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Hexenverfolgung als Resultat einer protostaatlichen Justiz
eine Studie zur frühmodernen Gesellschaft in Europa
Kristina Martina Gahberger
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Betreuer*in
Johann Wimmer
DOI
10.25365/thesis.4812
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30161.82477.221161-2
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Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Im Zeitraum von 1450 bis 1750 wurden in Europa zwischen 50 000 und 60 000 Menschen der Hexerei angeklagt, überwiegend von weltlichen Gerichten verurteilt und hingerichtet. Die europäische Hexenverfolgung stellt dabei keine einzige und einheitliche Episode dar, sondern weist zeitliche und regionale Konzentrationen auf, welche den jeweiligen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen entsprechen. Schon im Mittelalter wurde das Delikt der schadenstiftenden Zauberei vor weltlichen Gerichten verhandelt; dies jedoch als Einzelverfahren. Vorraussetzungen für die später einsetzenden Hexenverfolgungen waren die Entwicklung einer diabolischen Hexenlehre, sowie die Umwälzung und Modernisierung im europäischen Rechtssystem. Der hinter dieser Argumentation liegende plausible Gedankengang lässt sich wie folgt beschreiben: Ohne das Wissen über eine Hexensekte und deren schändliches Treiben würde es nicht zur Dringlichkeit weiteren Nachforschens anderer Mitglieder kommen. Ohne Folter wäre die Besagung von Komplizen höchst unwahrscheinlich und ohne diesen könnte es zu keinen Kettenprozessen kommen.
Der Hexenglaube jener Zeit diente als Erklärungsmuster der sozialen Realität des krisenanfälligen Europas. Über die Vernetzung der gelehrten mit der volkstümlichen Auffassung von `Hexerei` entwickelte sich jene diaboliche Variante des Hexenglaubens, welche sich innerhalb ihrer Kommunikationskanäle vergegenwärtigte und stabilisierte. Gerichtsprozesse, Folterungen, Denunziationen und Hinrichtungen waren dabei Handlungsakte, die nicht nur das Hexereidelikt vermittelten und bestätigten, sondern zugleich die Wahrnehmung der Wirklichkeit mitgestalteten. In ihren fortwährenden Verlauf generierten die Personifizierung und Bestrafung des “Bösen” in der Alltagsrealität eine neue Weltanschauung. Die Effizienz und Kontinuität dieses Hexenglaubens muss auch im psychischen Nutzen der individuellen sowie kollektiven Entlastungsfunktion von Projektion, Stigmatisierung und Ausgrenzung gesehen werden.
Ist der relative „Erfolg“ der europäischen Hexenverfolgung des späten 16. und frühen 17. Jh. als ausschließliches Resultat einer strategischen „Ausrottungspolitik“ von Andersgläubigen und sozialen Randgruppen zu bewerten, oder verweist er infolge einer breit angelegten Analyse vielmehr auf tief greifende Transformationen im damaligen Gesellschaftssystem? Das vorrangige Ziel dieser Arbeit ist zu klären, ob der Analysegegenstand als zufälliges Produkt von mehreren nebeneinander ablaufenden gesellschaftlichen Entwicklungsprozessen zu verstehen ist. Fragen, welche die Rolle des Volksglaubens, der Hexereivorstellung sowie die Erodierung der althergebrachten Herrschaftsordnung betreffen, erscheinen somit unumgänglich, um den Analysegegenstand in seinem gesellschaftshistorischen Kontext zu interpretieren. Im Anhang der Arbeit werden Bilder zur Illustration des zeitgenössischen Verständnisses über die Hexerei verwendet.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Hexenverfolgung und Hexenprozesse protostaatliche Justiz frühmoderne Gesellschaft
Autor*innen
Kristina Martina Gahberger
Haupttitel (Deutsch)
Hexenverfolgung als Resultat einer protostaatlichen Justiz
Hauptuntertitel (Deutsch)
eine Studie zur frühmodernen Gesellschaft in Europa
Publikationsjahr
2009
Umfangsangabe
139 S. : Ill.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Johann Wimmer
AC Nummer
AC07682195
Utheses ID
4286
Studienkennzahl
UA | 300 | | |
