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"Ein voller Bauch …"
die Lebensmittelversorgung Wiens, vor allem aber der Wiener Kinder und Jugendlichen in den Jahren 1945 - 1953
Carina Grausenburger
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Birgit Bolognese- Leuchtenmüller
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.5585
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30319.52220.362454-6
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Wien war, was seine Versorgung mit Lebensmittel betraf, nie autark. Die traditionellen Versorgungsgebiete waren einerseits im Umland, andererseits in den Gebieten der ehemaligen Donaumonarchie zu finden. Die Stadtfläche Wiens wurde mit dem Anschluss 1938 stark erweitert und sollte erst in den 1950er-Jahren teilweise reduziert werden. Dieser Umstand führte in Ernährungsfragen während den ersten Nachkriegsjahren zu problematischen Situationen für die Bevölkerung der umstrittenen Stadtgebiete. Die Ansichten der Lehre der späten 1940er-Jahre und der aktuellen Lehre, was man unter gesunder Ernährung zu verstehen hat, divergieren zum Teil sehr stark. Hier handelt es sich nicht nur um eine unterschiedliche Annahme bei Kaloriensätzen, auch die Zusammensetzung der Mahlzeiten wird verschieden bewertet. So gab man etwa Fett eine höhere Priorität, als man dies heute tut. Der Aspekt der Vitamine war noch relativ neu und wurde somit in seiner Komplexität zum Teil noch unterschätzt. Hunger ist ein konstanter Begleiter in der Geschichte der Menschheit. Immer wieder kam es aufgrund verschiedener Umstände zu Hungersnöten. Für Europa und vor allem für Österreich war die Zeit von Beginn des Ersten Weltkriegs bis zu den frühen 1950er-Jahren eine Zeit, die vom Hunger geprägt wurde, der das Handeln bestimmte und die Politik beeinflusste. In Wien war die Situation unmittelbar nach der Befreiung von Bezirk zu Bezirk sehr unterschiedlich. Engagierte Bürger hatten die Beschaffung, Rationierung und Verteilung in ihre Zuständigkeit gebracht und waren nur sehr spärlich dazu bereit, die gewonnenen Kompetenzen an das Bundesministerium für Volksernährung abzugeben. Das Bundesministerium für Volksernährung teilte sich seine Aufgaben mit anderen Ministerien, vor allem dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft. Während das Ministerium für Volksernährung die Mehrheit der Kompetenzen hatte, wenn es um die Verteilung der Güter ging, hatte das Ministerium für Land- und Forstwirtschaft Privilegien bei Lebensmitteln, die aus der österreichischen Landwirtschaft bezogen wurden. Für Wien vereinbarten die Alliierten einen „Lebensmittelpool“, der die Versorgung der Stadt erleichtern sollte. Aufgrund verschiedener Umstände, wie zum Beispiel der Politik der Sowjets und der Amerikaner, kam es immer wieder zu Schwierigkeiten bei der Versorgung der Bevölkerung. Dieser Umstand stellte eine große Herausforderung für Familien da. Gerade für Alte, Kranke und Kinder war das Ausbleiben von Lieferungen eine Katastrophe. Wien profitierte in den Jahren nach dem Krieg von mehreren Hilfsprogrammen: Während die UNRRA und in der Folge die Kongresshilfe dazu gedacht waren, die Hungersnot zu lindern, war es Ziel des „European Recovery Program“, den Aufbau zu fördern und so die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Trotzdem verbesserte gerade das Anlaufen des Marshallplans die Ernährungssituation in Wien entscheidend. Um das Überleben der Kinder zu sichern, gab es bereits wenige Monate nach Kriegsende erste Hilfsprojekte. Die Schulausspeisung startete im September 1945. Zuerst wurde sie von den Alliierten versorgt, dann von privaten Organisationen genauso wie von der UNICEF. Für sehr unterernährte Kinder gab es die Möglichkeit eines Erholungsaufenthalts. Es gab aber auch andere Hilfe, die den Kindern den Alltag in Wien erleichtern sollte. Liebesgaben, von verschiedenen Organisationen initiiert, waren dazu konzipiert, die tägliche Kalorienzufuhr zu erhöhen. Mit 1949 wurde das Bundesministerium für Volksernährung aufgelöst. Seine Aufgaben teilte man mehreren Ministerien zu. Die Lebensmittelzufuhr verbesserte sich in den folgenden Jahren weiterhin. Eine Preispolitik war trotzdem unumgänglich. Fleisch war lange Zeit das Sorgenkind der Ernährungspolitik. Ab 1952, nach einer kurzen Krise, entspannte sich die Situation aber auch hier. Im Juni 1953 erschien der letzte Lebensmittelaufruf für Wien. Mit ihm endete das System der Bewirtschaftung. Von einem Einsetzen der Fresswelle kann trotzdem nicht gesprochen werden. Das Auskommen mit den extrem niedrigen Rationen war nur aufgrund von zusätzlichen Kalorien möglich. Hamstern und der Schwarzmarkt gehörten in dieser Zeit schon fast zum guten Ton.
