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Kognitive Dysphasien als geeignetes Erklärungsmodell für RHD-Kommunikationsstörungen?
forschungskritische Antworten zu einem fragwürdigen Konzept
Helgrit Hofmeister
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Allgemeine Linguistik: Grammatiktheorie und kognitive Sprachwissenschaft
Betreuer*in
Chris Schaner-Wolles
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.53544
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-20226.77411.779254-3
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Maria-Dorothea Heidler, deutsche Sprachtherapeutin und Sprechwissenschafterin, führte in ihrer 2006 publizierten Dissertation die so genannten nichtaphasischen zentralen Sprachstörungen bei unterschiedlichen neurologischen Erkrankungen, u.a. bei Läsionen der rechten Gehirnhälfte (RHD), auf die Beeinträchtigung von Aufmerksamkeit, Gedächtnis und exekutiven Funktionen zurück. Sie prägte zu deren Bezeichnung den Terminus Kognitive Dysphasien und stellte eine selbst entwickelte Diagnostik sowie therapeutische Maßnahmen vor, die allesamt auf die zugrundeliegenden kognitiven Ursachen abzielen. Das Konzept ist unter LogopädInnen im deutschsprachigen Raum mittlerweile weithin bekannt. Dem gegenüber steht die jahrzehntelange Forschung zu den RHD-Kommunikations¬störungen vor allem im angloamerikanischen Raum: Zahlreiche AutorInnen verfolgen unterschied¬liche Ansätze zur Erklärung der Störungen von RHD-PatientInnen im Bereich von Text/Diskurs, Pragmatik, Prosodie und lexikalischer Semantik und haben darauf aufbauend ebenfalls diagnostische und therapeutische Vorschläge erarbeitet. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, Heidlers Konzept der Kognitiven Dysphasien mit den Erkenntnissen aus der RHD-Forschung zu vergleichen und dahingehend zu beurteilen, inwieweit es zur Anwendung auf RHD-PatientInnen geeignet ist. Dabei hat sich herausgestellt, dass in der RHD-Forschung neben der Störung von Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis und exekutiven Funktionen weitere Ursachen angenommen werden, die Heidler nicht berücksichtigt hat: Dies betrifft Störungen der Perzeption und Integration globaler Merkmale, der affektiven Kontrolle, der Theory of Mind sowie der spezifischen Aktivierung und Unterdrückung von Bedeutungen. Heidlers diagnostische und therapeutische Vorschläge beruhen nicht nur auf dieser unvollständigen Grundlage, sondern weisen überdies konzeptionelle Mängel auf und sind vor allem klinisch unzureichend validiert. Von einer Anwendung insbesondere bei RHD-PatientInnen ist deshalb abzuraten. Kritikwürdig sind ferner der Terminus der Kognitiven Dysphasien an sich, die fehlende begriffliche und theoretische Abgrenzung von Sprache und Kommunikation sowie der nachlässige Umgang mit der kommunikativen Symptomatik. Letztere kann bei RHD-PatientInnen relativ unabhängig vom genauen Läsionsort verschieden ausgeprägt sein. In der Forschung der nächsten Jahre wird es vor allem darum gehen, konkrete Zusammenhänge zwischen kommunikativen und kognitiven Störungen zu finden. Dabei wird dem Aufdecken häufig gemeinsam auftretender Kommunikationsstörungen eine Schlüsselrolle zukommen. Die Arbeit kommt insgesamt zu dem Schluss, dass das Konzept der Kognitiven Dysphasien als Erklärungsmodell für RHD-Kommunikationsstörungen nicht geeignet ist. LogopädInnen sollten sich daher im Umgang mit RHD-PatientInnen an der einschlägigen internationalen Forschungsliteratur orientieren.
Abstract
(Englisch)
In 2006, the German speech scientist and therapist, Maria-Dorothea Heidler, published her doctoral dissertation centred around so-called non-aphasic central language disorders in patients with different neurological conditions such as right hemisphere damage (RHD). Heidler traced them back to cognitive dysfunctions in attention, memory and executive functions and coined the term cognitive dysphasia. The concept also comprises diagnostic and therapeutic recommendations based on the underlying causes and it has attracted widespread interest among speech pathologists in German-speaking countries. Standing in contrast to this is a large body of research regarding RHD communication disorders conducted primarily by authors in an Anglo-American context: They consider various explanatory approaches for the patient’s disorders with regard to text/discourse, pragmatics, speech prosody, and lexical semantics and have derived specific implications for diagnostics and therapy. As a consequence, the aim of the present Master’s thesis was to review Heidler’s concept in the light of the relevant RHD literature and to evaluate whether or not it sufficiently applies to patients with right hemisphere damage. The revised literature shows that apart from attentional, executive and working memory dysfunctions there are further possible explanations for communication disorders, which were disregarded by Heidler: these are deficits in the perception and integration of global features, affective control, Theory of Mind, and in the particular activation and suppression of meanings. Apart from the exclusive focus on attention, memory and executive functions, Heidler’s diagnostic and therapeutic procedures suffer from conceptual shortcomings and lack clinical validity. Thus, implementation of these methods for RHD patients in particular is not recommended. Other points of criticism include the term cognitive dysphasia per se, the absence of a clear distinction between language and communication, as well as the rather cursory approach to communicative symptoms. The latter may vary in RHD patients relatively independently of the lesion site. Future studies will have to explore the precise relationships between cognitive and communicative disorders. Frequently co-occuring communicative symptoms will probably play a key role. In conclusion, the concept of cognitive dysphasia is unsuitable as an explanatory model for right hemisphere communication disorders. Therefore it is recommended that speech pathologists consult the relevant international research literature when dealing with RHD patients.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
cognitive dysphasia Heidler RHD right hemisphere communication disorders
Schlagwörter
(Deutsch)
Kognitive Dysphasien Heidler RHD rechte Gehirnhälfte Kommunikationsstörungen
Autor*innen
Helgrit Hofmeister
Haupttitel (Deutsch)
Kognitive Dysphasien als geeignetes Erklärungsmodell für RHD-Kommunikationsstörungen?
Hauptuntertitel (Deutsch)
forschungskritische Antworten zu einem fragwürdigen Konzept
Publikationsjahr
2018
Umfangsangabe
viii, 177 Seiten : Diagramme
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Chris Schaner-Wolles
Klassifikationen
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.34 Psycholinguistik: Sonstiges ,
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.35 Neurolinguistik ,
77 Psychologie > 77.31 Kognition
AC Nummer
AC15186271
Utheses ID
47302
Studienkennzahl
UA | 066 | 867 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1