende Rolle, wurde Ossian in Frankreich ausgesprochen romantisch umgesetzt. In Deutschland hingegen wurde der Gegenstand von Anfang an zum Anlass für weltanschauliche Betrachtungen. Ossian galt als Inbegriff romantischer Dichtung und stellte zugleich den bewussten Versuch dar, die historische Vergangenheit wiederaufleben zu lassen. Joseph Anton Kochs (1768-1839) Zeichnungen zu Ossian sind in eben diesem Sinne zu verstehen. Er schuf zwei Folgen zu diesem Thema, 53 Vorzeichnungen, die sich im Kopenhagener Thorvaldsen Museum befinden, und 37 Reinzeichnungen, die in der Akademie der bildenden Künste in Wien aufbewahrt werden. Die Vorzeichnungen entstanden um 1800 bis 1802/3 und die Wiener Folge bis 1805. Eine geplante Publizierung als illustrierte Prachtausgabe scheiterte, jedoch befinden sich in der Pariser Nationalbibliothek 37 Radierungen, wahrscheinlich von Tommaso Piroli (1752-1824), nach den Wiener Zeichnungen. Neben dem Bild – Text Verhältnis wird in der vorliegenden Arbeit auch auf Anregungen aus der christlichen und antiken Bildtradition eingegangen, sowie Kochs Verhältnis zum Ossianismus in der bildenden Kunst beleuchtet. Kochs Zeichnungen stehen dem so genannten Umrissstil nahe, der um 1800 als ein internationales Phänomen gilt und die Sehnsucht nach einem natürlichen und ursprünglichen Leben ausdrückt, als Gegenreaktion zur Kunst des Barock und Rokoko. Durch Winckelmanns Schriften wurde ein neues Antikenverständnis geweckt und nach ihm erfülle sich das antike Formideal im Umriss, was nachträglich durch die idealistische Ästhetik Immanuel Kants (1724-1804) unterstützt wurde. Der englische Künstler John Flaxman (1755-1826) wird als Urheber dieses Stils angesehen, da er den Umriss in seinen Illustrationen zum autonomen Darstellungsprinzip erhob. Der Umrissstil zeichnet sich durch eine Reduktion der formalen Mittel aus. Die Konzentration lag auf der Kontur ohne Modellierung mit Licht und Schatten vor einem blanken Hintergrund. Koch geht in seinen Zeichnungen jedoch aufgrund der Komplexität in Räumlichkeit, Detailausführung und Linienduktus über den asketischen, klassizistischen Umrissstil hinaus. In den Zeichnungen Kochs zu Ossian begegnen sich Klassizismus und Romantik. Durch die Anwendung des Umrissstils und durch Anregungen aus der antiken und christlichen Bildtradition ist Koch einerseits klassischen Vorbildern verpflichtet, andererseits zeigen sich romantische Tendenzen im Gefühlsmäßigen und Unbestimmten, sowie durch ‚altdeutsch-gotische’ Stilisierungen in der Tradition altdeutscher Graphik mit Schraffuren und Schattierungen. Damit kommt es in seinen Zeichnungen zu einer Verschmelzung der heroisch-antiken Kontur mit romantischen Stimmungsbildern. Mit Ossian schuf Koch einen umfassenden Zyklus und trug damit wesentlich zur Erschließung des Motivkreises als narrative Bildquelle bei. Für Koch stand die denkende und fühlende menschliche Figur im Vordergrund und er verzichtete ganz bewusst auf allzu gewaltige und dramatische Schilderungen zugunsten nachdenklicher und melancholischer Stimmungen. Er schafft es so in überzeugender Weise den melancholischen Unterton der Macpherschen Erzählungen umzusetzen. Mit seiner Zeichnungsfolge zu Ossian gelang Koch eine lebendige und überzeugende Darstellung der ossianischen Helden, in der er die heroischen Taten, aber auch die mit ruhmreichen Kämpfen verbundenen Verluste, in einer idealisierten, jedoch eindringlichen Weise dargestellt hat und gleichzeitig eine bemerkenswerte Treue zur Bildvorlage wahrte.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Joseph Anton Koch James Macpherson Ossian Umrissstil Zeichnung Klassizismus Romantik
Autor*innen
Evelyne Steininger
Haupttitel (Deutsch)
Joseph Anton Kochs Zeichnungen zu Macphersons Ossian
Publikationsjahr
2008
Umfangsangabe
171 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Werner Kitlitschka
Klassifikationen
20 Kunstwissenschaften > 20.30 Kunstgeschichte: Allgemeines ,
20 Kunstwissenschaften > 20.31 Bildende Künstler
AC Nummer
AC06725677
Utheses ID
406
Studienkennzahl
UA | 315 | | |
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