Detailansicht

Whose country is it, anyway?
the right to self-determination from the perspective of constructivist international relations
Johanna Rodehau-Noack
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Politikwissenschaft
Betreuer*in
Johann Wimmer
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.47324
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30445.39765.443169-5
Link zu u:search
(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Obwohl kollektive Selbstbestimmung ein relativ junges Konzept ist, hat es schnell an moralischer Schlagkraft gewonnen und Unruhe in der internationalen Politik gestiftet. Tatsächlich beruht der Großteil der gegenwärtigen bewaffneten Konflikte auf Kämpfen um kollektive Selbstbestimmung. Dereinst als rechtliche Grundlage für den Prozess der Entkolonialisierung im Völkerrecht verankert, wurde das Recht der Völker auf Selbstbestimmung zu einem der umstrittensten internationalen Prinzipien. Dies ist einerseits darin begründet, dass es mit anderen zwingenden Normen in Konflikt steht, andererseits lassen die entsprechenden Rechtstexte grundlegende Fragen hinsichtlich der Rechtsträgerschaft, der Anwendung des Rechts außerhalb des kolonialen Kontextes und seiner konkreten Ausgestaltung offen. Diese Masterarbeit ist zum einen durch Komplexität des Themas angeregt, das grundlegende Konzepte der politischen Philosophie, wie etwa Staatlichkeit, nationale Identität und die Legitimität politischer Herrschaft betrifft. Zum anderen hat sich durch jüngste Ereignisse, wie etwa in Mali oder der Ostukraine, gezeigt, dass kollektiver Selbstbestimmung eine hohe Aktualität beikommt. Bisher wurde das Recht auf Selbstbestimmung vor allem aus juristischer Perspektive betrachtet. Es gibt hingegen kaum Beiträge, die es im Bereich der internationalen Politik positionieren, weniger noch aus einer konstruktivistischen Sichtweise. Diese Masterarbeit widmet sich folglich dieser Forschungslücke mit dem Ziel, die Auswirkung von staatlichen und kollektiven Identitäten, sowie den dazugehörigen Interessen, auf die Umsetzung des Rechts auf Selbstbestimmung zu untersuchen. Dabei lege ich ein besonderes Augenmerk auf die Einbettung der zentralen Kontroversen in eine Theorie der Internationalen Beziehungen. Um dies zu bewerkstelligen, beziehe ich mich auf Alexander Wendts Ausführungen in ‚Social Theory of International Politics’. Diese Arbeit stellt daher einen Beitrag an der Schnittstelle von Internationaler Politik, Völkerrecht und politischer Theorie dar. Indem ich eine konstruktivistische Perspektive einnehme, zeige ich, dass die Einhaltung völkerrechtlicher Bestimmungen mit einigen Interessen vereinbar ist, anderen jedoch zuwiderläuft. Nachdem es in der heutigen internationalen Politik kaum Fälle gibt, in denen das Völkerrecht gänzlich missachtet wird, müssen gemeinschaftliche Akteure eine Rechtfertigung vorlegen, wenn sie das Recht auf Selbstbestimmung nicht einhalten. Dies geschieht entweder, indem das Befolgen eines anderen internationalen Prinzips als höherwertig argumentiert wird oder indem die Verweigerung des Rechts überhaupt geleugnet wird. Diese Strategie bezeichne ich als ‚relative non-compliance’. Um der Erfüllung von Forderungen nach mehr kollektiver Selbstbestimmung zu umgehen, machen sich aggregierte Akteure, wie etwa Staaten oder die internationale Gemeinschaft, die definitorischen Unklarheiten des Rechts auf Selbstbestimmung hinsichtlich der Rechtssubjekte, seiner spezifischen Ausgestaltung oder der vermeintlichen Beschränkung auf den Entkolonisierungsprozess zunutze.
Abstract
(Englisch)
Although collective self-determination is a relatively young concept, it has quickly developed great moral power and has caused much commotion in international politics ever since. In fact, disputes over self-determination are the most common reason for contemporary armed conflicts nowadays. Originally entrenched in international law as the legal foundation for the process of decolonisation, the Right of peoples to Self-Determination has become a widely contested issue. One the one hand, this is due to its conflictual relationship with other international norms of peremptory character, such as territorial integrity. On the other hand, central controversies regarding the holders of the right, the application in non- and post-colonial contexts, and the specific implementation of the Right to Self-Determination remain unresolved. Therefore, this thesis is not only motivated by the complexity of collective self-determination, which touches upon core concepts of international politics and political philosophy, such as statehood, nationhood, and the legitimacy of political rule. In addition, recent incidents of separatism, such as in Mali or the Eastern Ukraine, have shown that self-determination also remains a topic of current interest. To date, the Right to Self-Determination has usually been scrutinised from the perspective of the Legal Studies. Only very few contributions have placed the Right to Self-Determination in international politics, and even less so from a Constructivist point of view. This Master’s thesis therefore intends to address this research gap. The objective is to examine how identities and interests of corporate actors affect the realisation of the Right to Self-Determination. In so doing, I embed the central dilemmas arising from the codification of self-determination within International Relations theory. In order to show how identities are formed and interests are balanced with the Right to Self-Determination, I draw on Alexander Wendt’s framework in ‘Social Theory of International Politics’. Thus, this thesis is a theoretical contribution at the intersection of international politics, international law, and political theory. By applying a Constructivist perspective, I argue that the compliance with international law harmonises with the pursuit of some interests, while it collides with the pursuit of others. As there are hardly any cases of absolute ignorance towards international law in contemporary international politics, corporate actors need to justify their behaviour when they disregard the Right to Self-Determination. This is done by either prioritising other international precepts, such as territorial integrity, over self-determination, or by denying that any violation is taking place after all. I refer to this phenomenon as ‘relative non-compliance’. In order to circumvent concessions to groups invoking self-determination, corporate actors exploit the definitional ambiguities of the Right to Self-Determination concerning the rights holders, the specific implementation, and its alleged restriction to the colonial context.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Right to Self-Determination International Relations Non-compliance Constructivism International Law
Schlagwörter
(Deutsch)
Recht auf Selbstbestimmung Internationale Beziehungen Nicht-Einhaltung Konstruktivismus Völkerrecht
Autor*innen
Johanna Rodehau-Noack
Haupttitel (Englisch)
Whose country is it, anyway?
Hauptuntertitel (Englisch)
the right to self-determination from the perspective of constructivist international relations
Paralleltitel (Deutsch)
Wessen Land ist es eigentlich? Das Recht auf Selbstbestimmung aus der Perspektive der konstruktivistischen Internationalen Beziehungen
Publikationsjahr
2017
Umfangsangabe
87 Seiten
Sprache
Englisch
Beurteiler*in
Johann Wimmer
Klassifikationen
86 Recht > 86.84 Völkerrecht: Allgemeines ,
89 Politologie > 89.05 Politische Theorie ,
89 Politologie > 89.70 Internationale Beziehungen: Allgemeines
AC Nummer
AC13752762
Utheses ID
41882
Studienkennzahl
UA | 066 | 824 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1