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Differenzielle Einschließung in der Migrationsgesellschaft – sozial umkämpft
eine ethnographische Untersuchung ausgehend von Erfahrungsrepräsentationen junger Frauen und Männer in Marseille, Quartiers Nord
Bettina Prokop
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Dr.-Studium der Philosophie Kultur- und Sozialanthropologie
Betreuer*in
Sabine Strasser
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-20914.00097.284953-2
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Wenn von Frankreichs „urbanen sensiblen Zonen“ die Rede ist, sind Bilder und Diskurse über brennende Autos und Gewalt, gescheiterte Integration und soziale Exklusion oft allzu vertraut. In den Interviewbegegnungen im Rahmen der ethnographischen Forschung der Dissertation setzen BewohnerInnen der Quartiers Nord in Marseille jedoch einen anderen Schwerpunkt: den der Einschließung. Dabei handelt es sich jedoch nicht um vollständige Einschlüsse – als citoyen-ne-s à part entière – sondern um solche, die auf geschlechtsspezifischen Zuschreibungen der „Andersheit“ in Form des „postkolonialen Migrationshintergrundes“ beruhen. Sie sind mit der Eingliederung in bestimmte Berufsschulen und prekäre Arbeitsverhältnisse unter Bedingungen der Dequalifizierung oder mit der Zuweisung spezifischer Arbeitsaufgaben verbunden. Die Dissertation basiert auf Zugängen der feministischen Sozialanthropologie, die mit Ansätzen im Feld der kritischen Migrationsforschung, der postkolonialen Kritik und der Prekarisierungsforschung zu einem theoretischen Bezugsrahmen zusammenführt werden. Ihr liegt das Anliegen zugrunde, einen Reflexionsraum dafür zu schaffen, mit welchen hegemonialen Diskursen und Politiken auf supranationaler (EU), nationaler (Frankreich) und Stadtebene (Marseille, Quartiers Nord) Formen der differenziellen Einschließung verbunden sind, und wie sie aber auch infrage gestellt werden. Das Fundament dieses Reflexionsraums umfassen die Erfahrungsrepräsentationen junger Erwachsener und die Beschäftigung mit (historischen) Formen der Solidarisierung und sozialen Mobilisierung, die im Rahmen der ethnographischen Forschung zum Thema gemacht wurden. Dabei handelt es sich sowohl um organisierte soziale (Arbeits-)Kämpfe, als auch um solche, die weniger entlang der Normen und Regeln institutioneller Repräsentationsstrukturen verlaufen. Aus der Perspektive der differenziellen Einschließung rückt einerseits die sozial wirksam gemachte Unterordnung und Hierarchisierung der Zu-Anderen-Gemachten ins Blickfeld: Junge Erwachsene der Quartiers Nord und ProtagonistInnen sozialer Kämpfe machen jeweils spezifische Bedingungen der Integration in den gesellschaftlich-ökonomischen Produktionszusammenhang deutlich – vom Status der „Illegalität“ über abgestufte Aufenthalts- und Arbeitsrechte, bis zu Zuschreibungen des Grades an „Integriert-Seins“ oder der Geeignetheit für bestimmte Berufe. Andererseits verweisen individuelle Erfahrungsrepräsentationen und kollektive Formen der sozialen Mobilisierung aber auch auf den Gesamtzusammenhang, dass die verschiedenen Formen der differenziellen Einschließung zur beständigen Erneuerung der rassistisch geschlechtsspezifischen Segmentierung von Arbeitsmärkten beitragen, sowohl durch fordistisches oder postfordistisches Arbeits- und Migrationsregime geprägt, als auch durch das koloniale Erbe und seinen Fortbestand. Trotz der Konfrontation mit hegemonialen Strategien zur Verhinderung oder Delegitimierung ihrer Proteste bzw. Forderungen, sind postkoloniale MigrantInnen und ihre Nachkommen in Frankreich zu TrägerInnen der Erneuerung der sozialen (Arbeits-)Kämpfe geworden und haben zur Erweiterung von (Arbeits-)Rechten und sozialen Errungenschaften beigetragen. Sie führen der breiten Öffentlichkeit kontinuierlich vor Augen, was die hegemoniale Konsensproduktion tendenziell ausgrenzt: Die Notwendigkeit politischer Maßnahmen, die Hierarchisierung, Segmentierung und abgestufter Entrechtung entgegenwirken, sowie Umverteilung in Richtung soziale Gerechtigkeit und gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe fördern.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Feministische Sozialanthropologie Ethnographie Marseille differenzielle Einschließung Migrationsgesellschaft Prekarisierung
Autor*innen
Bettina Prokop
Haupttitel (Deutsch)
Differenzielle Einschließung in der Migrationsgesellschaft – sozial umkämpft
Hauptuntertitel (Deutsch)
eine ethnographische Untersuchung ausgehend von Erfahrungsrepräsentationen junger Frauen und Männer in Marseille, Quartiers Nord
Publikationsjahr
2017
Umfangsangabe
396 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Sabine Strasser ,
Patricia Zuckerhut
Klassifikation
73 Ethnologie > 73.06 Ethnographie
AC Nummer
AC14488984
Utheses ID
42870
Studienkennzahl
UA | 092 | 307 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1