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Von Mähren nach Wien
Josef Karel Mazal : ein Beispiel für tschechische Zuwanderung um 1900
Stephan Mazal
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Dr.-Studium der Philosophie Geschichte
Betreuer*in
Wolfdieter Bihl
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.47537
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-28783.40536.733264-1
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Zuwanderung ist ein Thema, das die Menschheit seit jeher beschäftigt. Diese Arbeit widmet sich dem Leben eines Mannes, der sich in der Mitte seines Lebens entschied, aus wirtschaftlichen Gründen in Wien Wohnung und Arbeit zu suchen. Im Titel „Von Mähren nach Wien“ kommt dieser Vorgang kurz und prägnant zum Ausdruck. Ausgehend von der familienhistorischen Erforschung des tschechischen Zuwanderers Josef Karel Mazal, seiner Herkunft, seiner Familie und seines Umfeldes wird sein Leben als Fallbeispiel in den Kontext der Forschungen zur Zuwanderung von Tschechen nach Wien um 1900 gestellt und analysiert. Fast ausschliesslich auf schriftliche Dokumente verwaltungsbehördlichen Handeln und Matrikeneintragungen gestützt, werden die relevanten Lebensereignisse und deren Motive erforscht. Akte und Einträge aus dem Österreichischen Staatsarchiv, dem Magistrat Wien, dem Wiener Stadt- und Landesarchiv, dem Mährischen Landesarchiv und mehreren Pfarrämtern bilden die Grundlage dieser quellenkundlichen Arbeit. Mithilfe von Pfarrmatriken aus Mähren, Kärnten und Wien werden Abstammung und familiäre Beziehungen erarbeitet. Die Auswertung des Heimatrechtsaktes von 1909/10, von Totenbeschaubefunden, der Todfallsanzeige, der Todfalls-Aufnahme und der Verpflegskostenanmeldung sowie der Wiener Meldezettel aus den Jahren 1908 bis 1932 erschließt ein umfangreiches Bild über die Wiener Zeit von Josef Karel Mazal. So ist es beispielsweise möglich, nur aufgrund der Auswertung und des Inbeziehungssetzens der Daten festzustellen, dass sich der verwitwete erkrankte Josef Mazal um seinen schwerkranken ältesten Sohn kümmert. Ein Rückgriff auf „Lehmann`s Adreßbücher“ zeigt, dass diese nicht immer als zuverlässige Quellen herangezogen werden können. Nachweislich stimmen die Angaben einiger Jahrgänge mit den behördlichen Meldezetteln nicht überein. Geboren 1864 in Walchow im mährischen Bezirk Boskowitz als Kleinhäuslerkind erlernt Mazal das Schneiderhandwerk. Sein Vater und sein Großvater übten den im 18. und 19. Jahrhundert häufigen Beruf eines Webers aus. Die Förderung von Industrie und Gewerbe durch Maria Theresia und Joseph II. ermöglichte breiten Schichten die Ausübung eines Berufes im Zuge der industriellen Revolution. Insbesondere die Weberei wurde nach dem Verlust Schlesiens staatlich gefördert. In wirtschaftlich besseren Zeiten konnten die Sparsamen und Fleißigen unter ihnen Eigentum in Form von Kleinhäusern schaffen. Zum Erwerb musste jedes Familienmitglied nach seinen Möglichkeiten beitragen, davon waren nur Kleinkinder ausgenommen. Mazals Vorfahren sind als Teil der ländlich geprägten mährischen Unterschichten zu klassifizieren. Das Land Mähren wurde bis 1945 von Tschechen und Deutschen bewohnt. Eine Analyse des Nachnamens legt die tschechische Herkunft und die Bedeutung des Namens dar. Im Alter von 35 Jahren verlässt Josef Karel