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"Wir gegen sie"
die Wirkung rechtspopulistischer politischer Werbung auf Intergruppeneinstellungen
Desirée Schmuck
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Doktoratsstudium Sozialwissenschaften (Dissertationsgebiet: Publizistik- und Kommunikationswissenschaft)
Betreuer*in
Jörg Matthes
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-13158.74690.481059-9
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Mit der vorliegenden Dissertation wird im Rahmen von fünf individuellen Beiträgen erstmals der Einfluss rechtspopulistischer politischer Kampagnen auf Intergruppeneinstellungen zwischen Mitgliedern der Mehrheits- und Minderheitsbevölkerung systematisch untersucht und empirisch überprüft.
Im Anschluss an eine theoretische Aufarbeitung des Forschungsthemas wird im ersten Beitrag der bisherige Forschungsstand zu rechtspopulistischer politischer Kommunikation in Österreich systematisch zusammengefasst und eine theoretische Einordnung der österreichischen rechtspopulistischen Partei, FPÖ, vorgenommen. Im zweiten Beitrag werden mithilfe von qualitativen Gruppendiskussionen Wahrnehmungen und potenzielle Wirkungen von rechtspopulistischen politischen Kampagnen auf Intergruppeneinstellungen untersucht. Daran anschließend wenden sich drei Experimentalstudien den Wirkprozessen rechtspopulistischer politischer Werbung auf Mitglieder der Mehrheits- und Minderheitsbevölkerung zu.
Die zentralen Befunde der vorliegenden Dissertation zeigen, dass rechtspopulistische politische Werbung in Form von Printwerbung und Plakaten zur Verstärkung von feindseligen Einstellungen gegenüber Migranten und Minderheiten in der Bevölkerung führen können. Die persuasive Wirkung von rechtspopulistischer Wahlwerbung basiert dabei in erster Linie auf der Aktivierung von heuristischen Verarbeitungsprozessen wie negativen Stereotypen und Affekten. Insgesamt lösen Appelle, welche die Unterminierung der heimischen Kultur und Werte durch Migranten betonen, stärkere negative Einstellungen gegenüber Migranten aus als ökonomische Bedrohungsappelle, die sich auf die Konkurrenz um Arbeitsplätze, Wohnungen und Sozialleistungen beziehen. Obwohl niedriger gebildete Rezipienten empfänglicher für die Botschaften rechtspopulistischer politischer Kampagnen zu sein scheinen, schützt das formale Bildungsniveau die Rezipienten nur bedingt vor dem persuasiven Einfluss dieser Kampagnen. Werden starke Appelle, die sowohl mittels verbaler als auch visueller Elemente Bedrohungen durch Migranten kommunizieren, in der Wahlwerbung verwendet, lassen sich unter den höher Gebildeten sowohl Wirkungen auf die expliziten, verbal geäußerten Einstellungen gegenüber Migranten als auch auf implizite, kognitive Assoziationen, die nicht offen zugegeben werden, nachweisen. Diese Befunde haben somit hohe Relevanz für das Zusammenleben unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen, da sowohl negative explizite als auch implizite Einstellungen gegenüber Migranten und Minderheiten Intergruppenbeziehungen negativ beeinflussen können. Überdies weist die vorliegende Dissertation erstmals auf negative Effekte aufseiten der in den Kampagnen dargestellten Minderheiten und Migranten hin: Am Beispiel der muslimischen Minderheit in Österreich zeigen die Befunde, dass herabwürdigende Darstellungen bei jungen Muslimen zu erhöhter wahrgenommener Diskriminierung führen, was in der Folge in verminderter nationaler Verbundenheit und feindseligen Haltungen gegenüber der Mehrheitsbevölkerung resultieren kann. Zudem können fremdenfeindliche, rechtspopulistische Kampagnen das Selbstwertgefühl der Betroffenen reduzieren, was sich ebenfalls in Hass und Feindseligkeit gegenüber der Mehrheitsbevölkerung manifestieren kann. Diese Befunde sind hochrelevant, da im Gegensatz zu negativen Darstellungen von Migranten in klassischen Nachrichtenmedien, politische Kampagnen kaum umgangen werden können. Migranten und Mitglieder von Minderheiten sind somit stigmatisierenden Botschaften und Bildern zwangsläufig ausgesetzt, was in einem Rückzug von der Mehrheitsbevölkerung münden kann.
