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Eine Protestaktion von und mit Flüchtlingen
Frame-Analyse der öffentlichen Debatte rund um die österreichische Refugee Protestbewegung
Martina Frühstück
Art der Arbeit
Magisterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Magisterstudium Publizistik-u.Kommunikationswissenschaft
Betreuer*in
Julia Wippersberg
DOI
10.25365/thesis.59404
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-25101.39466.242854-9
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Im Zentrum steht die Analyse der öffentlichen Debatte rund um die österreichische Refugee Protestbewegung aus den Jahren 2012 bis 2014. Das Forschungsinteresse bezieht sich auf die mediale Darstellung der Asyldebatte in der Aufnahmegesellschaft. Im Konkreten wird die Darstellung von protestierenden AsylwerberInnen in vier österreichischen Tageszeitungen (Der Standard, Die Presse, KURIER, Wiener Zeitung) untersucht. Die Studie untersucht, mit welchen Argumentationsmustern die handelnden Akteure die mediale Debatte führen. Die Auswahl der Refugee Protestbewegung begründet sich einerseits daraus, dass die öffentliche Debatte rund um die Themen Flucht, Asyl und Migration grundsätzlich geprägt ist von einer Vielzahl kontroverser Positionen und andererseits, die Protestbewegungen, die in zahlreichen mitteleuropäischen Großstädten stattfanden, zu einer grundsätzlichen Auseinandersetzung mit der Thematik des politischen Empowerment von AsylwerberInnen führte.
Das Spezifikum der europaweiten Refugee Protestbewegungen war die selbstständige Konstituierung der Bewegung durch die AsylwerberInnen. Die Asylsuchenden agierten als AktivistInnen, im Zentrum standen ihre politischen Aktionen und selbstartikulierten Forderungen an die politischen EntscheidungsträgerInnen. Die Refugees trugen ihr Ansinnen öffentlich wirksam vor und handelten eigenverantwortlich. Die Protestaktionen stellten eine neue Qualität des selbstorganisierten Widerstandes durch AsylwerberInnen dar. (vgl. Ataç, 02.2013)
Mit Hilfe der Mediendiskursanalyse wird untersucht, welche Akteure sich mit welchen Argumentationsmustern in der medialen Debatte positionieren und welche Änderungen im Untersuchungszeitraum feststellbar sind. Bestehende Ähnlichkeiten sowie Unterschiede zwischen vier österreichischen Tageszeitungen werden herausgearbeitet. Auch die Berichterstattungsstruktur wird analysiert, dies umfasst neben der Darstellungsform und der Ressort-Platzierung auch den Stellenwert und die generelle Bewertung der Thematik.
Forschungsleitend ist das Frame-Konzept. Kollektive und individuelle Akteure versuchen ihre spezifische Deutung eines Themas in der Öffentlichkeit zu platzieren. Das strategische Ziel der KommunikatorInnen ist es, die eigenen Deutungsmuster zu vermitteln und auf der gesellschaftlichen Agenda zu positionieren. (vgl. Matthes 2014: 9, 14f.) Akteure beziehen nicht nur Position zu einem Thema, sondern interpretieren dieses auch in spezifischer Weise. Mit Hilfe von Frames werden Themenaspekte und Deutungsmuster selektiert und hervorgehoben, um bestimmte Probleme, Ursachen, moralische Bewertungen oder Lösungen hervorzuheben. (vgl. Entman 1993: 52; Schulz 22008: 148f.; Matthes 2014: 11f.) Durch die Argumentationsmuster, die im öffentlichen Diskurs dargestellt werden, ist es den Akteuren möglich, ihre Positionen und Bewertungen des Themas zu kommunizieren und so die öffentliche Meinung zu beeinflussen. (vgl. Gerhards/Schäfer 2006: 123)
Das Ziel der Arbeit ist es zu untersuchen, wie über die Refugee Protestbewegung in österreichischen Tageszeitungen berichtet wird. Die forschungsleitende Frage wird durch weitere Forschungsfragen konkretisiert 1.) die Struktur und die dominierenden Akteurssysteme in der untersuchten Refugee-Berichterstattung sowie 2.) die verwendeten Argumentationsmuster und diese in Beziehung mit der Berichterstattungsstruktur und den Akteuren stellen. (vgl. Rhomberg/Kaiser 2015a: 19ff.)
Ziel der Arbeit ist es, die Deutungsrahmen in den Medien über die Protestbewegung von Asylsuchenden festzumachen, mit Akteuren zu verknüpfen und herauszufinden, ob sich diese im Untersuchungszeitraum verändern.
Für die empirische Untersuchung wird eine Kombination von qualitativen und quantitativen Instrumenten herangezogen. Die Grundlage der Untersuchung ist eine induktiv-explorative Inhaltsanalyse, in der die inhaltlichen Charakteristika des Diskurses erfasst werden. Sie bilden den Ausgangspunkt der quantitativen Analyse. Durch den explorativen Ansatz können Medien-Frames direkt aus der Stichprobe des Untersuchungsmaterials herausgearbeitet werden. Da die Frames im Folgenden auf ihre Häufigkeit ausgewertet werden sollen, ist eine systematische Inhaltsanalyse unumgänglich. (vgl. Rhomberg/Kaiser 2015a: 21ff.)