im Jahre 1899 seine mährische Heimat im Rahmen einer großen, Jahrzehnte anhaltenden, Binnenwanderung aus den böhmischen Ländern nach Wien. Bis zu einem Viertel der Wiener Bevölkerung jener Jahre sind gebürtige Tschechen. Die Zuwanderung aus den überbevölkerten agrarischen Gebieten nach Wien endet mit dem Ersten Weltkrieg. Mazal siedelt sich in einem Wiener Geschäftsbezirk an, um hier seine Schneiderdienste anzubieten. Seine Wohnsituation ist in den ersten Jahren noch unstet, verbessert sich jedoch mit der Gründung einer Familie. Bereits zwei Jahre nach dem frühen Tod seiner ersten Ehefrau heiratet er wieder und hat insgesamt drei Söhne. Nach zehn Jahren Aufenthalt in Wien sucht er um das Heimatrecht an, das ihm aufgrund eines Rechtsanspruches verliehen wird und sich die Wirkung auf die ganze Familie erstreckt. Bis zu diesem Zeitpunkt besitzen auch die zweite Ehefrau und die Kinder, die keinen Bezug zur mährischen Heimat haben, das Heimatrecht von Walchow. Wohnungsaufkündigungen aus finanziellen oder willkürlichen Motiven stehen vor Inkrafttreten des Mieterschutzes 1917 an der Tagesordnung. Josef Mazal schafft es auch in schwierigen Zeiten ausreichend Unterhalt für die Familie zu verdienen und dieser über viele Jahre hinweg stabile Wohnverhältnisse bieten zu können. In den ersten Kriegsjahren verschlechtert sich die Wohnsituation der Familie. Nach der Einführung der Mieterschutzverordnungen verbessert sich diese wieder erkennbar. Allerdings veschlechtert sich dennoch mit zunehmendem Alter und durch den frühen Tod auch der zweiten Ehefrau die wirtschaftliche Lage der Familie. Die Kombination von Alter und Krankheit führt in vielen Fällen zur Erwerbsunfähigkeit und zur Aufnahme in ein städtisches Versorgungshaus. Mit 61 Jahren ist er nicht mehr in der Lage, sich selbst und seine noch minderjährigen Kinder zu erhalten. Die Aufnahme in das städtische Versorgungshaus Lainz Ende 1925 ist die Folge von mangelnder Altersversorgung in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit. Für ihn stellt der Aufenthalt im Versorgungsheim die letzte Station in seinem Leben dar, bevor er nach einer Übersiedlung ins städtische Versorgungshaus Meldemannstraße im Mai 1932 stirbt. Die Wiener Tschechen sind keine homogene Gruppe. Neben Saisonarbeitern und Zuwanderern mit starken familiären Bindungen an die alte Heimat gibt es jene Gruppe, die sich stärker integrierte. Integration und Assimilation werden gefördert durch äußeren staatlichen Druck und den eigenen Wunsch nach Erfolg und Aufstieg, der damals ohne ausreichende Sprachkenntnisse nicht möglich ist. Wenn Josef Karel sich zunächst noch an seinen Landsleuten orientiert – die erste Ehefrau ist Tschechin aus Mähren – so lernt er doch ausreichend die deutsche Sprache, um als selbständiger Schneider mit seinen Kunden kommunizieren zu können. Nach nur acht Jahren in Wien heiratet er als Katholik eine evangelische Kärntnerin, zeigt also sprachliche und religiöse Toleranz und Anpassungsfähigkeit, die über das gesellschaftlich geforderte Maß an Integration hinausgeht. Anhand familiengeschichtlicher Forschungsergebnisse werden soziale Entwicklungen in verschiedenen Epochen sichtbar und am Beispiel des Lebens eines Mannes tschechische Zuwanderungsgeschichte sowie die gelebte selbst gewählte Form bestmöglicher Anpassung verdeutlicht.