Im Anschluss an eine systematische Diskussion dieser Ergebnisse wird das methodische Vorgehen der vorliegenden Arbeit kritisch reflektiert. Abschließend werden Anknüpfungspunkte für künftige wissenschaftliche Folgestudien behandelt sowie zentrale gesellschaftspolitische Implikationen der Befunde diskutiert. Insgesamt weist die vorliegende Dissertation erstmals auf das Wirkungspotenzial fremdenfeindlicher, rechtspopulistischer politischer Kampagnen auf Intergruppenbeziehungen in der Gesellschaft hin und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Untersuchung und Systematisierung dieses noch jungen Forschungsfeldes.
Abstract
(Englisch)
Within five individual articles, this dissertation examines and tests for the first time systematically the influence of right-wing populist political campaigns on intergroup attitudes among majority and minority members.
Following a theoretical introduction, the first article systematically summarizes the existing research on right-wing populist political communication in Austria and theoretically defines the Austrian right-wing populist party FPÖ. Applying qualitative group discussions, the second article investigates perceptions and potential effects of right-wing populist political campaigns on intergroup attitudes. Subsequently, three experimental studies examine the effects of right-wing populist political advertising on majority and minority members.
The key findings of this dissertation suggest that right-wing populist political advertising in terms of print and poster advertisements contribute to hostile attitudes toward immigrants and minority members in society. The persuasive effects of right-wing populist advertising are based on the activation of heuristic information processes such as negative stereotypes and affects. Overall, advertising appeals, which emphasize that immigrants undermine the culture and values of a country, exert stronger effects on anti- immigrant attitudes than economic threat appeals, which describe the competition over workplaces, housing and social services. Although lower-educated individuals seem to be more susceptible to the effects of right-wing populist campaigns; formal education only partially protects individuals from the influence of these campaigns. Advertisements which combine verbal and visual threat appeals affect both, explicit verbally indicated anti-immigrant attitudes as well as implicit, cognitive associations, which are not openly admitted. These findings are highly relevant for the cohabitation of different societal groups, as both, negative explicit and implicit attitudes toward immigrants and minorities, may negatively affect intergroup relations.
Furthermore, this dissertation demonstrates for the first time negative effects on immigrants and minority members portrayed by these campaigns: Investigating Muslim minority members in Austria, the findings show that derogatory portrayals increase perceived discrimination among young Muslims, which results in lower national identification and hostile attitudes toward majority members. Additionally, right-wing populist political campaigns harm individuals’ self-esteem which also fosters hostile attitudes toward majority members. These findings are crucial, as political campaigns can hardly be avoided in public in contrast to news media portrayals of immigrants and minority members. Minority members are thus inevitably confronted with stigmatizing messages and images, which may result in societal withdrawal.
After a systematic discussion of these findings, a following chapter discusses the limitations of these studies and gives suggestions for future research. Finally, important implications for intergroup relations and society at large are discussed. In sum, this dissertation demonstrates the effects of right-wing populist political campaigns on intergroup attitudes and thus makes an important contribution to the study of this new research area.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
Right-wing Populism Political Advertising Anti-immigrant Attitudes
Schlagwörter
(Deutsch)
Rechtspopulismus Politische Werbung Fremdenfeindlichkeit
Autor*innen
Desirée Schmuck
Haupttitel (Deutsch)
"Wir gegen sie"
Hauptuntertitel (Deutsch)
die Wirkung rechtspopulistischer politischer Werbung auf Intergruppeneinstellungen
Paralleltitel (Englisch)
"It’s Us Against Them" : the effects of anti-immigrant right-wing populist advertising on intergroup attitudes
Publikationsjahr
2017
Umfangsangabe
310 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Sophie Lecheler ,
Sabine Einwiller
Klassifikation
05 Kommunikationswissenschaft > 05.30 Massenkommunikation, Massenmedien: Allgemeines
AC Nummer
AC13751722
Utheses ID
42282
Studienkennzahl
UA | 796 | 310 | 301 |