Die Medienauswahl orientiert sich an den Kriterien Reichweite, gesellschaftliche Relevanz, Abbildung unterschiedlicher politischer Ausrichtungen, Medienvielfalt und überregionale Verfügbarkeit. Um größtmögliche Verfügbarkeit zu schaffen wurden auf die Online-Nachrichtenportale von derstandard.at, diepresse.com, kurier.at und wienerzeitung.at zurückgegriffen. Der Untersuchungszeitraum umfasst 26 Monate. Die Untersuchungseinheit stellt Aussagen von Akteuren innerhalb eines Artikels dar, es kann sich hierbei um direkte und/oder indirekte Zitate handeln. Aussagen werden nach inhaltlich-semantischen Kriterien definiert.
Die inhaltsanalytische Untersuchung hat ergeben, dass es zwischen den untersuchten Tageszeitungen keine signifikanten Unterschiede bei der Darstellung der Protestbewegung gibt. Bei allen vier Medien stand eine objektive Berichterstattung im Mittelpunkt, die Tonalität war grundsätzlich sachlich und tatsachenbetont sowie nachweisbar positiv. Kein Medium wies eine eindeutig ablehnende Grundhaltung gegenüber der Protestbewegung auf. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass die Berichterstattung rund um die österreichische Refugee Protestbewegung im Untersuchungszeitraum stark anlassbezogen war. Die Höhepunkte der medialen Debatte lassen sich auf externe Ereignisse zurückführen. Die größte mediale Aufmerksamkeit erreichten die Refugees und ihre UnterstützerInnen zu Beginn der Protestbewegung mit der Besetzung einer Kirche in Wien. Ein weiterer Anstieg der Medienpräsenz lässt sich im Zeitraum Juli bis September 2013 feststellen. Dies kann voraussichtlich auf die Nationalratswahl 2013 und den vorhergehenden Wahlkampf zurückgeführt werden. Während des Wahlkampfs wurde von zahlreichen politischen VertreterInnen eine Reformierung der Asyl- und Fremdenrechtsgesetze gefordert.
Die Untersuchung ging auch der Frage nach, welche Akteure die mediale Berichterstattung dominieren. Auffallend bei der MultiplikatorInnen-Analyse ist, dass vor allem das politische System sowie die Refugee-Interessensgruppen und NGOs die Medien für die öffentliche Debatte nutzten. Es konnte nachgewiesen werden, dass unter den MeinungsführerInnen der Anteil jener Personen signifikant hoch war, der sich eindeutig für die Refugee-Bewegung und gegen restriktivere Zuwanderungs- und Asylgesetze ausgesprochen hat.
Auch wurde untersucht, welche Argumentationsmuster von den Akteuren verwendet wurden und welche die Berichterstattung dominierten. Die Untersuchung hat ergeben, dass u. a. die Darstellung, Beurteilung und Bewertung der einzelnen Akteurssysteme – v. a. von Politik und Verwaltung sowie Refugees – im Fokus der Berichterstattung standen. Der Schwerpunkt der massemedialen Diskussion lag eindeutig bei den formulierten Forderungen der einzelnen Akteure. Zu Beginn der Protestaktion wurde den Forderungen in der Berichterstattung viel Aufmerksamkeit geschenkt. Dies kann als Indikator dafür gesehen werden, dass die Zusammenhänge am Anfang medial eingeführt und diskutiert werden mussten.
ATAÇ, Ilker (02.2013): Die Selbstkonstituierung der Flüchtlingsbewegung als politisches Subjekt. http://eipcp.net/transversal/0313/atac/de. [21.03.2018]
ENTMAN, Robert M. (1993): Framing. Toward Clarification of a Fractured Paradigm. In: Journal of Communication 43 (4). S. 51–58. http://www.unc.edu/~fbaum/teaching/articles/J-Communication-1993-Entman.pdf. [23.03.2018]
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MATTHES, Jörg (2014): Framing. (RÖSSLER, Patrick / BROSIUS Hans-Bernd: Konzepte. Ansätze der Medien- und Kommunikationswissenschaft. Band 10). Baden-Baden.
RHOMBERG, Markus / KAISER, Jonas (2015a): Multiplikatorenanalyse zur Untersuchung von transformierenden gesellschaftlichen Strategien. (Climat Change | 21/2015). Dessau-Roßlau.
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Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Flucht Asyl Migration Refugee Protestbewegung Integrationsfunktion Massenmedien Realitätskonstruktion in Nachrichtenmedien Frame-Konzept Inhaltsanalyse
Autor*innen
Martina Frühstück
Haupttitel (Deutsch)
Eine Protestaktion von und mit Flüchtlingen
Hauptuntertitel (Deutsch)
Frame-Analyse der öffentlichen Debatte rund um die österreichische Refugee Protestbewegung
Publikationsjahr
2019
Umfangsangabe
III, II, 225 Seiten : Illustrationen, Diagramme
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Julia Wippersberg
Klassifikationen
05 Kommunikationswissenschaft > 05.20 Kommunikation und Gesellschaft ,
05 Kommunikationswissenschaft > 05.30 Massenkommunikation, Massenmedien: Allgemeines ,
05 Kommunikationswissenschaft > 05.31 Öffentlichkeit ,
05 Kommunikationswissenschaft > 05.32 Öffentliche Meinung ,
05 Kommunikationswissenschaft > 05.40 Nachrichtenwesen
AC Nummer
AC15545817
Utheses ID
52460
Studienkennzahl
UA | 066 | 841 | |
