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Gering empfundene soziale Unterstützung und Fläschchengeben als Risikofaktoren für Postpartale Depression
Sunitha Kavunga
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Lebenswissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Lehramtsstudium UF Biologie und Umweltkunde UF Englisch
Betreuer*in
Katrin Schäfer
Mitbetreuer*in
Sonja Windhager
DOI
10.25365/thesis.59166
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-10302.04422.919563-1
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Postpartale Depression (PPD) tritt in Österreich bei 14,3% aller neuen Mütter nach der Geburt auf. Mit einer globalen Prävalenz von 17,7% ist sie mittlerweile die zweithäufigste Wochenbetterkrankung und stellt somit ein öffentliches Gesundheitsanliegen dar. In der Gesellschaft steht die medizinische Betrachtungsweise der PPD als „psychische Erkrankung“ im Vordergrund, welche die Tabuisierung und Stigmatisierung von PPD begünstigt. Evolutionär gesehen, könnte das Auftreten von PDD eine Anpassung an sehr schwierige Lebensumstände zum Zeitpunkt der Niederkunft sein. Da die Versorgung eines Säuglings immer mit enormen Kosten verbunden ist, könnte es in Notsituationen für die (Fitness der) Mutter notwendig gewesen sein, die zusätzlichen Ressourcen, die das Neugeborene einfordern muss, zu reduzieren: Weniger mütterliche Feinfühligkeit als Folge der PPD, die mit einer veränderten Mutter-Kind-Beziehung einhergeht, wäre ein Mechanismus dazu. Ungünstige Lebenssituationen können durch biologische, psychische und psychosoziale Faktoren hervorgerufen werden. In dieser Arbeit wird die Hypothese diskutiert, dass Frauen, die einen geringeren sozialen Support, vor allem vom Partner und von der Familie empfinden, eher von PPD betroffen sind als solche, die einen höheren sozialen Support wahrnehmen. Weiters wurde in der Arbeit angenommen, dass Frauen, die auf den Vorgang des Stillens verzichten (müssen) und somit ausschließlich das Fläschchen geben, eher von PPD betroffen sind als Frauen, die in den ersten Monaten der Postpartum-Phase ausschließlich stillen. Durch Stillen induzierte Vorteile für die Mutter-Kind-Bindung, den Körper und die Psyche der Mutter bleiben hier aus und begünstigen somit möglicherweise die Entwicklung einer PPD.
Die Hypothesen wurden anhand einer Literaturrecherche getestet, deren Ergebnisse sich auf die letzten 30 Jahre beschränken. Dabei wurden elektronische Datenbanken, wie u:search, Pubmed, scopus, sciencedirect und Jstor auf wisschenschaftlich evaluierte originale Forschungsartikel (peer-reviewed original research articles) und Übersichtsartikel (peer-reviewed review articles) durchsucht. Zudem wurden im Zeitraum von Mai bis Juni 2019 vier Interviews mit ausgewählten ExpertInnen durchgeführt, deren berufliche Tätigkeitsbereiche PPD umfassen. Hierbei wurden eine Krankenschwester, eine Psychologin, eine Psychotherapeutin und ein Anthropologe zum Thema PPD befragt. Auch wurden Erfahrungen und Erlebnisse der ehemals erkrankten Schriftstellerin Ulrike Schrimpf für die Recherche herangezogen. Die Erfahrungsberichte der Autorin und Antworten der standardisierten Fragen der ExpertInneninterviews wurden mit der ausgewählten Literatur verglichen, hinsichtlich der Hypothesen vergleichend dargestellt und kritisch diskutiert.
Die Ergebnisse zeigen, dass geringer wahrgenommener sozialer Support einen gravierenden Einfluss auf die Entwicklung von PPD hat und Frauen, die sozial weniger eingebettet sind ein höheres PPD-Risiko aufweisen. Diese Aussage ist jedoch stark von der kulturellen Herkunft, der subjektiven Wahrnehmung und den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen abhängig und muss unter Berücksichtigung dieser Faktoren betrachtet werden. Im Gegensatz dazu konnte „bottle-feeding“ nicht als eindeutiger Risikofaktor für PPD identifiziert werden. Die Annahme, dass Frauen die auf den Vorgang des Stillens verzichten (müssen) eher von PPD betroffen sind, kann nicht bestätigt werden, da hierbei die Gründe für den Verzicht des Stillens, die psychische Verfassung der Mutter und das genaue Stillverhalten („mixed feeding“, „exclusive breastfeeding“) berücksichtigt werden müssen. Sowohl die Vielschichtigkeit des Themas als auch unzureichend erforschte Aspekte wie PPD-Prävalenzen, Risikofaktoren und kulturelle Einflüsse, fordern genauere und aktuelle Datenaufnahmen und weitreichendere Untersuchungen. Außerdem ist in zukünftiger Forschung die Untersuchung der evolutionären Ausgangslage von PPD zu implementieren. Durch Vergleiche mit der Tierwelt, wo ähnliche Verhaltensweisen zu finden sind, können Rückschlüsse auf den evolutionären Hintergrund gezogen und somit allumfassendere Aussagen getätigt werden. Zudem wird der natürliche Kontext von PPD verdeutlicht, welcher der gegenwärtigen Stigmatisierung des Themas entgegenwirken kann. Um Aufklärung in diesem Bereich zu schaffen, ist demnach ein interdisziplinärer Forschungsansatz unter Berücksichtigung der Praxiserfahrungen des medizinischen Personals in den Vordergrund zu stellen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse ermöglichen letztendlich Schulungen der klinischen Belegschaft, welche dann wiederum zur Aufklärung der Patientinnen und ihrer Angehörigen beitragen kann. Auch gesellschaftlich und gesellschaftspolitisch wäre dem Thema PPD mehr Bedeutung zuzusprechen, was durch Dokumentarfilme, Veröffentlichungen von Erfahrungsberichten und Hinweise auf Hilfsangebote wie Selbsthilfegruppen erreicht werden kann. Das Aufklären der Gesellschaft kann zur Prävention von PPD und somit zur Gesundheit der Frauen und ihrer Kinder beitragen.
