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Die soziale und ökonomische Integration von moldawischen Migrantinnen im ländlichen Raum
Elke Schiebl-van Veen
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Globalgeschichte und Global Studies
Betreuer*in
Bettina Haidinger
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.54579
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-18497.88812.799261-0
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
In der Republik Moldau hat sich internationale Arbeitsmigration seit der zweiten Hälfte der 1990er Jahre des 20. Jahrhunderts zu entwickeln begonnen. Die internationale Arbeitsmigration umfasst ca. 350 000 MoldawierInnen. Die Zahl an MigrantInnen repräsentiert mehr als ein Viertel aller Erwerbstätigen. Die gestiegene weibliche Erwerbstätigkeit auf dem österreichischen Arbeitsmarkt hat das Reservoir an Hausfrauen, die Haushaltsarbeit unbezahlt verrichteten, stark dezimiert. Dies hat eine verstärkte Nachfrage nach bezahlter Putz- und Sorgearbeit zur Folge. Durch die Existenz eines Marktes für Care-bezogene Dienstleistungen kann die Care-Krise in westlichen Ländern entschärft werden, die Migration aus den östlichen Ländern hat jedoch “Care Drain” zur Folge. Zum theoretischen Fassen von Migrationsproblematik, Erwerbsintegration und sozialer Integration über die Erwerbsarbeit wendete ich die Brinkmann’sche Prekaritätstheorie, die Kapitalformen und das Habitus-Konzept nach Bourdieu, die Theorie der Doppelperspektivität nach Gültekin und den Transnationalitätsansatz an. Ich habe eine Forschungsthese entwickelt, die festlegt, ob bei den Migrantinnen im Empfängerland ein Verbleib in der Zone der Prekarität vorliegt, oder ob sie, je länger sie sich im Empfängerland aufhalten, diese verlassen. Um den Grad der erfolgten Integration über die Erwerbsarbeit analytisch zu beleuchten, ergaben sich zusätzlich zu meiner These drei zusätzliche hypothetische Fragen: Welche Erfahrungen haben moldawische Migrantinnen auf dem Weg zum Fußfassen in ihrer Erwerbskarriere gemacht? Inwiefern gelingt es ihnen ihren Handlungsspielraum durch Selbst-Organisation zu vergrößern? Gewährt eine Partnerschaft einen leichteren Zugang zu einer regulären Beschäftigung am Arbeitsmarkt? Ich testete die Hypothese auf einen Zusammenhang zwischen prekärer Integration und transnationalem Raum. Es konnte ein Zustandekommen eines transnationalen Raumes identifiziert werden. Die Brinkmann’sche Prekaritätstheorie lässt sich somit um den Transnationalitätsbegriff erweitern. Im Rahmen meiner empirisch-exemplarischen Forschungsarbeit führte ich zwischen Mitte Mai bis Anfang September qualitative Leitfadeninterviews mit fünf care-bezogenen, haushaltsnahen Dienstleisterinnen durch, die bisher alle Putz- und Sorgearbeit verrichtet haben. Diese fünf Migrantinnen wurden über ihre Erwerbsbiographien in Moldawien und Österreich und zu ihren Erfahrungen über das Fußfassen in der österreichischen Gesellschaft interviewt. Zuerst wurde nach der elterlichen Migrationsgeschichte und der Berufsbiographie gefragt. Neben der Beschreibung ihrer aktuellen Lebenssituation war es das Ziel meiner Studie, durch die narrativ-biographischen Interviews etwas über den persönlichen Migrationshintergrund, die persönlichen Migrationsgeschichten, ihre Qualifikationen sowie individuelle Erfahrungen, wenn sie in der Empfängergesellschaft Fuß fassen, zu erfahren. Die Erkenntnisse meiner explorativ-exemplarischen Studie können folgendermaßen zusammengefasst werden: Die Nachfrage nach care- und haushaltsbezogenen Dienstleisterinnen wird auf einem geschlechtlich und ethnisch segmentierten „Sonder“arbeitsmarkt befriedigt. Beim Analysieren der prekären Lebenssituationen von Erwerbsbiographien ist eine Unzahl an prekären, Care-bezogenen, haushaltsnahen Beschäftigungen ans Tageslicht gefördert worden: Raumpflegerin, Reinigungspersonal in einem gewinnorientierten Unternehmen, sowohl unbezahlte als auch bezahlte Hausarbeit im Privathaushalt (als Zuverdienst), eine mobile Altenpflegerin, eine professionelle Köchin, eine Nanny bzw. eine Erzieherin. Für all diese Beschäftigungen