Detailansicht

Über die Zentralität der Ränder
befreiungstheologische Skizzen einer Erinnerung im Angesicht von Porajmos und Antiziganismus
Jakob Michael Frühmann
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Katholisch-Theologische Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Lehramtsstudium UF Deutsch UF Katholische Religion
Betreuer*in
Martin Jäggle
Volltext in Browser öffnen
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.46329
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-20535.76626.676775-1
Link zu u:search
(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die mit dem Begriff Antiziganismus umschriebene Gewalt gegenüber Rom*nja rührt aus den Ressentiments eines geschichtsträchtigen Diskurses, der sich im Porajmos - dem Genozid an den Romvölkern – radikalisiert hat. Im postnazistischen Österreich bestehen Kontinuitäten gewaltvoller Verhältnisse, die omnipräsent sind und sich auf struktureller Ebene im Politischen aber auch der Theologie artikulieren. Manifest werden diese unter anderem in einer hegemonialen Erinnerungskultur; paradigmatisch hierfür steht der südburgenländische Ort Jabing, in dem im Rahmen der vorliegenden Arbeit eine Spurensuche unternommen wird. Unterschiedliche Perspektiven versuchen dabei geschichtliches Leiden zu vergegenwärtigen und zu reflektieren, um das Leben und die Deportation der in Vergessenheit geratenden Dorfbewohner*innen zu be-denken. Die Selbstzeugnisse zweier rückgekehrter Romni, Gespräche mit Zeitzeug*innen, literarische Auseinandersetzungen und schließlich behördliche Materialien versuchen, den Rand ins Zentrum zu rücken. Dabei wird vor allem der erkenntnistheoretische Einwand postkolonialer Theorien ernst genommen, nämlich das eigene Sprechen und den objektivierenden Zugriff auf das Andere durch Repräsentation zu problematisieren. Das empirische Beispiel konkreter Gewalterfahrung versucht auf einer Metaebene zu reflektieren, wie sich dem sozialen Rand angenähert werden kann und wieso dieser hinsichtlich einer Gesellschaftskritik besonders zentral erscheint. Daraufhin wird im Rekurs auf die Neue Politische Theologie und deren Forderung einer anamnetischen Solidarität einerseits die Frage nach den Opfern der Geschichte gestellt, andererseits werden die herrschaftskritischen Anregungen postkolonialer Theologien aufgegriffen, um befreiungstheologische Überlegungen zu skizzieren, die eine solidarische Praxis mit den Leidenden in das Zentrum rückt. Die Arbeit versucht aufzuzeigen, wie vor dem Hintergrund migrationspädagogischer Herausforderungen ein kritisches Geschichtsbewusstsein zu einer politischen und befreienden Dimension religiöser Bildung beitragen kann.
Abstract
(Englisch)
The word Antiziganism describes the violence on Romani people and originates in a long discourse which radicalized in the Porajmos – the genocide of Romani people. In post-nazi Austria, violent conditions continue and are omnipresent; they are structurally acted out in both politics and theology. Amongst others, these continuities can be found in a hegemonic culture of remembrance. The thesis tries to exemplify this by showing the results of research conducted in Jabing, a small village in the southern part of Burgenland. Different perspectives try to bring historical suffering to mind and stimulate a process of reflection, in order to remember the lives and the deportation of the villagers who are to be forgotten. Autobiographical texts of two survivors, interviews with contemporary witnesses, analysis of corresponding literature and finally the documents of authorities try to center the margins. In this, the epistemic objection of postcolonial theories is stressed, i.e. the importance of expounding the problems of one own’s speaking and the objectifying access to others through representation. The empirical example of the experience of violence tries to reflect on a meta-level how marginalized subjects can be met and why they are crucial regarding societal criticism. Hereupon different references are made: On the one hand the New Political Theology and its claim for an anamnetic solidarity with the vicitims of history is still providing interesting ideas towards a culture of remembrance, on the other hand the challenges of postcolonial theologies are taken up in order to outline new aspects of liberation theology which focuses on the sufferers. The thesis tries to show how, in a society of migration, a critical consciousness of history supports the political and liberating dimension of religious education.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Porajmos Antiziganism liberation theology political theology postcolonial studies romani people Jabing memory violence
Schlagwörter
(Deutsch)
Porajmos Antiziganismus Befreiungstheologie Politische Theologie Postkoloniale Theologie Roma Jabing Erinnerung Gewalt Gedenken
Autor*innen
Jakob Michael Frühmann
Haupttitel (Deutsch)
Über die Zentralität der Ränder
Hauptuntertitel (Deutsch)
befreiungstheologische Skizzen einer Erinnerung im Angesicht von Porajmos und Antiziganismus
Publikationsjahr
2017
Umfangsangabe
166 Seiten : Illustration
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Martin Jäggle
Klassifikationen
11 Theologie > 11.60 Systematische Theologie: Allgemeines ,
11 Theologie > 11.77 Religionspädagogik ,
15 Geschichte > 15.24 Zweiter Weltkrieg ,
71 Soziologie > 71.61 Diskriminierung ,
89 Politologie > 89.21 Faschismus
AC Nummer
AC14514759
Utheses ID
40994
Studienkennzahl
UA | 190 | 333 | 020 |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1