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Testamente als Grundlagen für Inszenierungen städtischer Gemeinschaften
Christa Derndarsky
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Dr.-Studium der Philosophie Geschichte
Betreuer*in
Karl Brunner
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-15823.10081.291466-9
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
In spätmittelalterlichen Testamenten ist oft mehr oder weniger genau beschrieben, wie nach dem Tod verfahren werden sollte. Diese „Inszenierungen“ zu analysieren ist Aufgabe der vorliergehenden Dissertation. Als Quellengrundlage dienen die ersten drei edierten Wiener Stadtbücher, aus denen ca. 930 "Geschäfte" entnommen wurden, zu deren Auswertung eine Datenbank nützlich und ein heuristisches Modell notwendig waren. Erklärungen zur Vorstellungswelt der spätmittelalterlichen Menschen, die damalige Rechtslage im Wiener Erbrecht und die Wünsche der Kirche bilden den Beginn, dem die Grundlagen für Inszenierung und Gemeinschaften folgen. Überlegungen zur Motivation der Testatoren und eine Textuntersuchung zeigen, dass sie Menschen ihren Wunsch nach Gemeinschaft zu Lebzeiten und darüber hinaus zeigen wollten. Didaktische Ansätze sind für die Überlegungen in den nächsten Kapiteln bestimmend: Eine Narration führt junge Menschen zur Thematik letztwilliger Verfügungen und zeigt den beispielhaften Testierakt des Wolfhart von Steyr. Ein Vergleich des Testaments mit einem Filmdrehbuch zeigt Ideen des Testators und die Wichtigkeit des Geschäftsherrn/Regisseurs für die späteren Ausführungen auf. Da es für den Gang zum Rathaus anlässlich der Veröffentlichung des letztwilligen Geschäftes keine schriftlichen Unterlagen gibt, wird die Inszenierungsmetapher eingesetzt und damit das heutige Hintergrundwissen aus dem Gebiet der Theaterwissenschaften auf die damaligen Handlungen übertragen. Vom Rat erhält der vom Testator bestellte Geschäftsherr die Vollmacht über den Nachlass. Im Zuge der Ausführungen kommt es zu Kontakten mit den Erben und/oder Vermächtnisnehmern, die sich in Ritualen, Zeremonien und Performanzen in Form von gemeinschaftlichen Ereignissen ausdrücken: Trauer-, Pilger-, Mahl- und Gebetsgemeinschaften entstehen. Viel häufiger noch sind Kontakte des Geschäftsherrn mit ständigen Gemeinschaften, wie Pfarrgemeinde, Klöster, Zechen, Spital, Siechenheime, Seelhäuser und St. Hieronymus, die mit Immobilien und Mobilien bedacht, gefördert und manchmal jahrelang unterstützt werden. Aber auch die Bürgergemeinde profitiert durch Vermächtnisse, und Stadtherr und Rat erhalten Geschenke, die ihnen öffentlich und in Form von Ritualen und Zeremonien übergeben werden. Als neue Erkenntnisse sind zu nennen: Die Testatoren in Wien zeigen ein starkes Gemeinschaftsgefühl und geben, indem sie Gemeinschaften fördern, ihre Ideen weiter. Wie schon zuvor der Adel zeigen nun auch die Bürger in der Öffentlichkeit vor Publikum ihre rechtlichen und religiösen Handlungsweisen durch ihr Benehmen, ihre Gesten und Symbole, die wir heute Inszenierungen nennen. Geschäftsherren sind vor allem bei großen Geschäften wichtig und werden entweder nach Kriterien der Verwandtschaft, ihres Amtes als Rat oder aufgrund bestimmter Fähigkeiten – hier sind in erster Linie Tüchtigkeit, Durchschlagskraft und gewissenhafte Erledigung der Aufgaben zu nennen – vom Testator berufen.
Abstract
(Englisch)
Last wills and testaments of the late Middle Ages contain more or less detailed descriptions of what should be done after the death of the legators. My thesis analyes these descriptions, based on about 930 - testaments of the first three editions of the Viennese City Records (i.e. "Wiener Stadtbücher"). A database as well as a heuristic model were used for evaluating these documents. The thesis starts with explanations of how the people of the late Middle Ages perceived the world, including the inheritance law of that time as well as the ecclesiastical requests, followed by explanations of the basics of performance and communities. Considerations about the motivations of the testators and an analysis of the text of the testaments show that the people wanted to display their desire to be part of the community in their lifetime as well as beyond. A didactic approach determines the considerations of the following chapters: a narration is supposed to introduce young people to the subject of last wills and makes them familiar with the exemplary testament of Wolfhart von Steyr. A comparison of testaments with a screenplay for a film illustrates the ideas of the legator and the importance of the executor / stage director for the later execution. Since there are no written sources of the walk to the town hall on the occasion of the publication of the last will, the performance metaphor is used to transfer today's background knowledge of dramatic art to the actions in the past. The executor, chosen by the legato, was authorized by the town council to dispose of the inheritance. In the course of the execution contacts with the beneficiaries and/or legatees were established, connected with rituals, ceremonies and performances, bringing about congregations of mourners and pilgrims, prayer's communities as well as the funeral repast. Links between the executor and corporate communities, such as parish communities, monasteries, infirmaries, hospices and St. Hieronymus, were far more common. These institutions inherited real estates as well as movable properties and were sometimes supported for years. The local municipality also benefited from legacies. The sovereign of the city and the city council received donations given to them in public during rituals and ceremonies. The main results of my analysis can be summarised as follows: The Viennese legators of the late Middle Ages displayed strong social interest and passed on their ideas by promoting their community. At that time, also the townsmen, like the nobility earlier, displayed their legal and religious conducts in public by certain behaviour, gestures and symbols - which we would call performance nowadays. One or more executors were especially important for large legacies and were chosen by the legator due to their personal relationships, due to their position in the council or due to certain abilities such as competence, vigour and reliability.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Last Will Late Middle Ages Vienna Community Performance Public Donations for the Soul
Schlagwörter
(Deutsch)
Testament Spätmittelalter Wien Gemeinschaft Inszenierung Publikum Seelgeräte
Autor*innen
Christa Derndarsky
Haupttitel (Deutsch)
Testamente als Grundlagen für Inszenierungen städtischer Gemeinschaften
Paralleltitel (Englisch)
Last wills as a basis for performances of municipial communities
Publikationsjahr
2017
Umfangsangabe
323 Seiten : Illustrationen, Diagramme, Karten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Karl Brunner ,
Klaus Lohrmann
Klassifikationen
15 Geschichte > 15.07 Kulturgeschichte ,
15 Geschichte > 15.33 Hoch- und Spätmittelalter
AC Nummer
AC13747137
Utheses ID
42093
Studienkennzahl
UA | 092 | 312 | |
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