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Die Erzählung des Gastes
Gottesrede am Ausgang von Europa. Eine theologische Auseinandersetzung mit dem philosophischen Entwurf einer ‚Sprache des Gastes‘ von Hans-Dieter Bahr
Rudolf Kaisler
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Katholisch-Theologische Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Dr.-Studium der Katholischen Theologie Katholische Fachtheologie
Betreuer*in
Kurt Appel
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.49402
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-13706.81906.329660-0
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die Arbeit geht von der These aus, dass die Erzählung der Gastlichkeit im Zeitalter der Spätmoderne zu einem zentralen Narrativ des Christentums werden kann. Diese These wird in vier unterschiedlichen Zugängen ausdifferenziert. Die Auseinandersetzung mit der Xenosophie von Hans-Dieter BAHR bildet den Ausgangspunkt. Anhand seiner philosophischen Spurensuche nach dem Gast in der europäischen Geistesgeschichte wird herausgearbeitet, dass Zu-Gast-Sein keinen durch Gesetze geregelten Zustand zwischen einem Gast und seinem Gastgeber darstellt. Vielmehr versteht BAHR darunter ein meta-ethisches Existential, das auf die prinzipielle Offenheit des Subjekts verweist, welches aus einer Vielzahl der ihm eröffneten Räume lebt (ES geht, bevor Ich gehe). BAHRS Xenosophie möchte zu einer Wende in der neuzeitlichen Metaphysik des Subjektdenkens führen. Die Figur des Gastes zeichnet sich durch eine Seinsweise des Dritten jenseits einer zweiwertigen Logik (tertium datur) aus. Dieses Grundmotiv von BAHRS Xenosophie legt die Arbeit anhand der Motive der Stadt, des Festes und des Heiligen, das in seiner Verletzlichkeit und Unverfügbarkeit mit der Figur des Gastes verbunden ist, aus. Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der Verbindung von Gottesrede und Gastlichkeit in der biblischen Tradition. Ausgehend vom Gottesnamen (JHWH) werden exemplarisch Perikopen untersucht, in denen Gott zugleich als Gast/Gastgeber vorgestellt wird. Im Alten Testament liegt der Schwerpunkt der Interpretation auf Gen18/19 sowie 1 Kön 19, im Neuen Testament auf dem Lukasevangelium und der Offenbarung des Johannes. Ausgehend vom biblischen Befund wird im dritten Teil der Arbeit die Wirkung des christlichen Narratives der Gastlichkeit in der europäischen Kulturgeschichte am Beispiel der Regula Benedicti untersucht. Im Zentrum stehen das Gastkapitel RB 53 und die Figur des hostiarius (des Pförtners) in RB 66. Diese wird als Realsymbol einer christlichen Lebensform (forma vivendi) an der gastlichen Schwelle gedeutet. Die Frage nach dem Verhältnis von Christentum und Europa bildet den Abschluss der Arbeit. Dabei wird Europa zunächst als universaler geistiger Raum bestimmt und die Überwindung des permanenten Kriegszustandes seiner Staaten durch das Friedensprojekt der EU nachgezeichnet. Als Herausforderungen Europas an das Christentum werden die Bereiche Urbanität, Aufklärung und politisches Einigungsprojekt skizziert. Der Beitrag des Christentums zum Projekt Europa bestünde darin, aus dem Wagnis der Nicht-Identität in der Nachfolge Jesu Orte übermäßiger Gastfreundschaft zu öffnen. Konkret bedeutet das, sich an die Schwellen der europäischen Gesellschaft zu begeben und das Leid der marginalisierten Gruppen wahrzunehmen und ihm ein Gedächtnis zu geben.
Abstract
(Englisch)
The thesis’s main assumption is that the narrative of the guest can become a central narrative for Christianity in the age of late modernity. Four different approaches comprise this thesis. The starting point is a discussion of Hans-Dieter BAHR’S philosophy of the guest (xenosophy). Based on his philosophical search for the guest in the European history of ideas, the thesis argues that being a guest does not represent a legal condition between a guest and a host. Rather, BAHR works out that being a guest constitutes a meta-ethical existence. This existence points to an openness of the subject itself, which lives in a multitude of opened spaces (IT goes, before I go). The xenosophy of BAHR tries to instigate to a turn in modern metaphysical thinking of the subject. A third way (tertium datur) beyond a binary logic characterizes the figure of the guest. The motives of the city, the feast and the sacred (the last one is linked with the figure of the guest by its vulnerability and its non-disposability), are interpreted via this central motive of BAHR’S xenosophy. The second part of the thesis examines the connection between the speaking of God and hospitality within the biblical tradition. Starting with God’s name (JHWH), central pericopes display through examples the perception of God as guest/host. The focus lies on Gen 18/19 and 1 Kgs 19 in the Old Testament and the Gospel of Luke and the Revelation to John in the New Testament. Based on the indication of the Bible, the third part of the thesis examines the impact of the Christian narrative of hospitality on the European history of ideas through the example of the Regula Bendicti. The focus lies on the guest chapter 53 and the figure of the hostiarius (the doorman) in chapter 66. This figure constitutes a symbol of Christian life (forma vivendi) at the convivial threshold. The last part of the thesis looks at the relationship between Christianity and Europe. Firstly, Europe is defined as universal mental space that transcends its vague geographical borders. The overcoming of belligerency is further examined through to the peace project of the European Union. Europe poses a challenge to Christianity in the fields of urbanity, enlightenment and the political unification process. The contribution of Christianity to Europe could consist of the opening of spaces of exceeding hospitality out of the risk of non-identity in the discipleship of Jesus. Therefore, Christianity must situate itself in the thresholds of European society to perceive the pain of marginalized groups and to keep them in our collective memory.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Speaking of God Europe Xenosophy Hans-Dieter Bahr JHWH's passing Regula Benedicti tertium datur treshold
Schlagwörter
(Deutsch)
Gottesrede Europa Xenosophie Hans-Dieter Bahr Vorübergang JHWHs Regula Benedicti tertium datur Schwelle
Autor*innen
Rudolf Kaisler
Haupttitel (Deutsch)
Die Erzählung des Gastes
Hauptuntertitel (Deutsch)
Gottesrede am Ausgang von Europa. Eine theologische Auseinandersetzung mit dem philosophischen Entwurf einer ‚Sprache des Gastes‘ von Hans-Dieter Bahr
Publikationsjahr
2017
Umfangsangabe
155 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Kurt Appel ,
Isabella Guanzini
Klassifikation
11 Theologie, Religionswissenschaft > 11.60 Systematische Theologie: Allgemeines
AC Nummer
AC14487872
Utheses ID
43674
Studienkennzahl
UA | 080 | 011 | |
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