Abstract
(Englisch)
Postpartum depression (PPD) occurs in 14.3% of new mothers in Austria after delivery. With a global prevalence of 17.7%, PPD currently is the second most common mental complication during the postpartum phase and a public health problem. So far, the medical perspective of PPD as a “psychological disorder” has been in the foreground, which fosters stigmatization and the treatment of the subject as a taboo. At this point, the evolutionary approach could be of advantage, which shows PPD as an adaptive psychological mechanism, evolved over time. Here it is elaborated that the investment in an offspring is not automatic. A decrease of resources, triggered by low social support for example, forces the mother to question her investment in the newborn, as it includes considerable costs for her. As a natural mechanism, PPD appears in order to survive such unfavorable circumstances by reducing her investment in her own child and, thus, ultimately serves to maximize her fitness. Disadvantageous conditions are represented in biological, psychological and psychosocial factors. At this point, lower social support seems to indicate the highest association with PPD-development. In this study it was hypothesized that considering unfavorable circumstances caused by inadequate social support, women who perceive lower social support, particularly from the family and significant other, experience PPD more often than women who perceive higher social support. Furthermore, it has been argued that women who are unable to or forgo breastfeeding and exclusively bottle-feed, experience PPD more often than women who practice “exclusive breastfeeding” during their first year postpartum. Here, the reduced physical contact between mother and child is claimed to restrict the establishment of the mother-infant bonding and, therefore, increases the risk of PPD. In addition, it is supposed that bottle-feeding cannot substitute the psychological and physical benefits of breastfeeding, which also enhances the development of PPD.
A literature search with a focus on the last 30 years was conducted in this study in order to test the hypotheses. For this, the electronic databases u:search, PubMed, scopus, sciencedirect and Jstor were used to retrieve peer-reviewed original research articles and peer-reviewed review articles. Apart from the literature search, interviews were conducted with four experts working in the field of postpartum depression. At this point, a nurse, a psychologist, a psychotherapist and an evolutionary anthropologist were questioned respectively. Also, personal experiences with PPD of the formerly affected author Ulrike Schrimpf were incorporated via her biographic report. The outcome of the expert interviews and the author’s reports were discussed in the light of the existing literature.
The results show that perceived lower social support has a crucial influence on PPD-development and women who are confronted with an inadequate support system have a higher PPD-risk. However, this statement should be discussed by taking into account the cultural background, subjective perception, and individual needs of the mother, as these factors play a considerable role in terms of social support. Bottle-feeding, on the other hand, could not be pinned down as an individual risk factor for PPD. The assertion that women who are unable to or forgo breastfeeding and, therefore, exclusively bottle-feed, experience PPD more often cannot be confirmed. This is due to the fact that the reasons for refraining from breastfeeding as well as the psychological state of the mother and her breastfeeding behavior („mixed feeding“, „exclusive breastfeeding“) have to be taken into account. The complexity of the topic as well as insufficient data with regard to PPD-rates, risk factors and cultural influences require more precise data acquisition, current numbers, and further research in this field. Moreover, understanding the evolutionary basis of PPD should be emphasized in future investigations. By drawing comparisons with animals, its evolutionary background can be elucidated and general statements on this topic can be made. Also, the natural context of PPD would be highlighted, which eventually helps to fight stigmatization. In order to shed more light on PPD, an interdisciplinary research approach is needed while taking practical experiences of health workers into account. Taken together, the obtained insights finally allow training in the medical field, where knowledge can then be passed on to patients and their relatives. In addition, social and sociopolitical attention should be drawn to the topic of PPD, as informing society can prevent PPD and, therefore, increase women’s and babie’s health. This can be achieved through documentaries, publications of personal experiences with PPD and raising awareness on available support systems, such as PPD-mothers groups.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
postpartale Depression PPD sozialer Support Fläschchengeben stillen evolutionäre Adaption postpartale Rituale Funktionen des Stillens Risikofaktoren für PPD
Autor*innen
Sunitha Kavunga
Haupttitel (Deutsch)
Gering empfundene soziale Unterstützung und Fläschchengeben als Risikofaktoren für Postpartale Depression
Publikationsjahr
2019
Umfangsangabe
144 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Katrin Schäfer
Klassifikation
42 Biologie > 42.21 Evolution
AC Nummer
AC15493140
Utheses ID
52242
Studienkennzahl
UA | 190 | 445 | 344 |
