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Jüdisches Nachrichtenblatt, Ausgabe Wien (1939-1943)
Katharina Schuh
Art der Arbeit
Magisterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Magisterstudium Publizistik-u.Kommunikationswissenschaft
Betreuer*in
Friedrich Hausjell
DOI
10.25365/thesis.58649
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-15563.44159.486378-1
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Magisterarbeit beschäftigt sich mit dem Jüdischen Nachrichtenblatt, Ausgabe Wien (1939-1943). Das Jüdische Nachrichtenblatt wurde infolge des Novemberpogroms 1938 von Propagandaminister Joseph Goebbels als Verlautbarungsorgan für die jüdische Bevölkerung in Auftrag gegeben. Es gab Ausgaben in Berlin, Wien und Prag. In der historischen Kommunikationsforschung fand die Zeitung bislang nur wenig Beachtung und in der überschaubaren Forschungsliteratur herrscht Uneinigkeit über die Kategorisierung des Mediums als „jüdisch“ oder „nationalsozialistisch“. Diese Problematik wurde im Rahmen der Forschungsarbeit aufgegriffen und anhand von Dokumenten aus dem Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) aufgeklärt. Die Kontrolle des Jüdischen Nachrichtenblattes, Ausgabe Wien oblag dem Propagandaministerium bzw. dem Sicherheitsdienst (SD) der SS, die Redaktion hatte kaum eigene Entscheidungskompetenzen. Die Behauptung, es handle sich um eine Zeitung, die in der jüdischen Pressetradition vor 1938 steht, konnte demnach widerlegt werden. Weiters wurden die Biografien der verantwortlichen Redakteure der Ausgabe Wien Emil Reich, Maurycy Moses Grün, Leopold Moses und Wilhlem Heublum rekonstruiert und auf deren persönliche Schicksale hingewiesen. Reich, Grün und Moses kamen alle in Auschwitz um, nur Wilhelm Heublum überlebt den NS-Terror. Um herauszufinden wie das Jüdische Nachrichtenblatt, Ausgabe Wien die Lebensrealität der Wiener jüdischen Bevölkerung widerspiegelte, wurde außerdem eine qualitative Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring durchgeführt. Der Realitätsbegriff wurde hinsichtlich der Aspekte „Kriegssituation“, „humanitäre und materielle Notlage“ und „antisemitische Verfolgung“ definiert. Mittels der Analysetechnik der inhaltlichen Strukturierung konnte festgestellt werden, dass es zu einer äußerst verzerrten Darstellung der Realität kam. Die Kriegssituation wird bloß am Rande der Berichterstattung erwähnt und die antisemitische Verfolgung nur durch die Veröffentlichung von Verordnungen thematisiert. Lediglich die Notlage der jüdischen Bevölkerung wird aufgrund der Spendenaufrufe und Inserate im Anzeigenteil deutlich. Die verzerrte Darstellung ist auf den nationalsozialistischen Charakter des Mediums zurückzuführen, da die Redakteure die Themen und deren Aufbereitung nicht selbst bestimmen konnten. Somit ist die Kategorisierung des Jüdischen Nachrichtenblattes, Ausgabe Wien als nationalsozialistisches Medium auch aufgrund der empirischen Erhebung gerechtfertigt.
Abstract
(Englisch)
This Master’s thesis discusses the history of the newspaper Jüdisches Nachrichtenblatt, Ausgabe Wien (1939-1943). The Jüdisches Nachrichtenblatt was commissioned by the minister of propaganda, Joseph Goebbels, as a result of the “Novemberpogrom” in 1938. Even though there were local editions in Berlin, Vienna and Prague, little attention has been given to this newspaper in the field of historic communication and media studies. Furthermore, researchers disagree on whether it should be categorized as a “Jewish” or “National Socialist” medium. Documents from the archive of the Israelitische Kultusgemeinde Wien were used to shed light on this issue. The research showed that the ministry of propaganda and the “Sicherheitsdienst (SD)” had complete control over the newspaper, which rendered the editorial staff powerless. Therefore, the Jüdisches Nachrichtenblatt, Ausgabe Wien does not belong to the tradition of Jewish newspapers in Vienna prior to 1938, but was part of the National Socialist propaganda. Moreover, the biographies of the editors-in-chief Emil Reich, Maurycy Moses Grün, Leopold Moses and Wilhelm Heublum have been reconstructed to illustrate their shared destinies. Reich, Grün and Moses all died in Auschwitz, only Wilhelm Heublum survived the Nazi terror. In order to find out how the reality of Viennese Jewish life was reflected by the newspaper’s reporting, a qualitative content analysis was conducted in the empirical section of this thesis. The term “reality” was defined by three characteristics: “state of war”, “humanitarian and material crisis” and “anti-Semitic persecution”. The results of the structuring content analysis (acc. to Philipp Mayring) showed a distorted version of Jewish reality in the Ausgabe Wien’s coverage. The state of war was reduced to a side note and the only hints at the persecution of the Jewish people were found in the rules and regulations published by the newspaper. However, the plight of the Jewish community was visible in numerous charity appeals and in the content of the classifieds. This distorted reflection of Jewish life is a result of the National Socialist character of the newspaper, as Jewish Editors were not allowed to decide on the content themselves. Thus, the categorization of the Jüdisches Nachrichtenblatt, Ausgabe Wien as a “National Socialist” newspaper is also supported by the results of the content analysis.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
Jüdisches Nachrichtenblatt, Ausgabe Wien National Socialist Media Qualitative Content Analysis
Schlagwörter
(Deutsch)
Jüdisches Nachrichtenblatt, Ausgabe Wien nationalsozialistische Medien qualitative Inhaltsanalyse
Autor*innen
Katharina Schuh
Haupttitel (Deutsch)
Jüdisches Nachrichtenblatt, Ausgabe Wien (1939-1943)
Publikationsjahr
2019
Umfangsangabe
95 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Friedrich Hausjell
Klassifikationen
05 Kommunikationswissenschaft > 05.01 Geschichte der Kommunikationswissenschaft ,
05 Kommunikationswissenschaft > 05.33 Pressewesen
AC Nummer
AC15675021
Utheses ID
51786
Studienkennzahl
UA | 066 | 841 | |
