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„Die Stimme ist etwas was wir schaffen und wir müssen sie nutzen“
Intersektionale Fluchterfahrungen von syrischen Frauen im Libanon
Hanna Vettori
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Arabische Welt: Sprache u. Gesellschaft
Betreuer*in
Stephan Procházka
DOI
10.25365/thesis.58012
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-26327.09101.878154-5
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Im Sinne der Forced Migration Studies ist die Masterarbeit interdisziplinär gestaltet und verbindet theoretische Ansätze
und empirische Methoden aus der Kultur-und Sozialanthropologie mit soziokulturellem, sprachlichem, historischem sowie politischem Wissen
aus der Orientalistik. Der seit 2011 tobende Bürgerkrieg in Syrien hat eine der größten Fluchtbewegungen in der Migrationsgeschichte der MENA - Region hervorgerufen. Das Nachbarland Libanon hat bis dato offiziell 995.512 Syrer*innen aufgenommen 50 . Inoffizielle Zahlen sprechen sogar von 1,5 Millionen Syrer*innen in einem Land mit rund 4.1 Millionen Einwohner*innen. Aufgrund der Aktualität der syrischen Flüchtlingskrise und politischer Diskurse in Europa zum Thema, finden sich erst rezent wissenschaftliche Forschungsarbeiten, die Flucht- und Migrationsbewegungen in und aus Syrien thematisieren. Was die Kategorie Gender in der Migrationsforschung betrifft, so wurde diese bis in die 1970er Jahren kategorisch ausgeblendet. Erst ab den 1990er Jahren wurden Frauen dank eines Paradigmenwechsel in der Migrationsforschung sichtbar. In Folge dessen entstanden Theorien, die Gender als analytische Kategorie anwenden, um Migrationsprozesse zu untersuchen. Weibliche Flucht ist maßgeblich durch die Kategorie des Geschlechts bestimmt. Laut der UNHCR waren im Jahr 2016 49 Prozent
aller geflüchteten Menschen weltweit Frauen und auch im Libanon stellen Frauen und Mädchen 52,5 Prozent der registrierten geflüchteten Syrer*innen dar. 51 Zu dem möchte ich im Sinne des Konzeptes der Intersektionalität betonen, dass die Kategorie Gender alleine unzureichend ist, um Migrationsphänomene zu untersuchen. In Bezug auf Fluchterfahrungen von Frauen spielen auch weitere Kategorien wie ethnische Zugehörigkeit, Konfession, soziale Schicht, ökonomische Lage,
Alter, politische Gesinnung und sexuelle Orientierung eine maßgebliche Rolle. Aufgrund der obigen Überlegungen behandelt die Masterarbeit folgende Forschungsfragen: Wie erleben syrische geflüchtete Frauen ihre Flucht im Libanon? Welche Rolle spielen geschlechts- bzw. genderspezifische Komponenten bei Fluchtentscheidungen bzw. Fluchterfahrungen im Aufnahmeland und führen diese Erfahrungen zu veränderten Genderrollen? Der erste Teil umfasst eine theoretische Einbettung in die Migrationsforschung, Forced Studies, Gender- und Intersektionalitätstheorien mit einem Fokus auf genderspezifische Gewalt in (syrischen) Fluchtkontexten. Der zweite Teil hingegen beginnt
mit einem Exkurs in die Migrationsgeschichte des Libanons, Lebensbedingungen von syrischen geflüchteten Menschen im Libanon und stellt die Ergebnisse einer Fallstudie zu Fluchterfahrungen syrischer Frauen im Libanon vor. Dabei wurden zwölf narrative Interviews
mit Betroffenen und einer Expertin auf Syrisch-Arabisch im Einzel- und Gruppensetting geführt. Was den Feldzugang betrifft, so wurde dieser durch einen dreimonatigen Forschungsaufenthalt im Libanon in der nördlichen Region Akkar und Freiwilligenarbeit bei einer lokalen NGO
ermöglicht. Die Forschung hat zur gegenstandsbezogenen Theorie geführt, dass syrische geflüchtete Frauen ihre Fluchtprozesse, Fluchtentscheidungen, Lebensbedingungen und Diskriminierungsmaßnahmen gemäß intersektionaler Kategorien erleben und dabei ihr Gender, soziale Klasse und ethnisch-konfessionelle Herkunft eine maßgebliche Rolle spielen. Intersektionale Fluchterfahrungen und Vulnerabilitäten führen zu veränderten Genderrollen.