lenkte ich den Blick auf die Dimensionen von Prekarität nach Brinkmann. Die Informationen in den Interviews mit den Migrantinnen dienten mir dazu, um mehr über die soziale Integration in die mehrheitsösterreichische Gesellschaft trotz ihres prekären Migrantenstatus‘ zu erfahren und den Grad ihrer Integration über Erwerbstätigkeit zu bestimmen. In diesem Zusammenhang liegen nun Ergebnisse darüber vor, dass die Migrantinnen in ihrem Migrationsprozess von individuellen Netzwerken und bei ihrer Erwerbsintegration von größeren Interessensgruppen Unterstützung bekommen. Trotz den ständig verfolgten Anstrengungen sich in der mehrheitsösterreichischen Gesellschaft zu integrieren wirken Faktoren wie mangelnde Sprachbeherrschung der deutschen Sprache integrationshemmend. Soziales Kapital in Form einer rumänischstämmigen Community oder der Muttersprache erwies sich auch als integrationshemmend. Weitere Ergebnisse, die in den Erwerbsbiographien mittels Doppelperspektivität erschlossen werden konnten, waren die Bestimmung des Ausmaßes an wahrgenommener Prekarität und dass diese mit einem hohen Subjektivitätsgrad verbunden ist. Weiters fand ich heraus, dass kulturelles bzw. soziales Kapital in Form von Netzwerken auch hilfreich ist, die Zone der Prekarität zu verlassen. Durch Doppelperspektivität von biographischen Schilderungen der Migrantinnen kam ich zu einem weiteren Ergebnis, dass nämlich der soziale Kontakt zu MehrheitsösterreicherInnen die soziale Integration der Migrantinnen beschleunigt bzw. fördert und der subjektiven Prekaritätswahrnehmung entgegenwirkt.
Abstract
(Englisch)
My master’s thesis is a contribution to the research field of transnational female migration and precarious labour. My utmost research interest has been to determine the degree of their gradual integration into the Austrian society through work and in particular, how female Moldovan transmigrant carers and cleaners personally perceive and work on their access to the work sector of paid household services which are particularly distributed to them. In the Republic of Moldova out-migration has been developing since the second half of the 90s of the 20th century. The international labour migration is the most massive form of migration of the Moldovan population, creating problems, such as the lack of specialized workers in Moldova. According to last year’s Moldovan Report the number of migrants is about 350 thousand people, representing more than 25% of the economically active population. The elderly people and children are the only groups of the Moldovan population not partaking in out-migration. The existence of a rising market for care-related household labour reduces the shortage of carers and cleaners in receiving countries like Austria, whereas the effect of migration (especially of females) is “Care Drain” for the Republic of Moldova. Increased female participation on the labour markets of the globalized North has sharply had the demand of paid cleaning women and female carers as a consequence. Thus, migrants carry out de-valued cleaning jobs and care-related housework. The interpretative frame of reference I have been applying in my thesis in order to give an analytical explanation for this complex research field of migration, precarious labour, and transnationalism are the theories of intersectionality, the social construction and deconstruction of ethnicity, the “habitus” concept according to Bourdieu and Brinkmann’s theory of dimensions of precarity. The theory of deconstruction has had to be applied to carers and cleaners to whom ethnicity and everything that comes with it (cleanliness, friendliness, and emotionality) are ascribed. Transnational Moldovan migrant women keep contact to their sending countries (social contacts, remittances, phone calls, skype, whatsapp, sms, social media, yearly visits,….). In order to extend Brinkmann’s theory of precarity by the factor “transnationalism” I tried to determine the degree of the precarious state and a precarious identity of the migrants. I collected reliable data for my empirical-exemplary research. Therefore I