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Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett
eine rekonstruktive Analyse geschlechtsexklusiver Erfahrungsräume
Nicole Hieden
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Psychologie
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Psychologie
Betreuer*in
Thomas Slunecko
DOI
10.25365/thesis.58899
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-15558.31320.611073-0
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Arbeit rekonstruiert die handlungsleitenden kollektiven Orientierungen von Frauen in der Schwangerschaft und rund um die Geburt. Von speziellem Interesse war es, eine bildungsspezifische Betrachtung kollektiver Sinnmuster zu ermöglichen.
Insgesamt wurden sechs Gruppendiskussionen geführt und anhand der dokumentarischen Methode der Textinterpretation analysiert.
Im Rahmen der sinngenetischen Typenbildung erweisen sich institutionelle Rahmenbedingungen und die psychosoziale Rahmung der Interaktionserfahrungen in der Schwangerschaft und während Geburtssituation als zentrale Aspekte der entweder positiv und unterstützend oder negativ und belastend erlebten Betreuungssituation.
Drei der sinngenetisch abgrenzbaren Erfahrungstypen lassen sich im Rahmen der institutionellen Organisation verorten. Dazu gehören (1) bürokratische Ablaufroutinen, (2) die Verwendung technischer Apparate und (3) personelle Ressourcenknappheit. Diese erweisen sich als relevante Erfahrungstypen, welche ein positives Erlebnis der Betreuungssituation be- bzw. verhindern. Vier weitere Erfahrungstypen befinden sich im psychosozialen Rahmen der Betreuungssituation. Hierunter fällt (1) die persönliche Begegnung und (2) Ermutigung, welche als einzige positiv bewerteten Erfahrungstypen der Interaktionserfahrung dargestellt werden; diese kommen mehrheitlich im außerklinischen Setting zustande. Die zwei Typen negativ beurteilter Interaktionserfahrungen beziehen sich vorwiegend auf Ereignisse im klinischen Setting. Hierzu gehören (3) unachtsame und (4) restriktive Behandlung durch medizinische Fachpersonen.
Die zentrale Orientierungsfigur bzw. -problematik entfaltet sich im Zusammenhang mit der vorwiegend als anonym und unpersönlich empfundenen Interaktion mit den medizinischen Fachpersonen innerhalb der institutionellen Maschinerie des Systems Krankenhaus. Der Erlebniszusammenhang in der Betreuungssituation weist nur in zwei der insgesamt sieben dargestellten Typen eine positive Charakteristik auf.
Der Bereich der institutionalisierten Geburtshilfe lässt sich auf Basis meiner empirischen Datengrundlage als ein Erfahrungsraum betrachten, welcher Muster struktureller und symbolischer Gewaltphänomene aufweist.
Im Rahmen einer kulturpsychologischen Perspektive ist als weiteres wichtiges Ergebnis die Bedeutung gesundheitspolitischer Weichenstellungen im Bereich institutioneller Geburtshilfe hervorzuheben, vor allem, wenn es um Verbesserungsmöglichkeiten in Bezug auf die wahrgenommene Betreuungsqualität geht.
Hinsichtlich der handlungspraktischen Herangehensweise beim Eintreten einer Schwangerschaft lassen sich mittels soziogenetischer Typenbildung zwei grundlegend verschiedene Orientierungen unterscheiden. Eine davon ist durch vorbereitende Planung und Strategien der Selbstoptimierung strukturiert und findet sich vermehrt bei Frauen mit akademischem Bildungshintergrund. Die andere orientiert sich stark an fachlicher Begleitung und strukturiert die Handlungspraxis entlang ärztlicher Kontrollen.
Als zentraler postnataler Erfahrungszusammenhang ließ sich der Prozess des Stillens oder genereller die kindliche Nahrungsversorgung herausarbeiten. Generell lässt sich formulieren, dass in der Thematik Stillen der weiblich-mütterliche Kampf um Autonomie in der Lebensgestaltung zum Ausdruck kommt.
Abstract
(Englisch)
In the following paper, collective orientations of women regarding pregnancy and birth were reconstructed. Special focus was placed on looking for any patterns of orientations in women with different educational backgrounds. The study consists of six group discussions, analyzed and interpreted according to the documentary method.
By means of the sensegenetic interpretation, three types localized in the institutional framework as well as four types localized within social-psychological framing, were found. The experiences were evaluated as either positive and supportive or negative and burdensome.
The institutional frame conditions are including the experiential types of (1) bureaucratic behavioral routines, (2) the use of technical devices and (3) a lack of personal resources, which limit or prevent the care situation from being experienced positively. Four other experiential types refer to interactive framed experiences with care system staff members, which includes (1) personal encounters and (2) empowerment, as the only positive dimensions of experience. They occur mainly in the non-institutional setting. Two further dimensions of negatively experienced interactions are (3) unmindful and (4) restrictive care treatment.
The core orientational problem unfolds in connection with the impersonally as well as anonymously experienced interaction with hospital staff (which includes physicians, nurses, and other staff members). The experiential situation includes only two of seven positive perceived types. Based on my empirical data, institutionalized obstetrics can be considered as a field of experience that contains patterns of structural as well as symbolical violence.
From a cultural-psychological perspective, another main conclusion can be drawn, which is the tremendous importance of decisions in healthcare policies concerning the area of institutionalized obstetrics, when it comes to the topic of the quality of care experienced.
Using sociogenetic interpretation two different patterns of orientation which inform the everyday practice of women regarding what to do during pregnancy could be reconstructed. One can be characterized by strategic and planning behavior with the goal of self-optimization, which could be mainly observed in groups of women with an academic educational background. The other orientation is characterized by a strong focus on professional guidance, which uses medical monitoring to determine everyday practice.
A further crucial experiential realm was found in the practice of breastfeeding or the newborns’ nutrition in general. This can be considered as a matter in which the mothers’ struggle for autonomy and self-determination becomes manifested.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
documentary method group discussion pregnancy birth postnatal period
Schlagwörter
(Deutsch)
Dokumentarische Methode Gruppendiskussion Schwangerschaft Geburt Wochenbett
Autor*innen
Nicole Hieden
Haupttitel (Deutsch)
Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett
Hauptuntertitel (Deutsch)
eine rekonstruktive Analyse geschlechtsexklusiver Erfahrungsräume
Publikationsjahr
2019
Umfangsangabe
236 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Thomas Slunecko
AC Nummer
AC15500339
Utheses ID
52004
Studienkennzahl
UA | 066 | 840 | |