Abstract
(Englisch)
The master thesis is following the interdisciplinary methodology of Forced Migration studies and is combining theoretical approaches of Cultural and Social Anthropology with socio-cultural,linguistic, historical and political knowledge of Oriental Studies. The Syrian civil war has been
raging for seven years now and led to one of the biggest refugee movements in the migration history of the MENA - region. The neighbouring country Lebanon has sheltered officially 999.512
Syrian refugees. 52 The amount of unregistered Syrian refugees is even higher, and their number is estimated to reach 1.5 million in a country with approximately 4.1 million inhabitants. Because of the actuality of the Syrian refugee crisis and the political discourse around refugees in Europe, there is only recently more academic research on migration and refugee movements in and from Syria. Also the category gender was categorically excluded from Migration Studies until the 1970s. Only thanks to a paradigm change in the 1990s, women are now visible in Migration Studies. Subsequently theories have been developed, which use gender as an analytical category in order to study migration processes. Female escapism is significantly determined by the
category of gender. According to the UNHCR, in 2016, women and girls make up 49 percent of all refugees worldwide, also in Lebanon, women account for 52.5 percent of all registered refugees. 53 At this point, I would like to follow the approach of intersectionality and stress that the category of gender is not sufficient in the study of migration phenomenon. In terms of experiences of female refugees, other categories such as: ethnical belonging; sect; social class; economics;
political conviction and sexual orientation play an important role as well. These classifications lead to the research question: How do Syrian refugee women experience their escape to Lebanon? What role are sex and gender-based aspects playing in deciding whether to escape, or rather refugee experiences in the host country, do these experiences lead to changes in gender roles? The first part includes a theoretical introduction to Migration and Forced Migration Studies, gender and intersectionality theories with an emphasis on gender based violence in Syrian refugee context. The second part begins with a brief digression about the recent Lebanese migration history and then brings into
focus living conditions of Syrian refugees in Lebanon since the outbreak of the Syrian war in 2011. Additionally, it presents after a brief inside in ethics and methodology of the research, the results of a case study about refugee experiences of Syrian women in Lebanon. According to the
methodology of Forced Migration Studies, twelve narratives of one to one interviews or focus group interviews with affected people and one interviews with an expert, were conducted in
Syrian Arabic and English. The access to the field was ensured by a three-month internship within a Lebanese NGO in the North of Lebanon in Akkar. The research has shown, that Syrian refugee women are experiencing their displacement process, escape decision, living conditions and discrimination according to intersectional categories. Thereby their gender, social class and ethnic-confessional origin is playing an influential role. Intersectional refugee experiences are
leading to changed gender roles.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
Intersectionality Gender Escapism Lebanon Syrian refugees
Schlagwörter
(Deutsch)
Intersektionalität Gender Flucht Libanon syrische geflüchtete Menschen
Autor*innen
Hanna Vettori
Haupttitel (Deutsch)
„Die Stimme ist etwas was wir schaffen und wir müssen sie nutzen“
Hauptuntertitel (Deutsch)
Intersektionale Fluchterfahrungen von syrischen Frauen im Libanon
Publikationsjahr
2019
Umfangsangabe
150 Seiten : Diagramme, Karten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Stephan Procházka
Klassifikationen
10 Geisteswissenschaften allgemein > 10.03 Methoden und Techniken der geisteswissenschaftlichen Forschung ,
18 Einzelne Sprachen und Literaturen > 18.74 Arabische Sprache und Literatur
AC Nummer
AC15448123
Utheses ID
51239
Studienkennzahl
UA | 066 | 676 | |