carried out in-depth interviews between June and September 2018 among Moldovans who migrated to nearby rural areas of Lower Austria on a legal basis. I researched employment precarity referring to income precarity and extensive working hours. Precarity involves uncertainty, the fear of losing their jobs, when they lack alternative employment opportunities in the labour market and when they experience diminished opportunities to obtain particular skills. The interviewees of my empirical–exemplary study were five Moldovan female care workers who migrated to Austria for good. The migrants often lack alternative employment opportunities in the labour market. Here the word 'precarity' describes the area of work which has no fixed rules regarding labour relations and the duration of the working day. Employment precarity refers to a low salary and unsafe working conditions. The collected data has been scrutinized according to the qualitative content analysis by Mayring. The results of this master thesis are the following: The main reasons why the female carers and cleaners of my sample migrated were economic reasons and a personal plight of intense poverty; through migration the migrants took the chance to get out of the extreme poverty in Moldova. Nevertheless they still encounter themselves in the zone of precarity in Austria which can be overcome best the more self-empowerment and self-organisation the migrant women show. Further findings are that de-valued cleaning - and household jobs are ascribed to migrant women with an ethnic background who are inherently emotional, dutiful and tidy. Further results of my biographic-narrative interviews have been that each interviewee has worked a private households so far. Various forms of precarious jobs have been analysed: a housekeeper, a nanny, a mobile carer, a cleaner in a private household – unpaid in one own household or as an additional income, a child minder, an educator, a professional cook and a doctor. Undoubtedly, precarity depends much on the degree of its perception which is subjectively experienced more strongly by the migrants, if the women lack social networks of groups, such as friends, relatives or expatriates on the one hand. On the other hand, as for Brinkmann’s social-communicative dimension it could be proven that social capital in the form of ethnic communities may contribute to the migrants’ continuum on the gender-sensitive and ethnically segmented labour market. Social capital in form of their proficiency in their mother tongue they may also be obstructive to social integration. To sum up, referring to Bourdieu’s capital theory social capital can function as both: on the one hand as a boost for social integration. In form of an ethnic Romanian community it impedes the migrants’ social integration. As for the social-communicative dimension of precarity, migrants aim at obtaining formal, regular work, also in terms of contributary retirement years. The interviewees intend to stay in Austria – if more or less integrated, future will show.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Moldova migrants gender-sensitive and ethnically segmented labour market precarious labour care-related and cleaning work social integration social capital cultural capital
Schlagwörter
(Deutsch)
Moldawien Migrantinnen Arbeitsmigration soziale Integration geschlechtlich und ethnisch segmentierter Arbeitsmarkt soziales Kapital kulturelles Kapital care-bezogene, haushaltsnahe Dienstleistungen prekäre Arbeit
Autor*innen
Elke Schiebl-van Veen
Haupttitel (Deutsch)
Die soziale und ökonomische Integration von moldawischen Migrantinnen im ländlichen Raum
Paralleltitel (Englisch)
The social and economic integration of Moldovan migrants in a rural area
Publikationsjahr
2018
Umfangsangabe
151 Seiten : Illustrationen, Diagramme
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Bettina Haidinger
Klassifikation
02 Wissenschaft und Kultur allgemein > 02.10 Wissenschaft und Gesellschaft
AC Nummer
AC15190768
Utheses ID
48235
Studienkennzahl
UA | 066 | 805 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1