Abstract
(Englisch)
Vienna never had access to an adequate food supply and had to rely on outside sources to feed its population. The traditional supply territories were Vienna’s hinterlands on the one hand, and on the other the member territories of the former Danube Monarchy . The 1938 Anschluss dramatically expanded the area of the city; this area was only partly reduced in the 1950s. The Soviet Union accepted “Great Vienna”, while the Allies only acknowledged the pre-1938 borders of the city. This divergence of interpretation led to problems in the disputed areas. When the city government made place of residence a requirement for the distribution of additional ration tickets, workers who lived in the outlying areas but who worked in the city core would not receive these tickets. Lower Austria received no assistance at all, because it, in theory, was considered self-sufficient. The idea of what constitutes good nutrition has changed greatly from 1940s to today. The differences between then and now go deeper than the ideal number of calories a human should consume per day; they also extend to the proper composition of each meal. For example, fat used to be considered an essential part of a balanced diet; today nutritionists tell us to avoid many fats. In the 1940s the concept of vitamins was relatively new and had yet to be explored in any great depth. Hunger has been a constant companion throughout the history of humanity. Famines have arisen due to various factors. For Europe and especially for Austria, the period between the beginning of Word War One and the mid-fifties was a time marked by extreme hunger. Hunger controlled people’s behaviour and affected politics. The situation in Vienna right after the end of World War Two varied from district to district. Dedicated citizens had taken over procuring, rationing and distribution of provisions. They were reluctant to pass on their newly won power to the reestablished Ministry of Food. The Ministry of Food shared its mission with other ministries especially the Ministry of Agriculture and Forestry. While the Ministry of Food had a controlling interest in the distribution of goods, the Ministry of Agriculture and Forestry had certain privileges, when it came to products from the farming industry. For Vienna the Allies introduced the concept of “Food-pooling”, which was supposed to simplify food distribution in the city. Due to various circumstances, for example American policies concerning the Soviet Union and vice versa, distribution became even more difficult. This development turned into a real problem for families. The old, the sick, and children especially couldn’t cope with missing shipments on a regular basis. Vienna benefited from many aid programs in the years after the war. While UNRRA aid and the Foreign Relief Program were supposed to ease the famine, the goal for the European Recovery Program was to help reconstruction and to stimulate the economy. The impact of the “Marshall- Plan” on the situation of nutrition in Vienna was particularly enormous. To ensure the survival of the children, aid programs were founded in the first months following war. The Vienna School Feeding program started in September 1945. At first the Allies provided the necessary goods. Soon after that private organisations along with the UNICEF were contributing their share to feed the children. Extremely undernourished children were sent out of the city for periods of time where they could benefit from better conditions. Help was also specifically targeted directly at Vienna. Food baskets handed out through different organisations were designed to provide the necessary calories for a healthy diet. In 1949 the Ministry of Food was dissolved. Its mission was divided between several ministries. The food shipment situation improved in the following years. A very strict price policy was inevitable. For a long time, supplying sufficient meat for the populace was a weak point. In 1952, after a short crisis, the situation there also relaxed. In June 1953, the last food call for Vienna was published. With it the system of rationing ended. However the situation, remained far from ideal. Subsistence on low rations was only possible with added calories from other sources. Hoarding and the black market were practically a matter of course. In the 1950s Austria finally managed to make the step into a recovered future, in the matter of food supplies. This development came about through reliance on others and was only possible through international aid.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
recovery food supply Vienna children and youths
Schlagwörter
(Deutsch)
Wiederaufbau Ernährung Kinder und Jugenliche Wien
Autor*innen
Carina Grausenburger
Haupttitel (Englisch)
"Ein voller Bauch …"
Hauptuntertitel (Englisch)
die Lebensmittelversorgung Wiens, vor allem aber der Wiener Kinder und Jugendlichen in den Jahren 1945 - 1953
Publikationsjahr
2009
Umfangsangabe
119 S. : Ill., graph. Darst., Kt.
Sprache
Englisch
Beurteiler*in
Birgit Bolognese- Leuchtenmüller
Klassifikationen
15 Geschichte > 15.08 Sozialgeschichte ,
15 Geschichte > 15.24 Zweiter Weltkrieg ,
15 Geschichte > 15.60 Schweiz, Österreich-Ungarn, Österreich
AC Nummer
AC07689446
Utheses ID
5009
Studienkennzahl
UA | 312 | | |
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