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(Deutsche) Sprache und österreichische Identität
linguistische und nicht linguistische Positionen im Vergleich
Isabella Gaida
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Austrian Studies - Cultures, Literatures, Languages
Betreuer*in
Manfred Glauninger
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.50508
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29134.36475.702353-4
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die für die vorliegende Arbeit zentralen Begrifflichkeiten („Sprache“, „Identität“ und „Nation“) sind weder eindeutig definierbar noch unmittelbar „greifbar“. Die damit be-zeichneten Phänomene sind soziale Konstrukte, die jedoch gerade deswegen sehr real die Lebenswirklichkeit der Menschen bestimmen. Ein grundlegender Zusam-menhang zwischen Sprache und Identität wird schon lange diskutiert. Die postmo-derne Sicht brachte hier eine differenziertere Betrachtung, etwa bezogen auf die stetige Wandelbarkeit der entsprechenden Phänomene und die wechselseitige Beeinflussung zwischen sozialem Umfeld und Sprache. Auch die wachsende Berücksichtigung der Pluralität sozialer Gruppen und der damit korrelierenden multiplen Identitäten ist eine Folge der Überwindung holistischer bzw. homogener Konzepte des Strukturalismus. Einer der wohl wesentlichsten Kritikpunkte an einer Verknüpfung zwischen nationaler (österreichischer) Identität und einer bestimmten Varietät der (deutschen) Sprache ist das daraus resultierende Ausgrenzpotenzial. Sobald jemand in der (nur vermeintlich) homogenen Gruppe die identitätsstiftende Sprachvarietät der Mehrheit nicht beherrscht, ist er ausgegrenzt. Da die Menschen, die innerhalb einer Nation leben, als Gruppe von Heterogenität geprägt sind, muss man alle Verallgemeinerungen, die bei Analysen über eine Nation Platz greifen, kritisch betrachten. Schließlich handelt es sich bei den Mitgliedern einer Nation (wie z. B. Österreich) um ein riesiges Kollektiv. Unterschiede können sowohl auf sozialer als auch auf sprachlicher Ebene festgestellt werden, und dennoch wird die österreichische Identität gerade in nicht-öffentlichen Diskursen mit einer, oft laienhaft als „Österreichisch“ konzipierten Sprache in Verbindung gebracht. Dieses „Österreichisch“ entspricht nicht dem linguistischen Konzept einer österreichischen Standardvarietät des Deutschen. Es handelt sich vielmehr um regionale, dialektale oder dialektnahe umgangssprachliche Formen. Die nicht-linguistischen wissenschaftlichen Konzepte der (deutschen) Sprache als Faktor der Konstruktion einer österreichischen Identität sind aus linguistischer Sicht von wiederum unzulässigen Homogenitätsvorstellungen geprägt. Das Nationalbewusstsein der ÖsterreicherInnen hat sich ab dem Ende des Zweiten Weltkriegs bzw. seit Beginn der Zweiten Republik herauskristallisiert. Es ist dabei stetig gewachsen. Es handelt sich dabei um ein Wir-Bewusstsein, das zu einem großen Teil auf der Abgrenzung von Deutschland und vom Nationalsozialismus beruht. Im Zuge dieses nation building hat man sich auf unterschiedliche Weise bewusst auf eine alte, gemeinsame „österreichische“ Tradition berufen. Auch hierbei hat die (deutsche) Sprache eine nicht unwesentliche Rolle gespielt, beachtet man etwa, dass das Schulfach „Deutsch“ einige Jahre „Unterrichtssprache“ hieß, und die Tatsache, dass im Jahr 1951 das Österreichische Wörterbuch begründet wurde. Beim Vergleich der Positionen von LinguistInnen und Nicht-LinguistInnen (hier be-sonders HistorikerInnen und SoziologInnen, aber auch KulturwissenschaftlerInnen) sind sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede hinsichtlich der untersuchten Problematik zu nennen. Linguisten und Linguistinnen sehen die Rolle der Sprache in der Identitätskonstruktion tendenziell als wesentlicher an. Dies ist insbesondere erkennbar, weil bei Historikern, wie z. B. Bruckmüller, auch andere Faktoren gleichermaßen als identitätsstiftend genannt werden: Kultur, Religion, Geschichte / Jubiläumsfeiern usw. Sowohl von linguistischer als auch von nicht-linguistischer Seite wird postuliert, dass es nicht die bundesdeutsche Standardvarietät ist, welche die Österreicher und Österreicherinnen als identitätsrelevant ansehen. Jedoch geht nur die Linguistik dann auch konkret darauf ein, dass es einer Unterscheidung zwischen einem eigenen österreichischen Standarddeutsch und Formen der Umgangssprache oder Dialekte bedarf, und dass es dabei meist eine Form der Umgangssprache ist, die für die Konstruktion einer österreichischen Identität von Relevanz ist. Nur für die Linguistik spielt also das breite Spektrum der Varietäten der deutschen Sprache hierzulande eine Rolle. Gemeinsamkeiten zwischen linguistischen und nicht-linguistischen Positionen betreffen, um nur ein weiteres Beispiel zu nennen, etwa diverse Kritikpunkte bezüglich der Ausgrenzungsthematik. Aber auch die Tatsache, dass im Hinblick auf eine österreichische Identität die offiziell anerkannten Minderheitensprachen kaum Erwähnung finden, ist auf beide untersuchte Positionen zutreffend.