Abstract
(Englisch)
Immigration is an issue that humanity always engaged. This paper is dedicated to the life of a man, who decides in the middle of his life for economic reasons to look for habitation and work in Vienna. In the title „From Moravia to Vienna“ this process is expressed briefly and concise. Based on historical familiy studies about the Czech immigrant Josef Karel Mazal, his origin, his family and environment, his life is put as a case example into the context of studies about immigration of Czechs to Vienna about 1900. Almost exclusively based on written documents of administrative acting and matriculation register, the relevant life events and their motifs are investigated. Files and entries from the Austrian State Archives, the municipial adminstration of Vienna, the municipial archives of Vienna, the archives of Moravia and several parish offices provide the basis for this documentary paper. With the aid of parish registers in Moravia, Carinthia and Vienna ancestry and familiy connections are developed. The analysis of the township of Vienna by conferral in 1909/10, of the file of inspection result of dead, of notification of death, of death inscription and the subsistence expenses registration as well as Viennese certificates of registration in the years 1908 to 1932 developes a comprehensive image about the Viennese time of Josef Karel Mazal. For example it is only because of the analysis and the interrelations of the facts possible to find out that the widowed sickened Josef Mazal cares about his seriously sickened oldest son. A resort to Lehmann`s adessbooks shows that they can not always be used as a reliable source. The data of some year veritiable are not right with the administrative certificates of registration. Born in Walchow in the Moravian district of Boskowitz as a child of a small farmer in the year of 1864, Mazal learned tailoring. His father and his grandfather practised the – in the 18th and 19th century common - profession as a weaver. The promotion of industry and trade by Maria Theresia and Joseph II. enabled many classes the practice of a profession in the course of the industrial revolution. Especially weaving was promoted by the state after the loss of Silesia. In economic better times the economical and diligent people among them were able to accomplish property in the form of small houses. Every familiy member had to contribute to earnings by his capabilities. Only infants were exepted from this rule. Mazals ancestors have to be ranged as a part of the agricultural Moravian lower class. Moravia was inhabited by Czechs and Germans until 1945. An analysis of the surname shows the Czech origin and the meaning. At the age of 35 Josef Karel leaves in the year of 1899 his Moravian home in the context of a decades-longing domestic migration from the bohemian countries to Vienna. Up to a quarter of the Viennese population at that time are native Czechs. The immigration from the over populated agricultural areas to Vienna ends with the First World War. Mazal locates in a Viennese business district to offer his tailor`s trade. His housing situation in the first years in Vienna is still changeable. With the formation of a family it improves. Already two years after the early death of his first wife he marries again und has altogether three sons. After ten years residence in Vienna he requests for the right of home in Vienna. Because of a legal claim it is given to him and the consequence is reaching the whole family. The second wife and the children, even they bear no relation to Moravia, they have the right of home in Walchow until that time. A large number of resignations because of financial or arbitrary motifs are the order of the day before legal force of rent control in 1917. Josef Mazal manages in difficult times to earn sufficient alimentation for his familiy and to provide stable housing for many years. In the first years of the First World War the housing situation of the family worsened. After implementation of acts of rental control improves housing situation recognisable. Unfortunately as one gets older and because of the early death of the second wife the economic situation of the family worsened. The combination of age and disease leads in many cases to inability to work and accomodation into a municipal almshouse. At the age of 61 Mazal is not longer in the position to maintain himself and his children. Accomodation into the Viennese almshouse Lainz at the end of 1925 is the result of insufficient pension scheme in an economic difficult time. For him is the residence in the almshouse the last station in his life, before he dies in May 1932 after relocation to another Viennese almshouse in the Meldemannstraße. The Viennese Czechs are no homogeneous group. Beside saisonal workers and immigrants with strong family ties to the old home, there is a group of Czechs which stronger integrates herself. Integration and assimilation are benefited by governmental pressure and the own wish for success and advancement. At that time advancement is not possible without sufficient language abilities. If Josef Karel at the first time orients to his compatriots – the first wife is from Moravia – he nevertheless learns sufficient the german language to communicate with his customers as an independent tailor. After eight years residence in Vienna he marries as a catholic Czech an evangelic Carinthian. In this way he shows language and religous tolerance and adaptability, going out over the social asked criterion on integration. Based on historical family research results social developments in different epochs are visualised and by taking the example of the life of a man Czech immigration history as well as a self choosen way of optimal assimilation is explained.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Family history Moravia Vienna 1900 Czech Immigration Mazal
Schlagwörter
(Deutsch)
Familiengeschichte Mähren Wien 1900 /tschechichsche Zuwanderung /Walchow /Mazal
Autor*innen
Stephan Mazal
Haupttitel (Deutsch)
Von Mähren nach Wien
Hauptuntertitel (Deutsch)
Josef Karel Mazal : ein Beispiel für tschechische Zuwanderung um 1900
Publikationsjahr
2017
Umfangsangabe
369 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Lothar Höbelt
Klassifikation
15 Geschichte > 15.08 Sozialgeschichte
AC Nummer
AC13745081
Utheses ID
42072
Studienkennzahl
UA | 092 | 312 | |
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