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Versehrtes Erkennen - zur Refokalisierung von Theorie im Exil bei Walter Benjamin und Siegfried Kracauer
Matthias Schmidt
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Dr.-Studium der Philosophie (Dissertationsgebiet: Deutsche Philologie)
Betreuer*in
Wolfgang Müller-Funk
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-22753.16385.689959-2
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Unter dem Titel VERSEHRTES ERKENNEN untersucht die vorliegende Studie, wie Walter Benjamin und Siegfried Kracauer ihre Exilerfahrungen zur Re-Organisation des eigenen theoretischen Schreibens nutzbar machten. Anhand zweier paradigmatischer Texte (Benjamins Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit [1935–1940] und Siegfried Kracauers History. The Last Things Before the Last [1966]) wird gezeigt, dass Theorie nach dem reflektierten Exil grundlegend anders verfasst werden musste: Weder die Voraussetzung eines souveränen Autorensubjekts, noch diejenige einer neutralen Beschreibungssprache oder -systematik konnten aufrechterhalten werden, sodass es um die Entwicklung einer differenzsensiblen Schreibweise ging, die keine der als zerstörerisch erfahrenen strukturellen Herrschaftsmechanismen mehr in sich fortsetzte. Das Ergebnis waren Texte, deren Verfahrensweisen so radikal waren, dass diese als reflektierte Strategien über Jahrzehnte hinweg unverständlich bleiben mussten – und, sofern sie nicht als vermeintlich unfertige Vorläufer poststrukturalistischer Theoreme begriffen wurden – unter biografistischen Deutungsmustern verdeckt blieben. Beiden interpretativen Fehlschlüssen wird vorgegriffen, indem die spezifische Fokalisierung – also die eigene Wissensperspektive und fortlaufende Selbstproblematisierung – der Texte als konsequente Weiterentwicklung früherer Theoreme der Autoren rekonstruiert, nah an den Texten expliziert und abschließend mit parallel ausgerichteten, dekonstruktiven Denkfiguren von Jacques Derrida und Bettine Menke kontrastiert wird. Auf diese Weise lässt sich das komplexe Fehlen eines Subjekts in Benjamins Text wie auch Kracauers Versuch, das Wissen eines Textes an eine rhetorisierte Autorfiguration zu binden, von biografischen Lesarten freihalten und als eigenständige Denkfiguren einer sich im Exil überschlagenden »Modernität« verstehen. Neben diesen – eine Forschungslücke schließenden – Lesarten belegt die Studie, dass auch die Exilerfahrungen zur Mitte des 20. Jahrhunderts mittels behutsam verallgemeinerter Denkfiguren theoretisiert wurden. Indem diese Theoreme in ihrer auf Differenz fokussierten Komplexität herausgearbeitet werden, geben sie zugleich ein Muster an die Hand, wie ein neuartiger methodologischer Dialog zwischen Exilforschung und postkolonialen bzw. anderen Differenztheorien geführt werden kann.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Walter Benjamin Siegfried Kracauer Exil Theorie des Exils Kunstwerk Geschichte
Autor*innen
Matthias Schmidt
Haupttitel (Deutsch)
Versehrtes Erkennen - zur Refokalisierung von Theorie im Exil bei Walter Benjamin und Siegfried Kracauer
Publikationsjahr
2017
Umfangsangabe
371 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Wolfgang Müller-Funk ,
Mauro Ponzi
Klassifikationen
08 Philosophie > 08.34 Sprachphilosophie ,
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.73 Literaturtheorie: Allgemeines
AC Nummer
AC14485960
Utheses ID
43538
Studienkennzahl
UA | 792 | 332 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1