Abstract
(Englisch)
The terms which are central to the present work (“language”, “identity” and “nation”) are neither clearly definable nor “tangible” or concrete in their meaning. These phe-nomena don`t exist by nature. They are social constructs, which determine the reality of human beings. A fundamental connection between language and identity has been discussed for a long time. A postmodern view brought a more differentiated dimension, for example regarding to continual changeability of the phenomena or alternating influence between social environment and language. Also the growing consideration of the plurality of social groups and multiple identities is a result of overcoming holistic and homogenous concepts of structuralism. One of the most important reasons for a critic point of view of a strong link between national (Austrian) identity and a certain variety of (German) language is the resulting exclusion potential. As soon as someone in the (only supposedly) homogeneous group does not speak the identity-creating language, he is excluded. People who live within a nation are characterized by heterogeneity, so it`s important to look critically at all the generalizations that take place when analysing a nation. In fact a nation (such as Austria for example) is always a huge collective. Differences can be identified both at social and linguistic level. Nonetheless the “austrian identity” is associated, particular in non-public discourses, with a certain language, often unprofessional defined as “Austrian". This “Austrian” does not correspond to the linguistic concept of an “austrian standard variety” of the german language. With “Austrian” people mean regional, dialectal or colloquial-speaking forms. The non-linguistic concepts of the (German) language are characterized by impermissible homogeneity from the linguistic point of view. The national consciousness of the Austrians began to emerge with the end of the Second World War and therefore with the beginning of the Second Republic. It has grown steadily. It is a “we”-consciousness of a national Austrian collective, which is large partly based on the demarcation of Germany and the National Socialism. In the course of this “nation building” the Austrians tried to refer to own common “austrian” and old traditions in various ways. Also in this context language played an important role. For example the school subject “German” was called “teaching language” for several years. Furthermore in 1951 the Austrian dictionary was founded. When comparing the positions of linguists and non-linguists (thereunder especially historians and sociologists, but also cultural scientists), there are both similarities as well as differences noticeable. Linguists tend to rate the role of language for the construction of identity more essential. In particular this is recognizable because historians like Bruckmüller mention many other facts beside language as relevant for a (national) collective identity: culture, religion, history / anniversaries, etc. On both sides, linguistically and non-linguistically, it is postulated that it is not the standard German variety, which the Austrians regard as identity-relevant. However, only the linguists then also concretely insist that there is a distinction between a separate “austrian standard” of the german language and forms of colloquial language and dialects – and that the colloquial forms and dialects are the relevant varieties for the construction of an “austrian identity”. So only for linguists the whole broad spectrum of varieties of the german language plays an important role. Just to mention one more example for a common point of view between linguists and non-linguists, I want to refer to the topic of exclusion. But also the fact that the officially recognized minority languages in Austria are rarely mentioned in connection with an “austrian identity” is true in both examined positions.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
language identity nation Austria
Schlagwörter
(Deutsch)
Sprache Identität Nation Österreich
Autor*innen
Isabella Gaida
Haupttitel (Deutsch)
(Deutsche) Sprache und österreichische Identität
Hauptuntertitel (Deutsch)
linguistische und nicht linguistische Positionen im Vergleich
Publikationsjahr
2017
Umfangsangabe
77 Seiten : Illustration
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Manfred Glauninger
Klassifikation
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.25 Soziolinguistik: Sonstiges
AC Nummer
AC15405395
Utheses ID
44646
Studienkennzahl
UA | 066 | 818 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1