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Zwischen Vielvölkerreich und Nationalstaat
das galizische Judentum zwischen 1880 und 1920
Dorothea Rosina Emma Faes
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Christoph Augustynowicz
DOI
10.25365/thesis.5668
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30220.39837.363862-9
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Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Arbeit mit dem Titel „Zwischen Vielvölkerreich und Nationalstaat. Das galizische Judentum zwischen 1880 und 1920“ beschäftigt sich mit der Analyse von Lebenserinnerungen von Jüdinnen und Juden, die in Galizien geboren wurden. Anhand der autobiographischen Texte von sieben verschiedenen Autoren werden die territorialen, politischen und sozialen Umbrüche seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende der Habsburgermonarchie und der polnischen Nationalstaatsgründung aus der Sicht der jüdischen Bevölkerung Galiziens dargelegt.
Erinnerung und Gedächtnis sind wichtige Aspekte dieser Arbeit: Zum einen kommt gerade in der jüdischen Tradition und in der Überlieferung der Geschichte des jüdischen Volkes Erinnern und Vergessen eine bedeutende Rolle zu. Zum andern ermöglichen es Lebenserinnerungen, die Vergangenheit aus der Sicht eines Individuums zu betrachten und sich dessen Erfahrungen und Lebenswelten anzunähern. Da Menschen in Beziehungen zu andern leben, verschafft eine Analyse der Lebenswelten Einblicke in das soziale Netz von gesellschaftlichen Verbindungen, Wahrnehmungen und Erlebnissen. In diesem Zusammenhang erschließt die Analyse der Autobiographien von Juden aus Galizien einen wertvollen Einblick in eine ostjüdische Lebenswelt, die heute nach ihrer Vernichtung nicht mehr existiert. Daher wird die historische Entwicklung der jüdischen Bevölkerung Osteuropas und im Besondern Galiziens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zur Nationalstaatswerdung Polens im 20. Jahrhundert dargestellt.
Die wirtschaftliche und soziale Krise des osteuropäischen Judentums sowie der wachsende Nationalismus und Antisemitismus im 19. Jahrhundert trugen dazu bei, dass sich die osteuropäischen Juden auf der Suche nach Auswegen in verschiedene Richtungen wandten. Neben der Assimilation und Akkulturation nahmen die neuen Ideologien des Sozialismus, Zionismus und jüdischen Nationalismus einen immer breiteren Raum ein. Ein überwiegender Teil des Ostjudentums fristete sein Leben in bitterer Armut, als so genannte Luftmenschen, aus der vor allem die Emigration in Richtung Westen der einzige Ausweg zu sein schien. Der Erste Weltkrieg brachte schließlich das habsburgische Vielvölkerreich zum Untergang und verhalf dem Konzept des Nationalstaates zum Aufschwung. Durch Flucht und Vertreibung während des Krieges sowie antisemitische Ausschreitungen direkt nach dem Zusammenbruch der Monarchie wurden das einst so multinationale Galizien und der Kaiser als Instanz für den Schutz und die Emanzipation der jüdischen Bevölkerung in den Erinnerungen mythisiert.
Abstract
(Englisch)
The present thesis, entitled “The Galician Jewry between the multi-ethnic Habsburg Empire and the Polish nation state (1880-1920)”, analyses autobiographic writings by Galicia-born Jews. By analysing autobiographies from seven authors, this thesis seeks to demonstrate territorial, political and social changes. The period of research extends from the mid-19th century to the end of the Austro-Hungarian Empire and the formation of the Polish nation state respectively.
Main aspects of the thesis deal with remembrance and memory, especially given the very nature of Jewish religious and historic traditions and their context of commemoration and oblivion. Autobiographic writings enable us to view the past from an individual point of view and allow us to approach the author’s lifeworld. Human interaction is highlighted by analysing one’s lifeworld to more clearly understand social networks, occurrences and perceptions. After the Shoah, this means of autobiographic analysis is a constitutive approach to the lifeworld of the Galician Jewry.
The socioeconomic crisis of East European Jewry and the rise of anti-Semitism and nationalism during the 19th century, forced the Jewish populace to look for other possibilities of survival. Compared with assimilation and acculturation, new ideologies like Socialism, Jewish nationalism and/or Zionism became ever more powerful. However, the largest part of East European Jews lived in grinding poverty, thus most of them considered Westward emigration as their only hope for a better future. The aftermath of the First World War saw the disintegration of the multi-ethnic Habsburg monarchy and gave way to new nation states in Eastern Europe. Seeking refuge in flight from both the atrocities of war and anti-Semitic pogroms in the aftermath of 1918, once-multi-ethnic Galicia was mythically transfigured in the published memory of the Jewish populace.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
Galicia Jewry Habsburg Monarchy Poland First World War Interwar Years
Schlagwörter
(Deutsch)
Galizien Judentum Habsburgermonarchie Polen Erster Weltkrieg Zwischenkriegszeit
Autor*innen
Dorothea Rosina Emma Faes
Haupttitel (Deutsch)
Zwischen Vielvölkerreich und Nationalstaat
Hauptuntertitel (Deutsch)
das galizische Judentum zwischen 1880 und 1920
Paralleltitel (Englisch)
The Galician Jewry between the multi-ethnic Habsburg Empire and the Polish nation state (1880-1920)
Publikationsjahr
2009
Umfangsangabe
119 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Christoph Augustynowicz
AC Nummer
AC07732118
Utheses ID
5077
Studienkennzahl
UA | 312 | | |
