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Theater und Flucht nach dem Sommer 2015 in Österreich
künstlerische und politische Strategien des Künstler_innenkollektivs "Die schweigende Mehrheit sagt JA!"
Karoline Suntinger
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Theater-, Film- und Medienwissenschaft
Betreuer*in
Birgit Peter
DOI
10.25365/thesis.59711
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-19653.78517.403854-1
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
In dieser Arbeit steht die Frage nach den politischen und künstlerischen Strategien des Kollektivs Die Schweigenden Mehrheit sagt JA! im Vordergrund, welches im Sommer 2015 gegründet wurde. Ihr primäres Ziel war es, auf die humanitäre Katastrophe, insbesondere auf die dramatischen Zustände im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen, aufmerksam zu machen, deren Ursprung in der ‚Flüchtlings- und Migrationskrise‘ zu verorten ist. In Zusammenarbeit mit geflüchteten Menschen kommt es zu der Erarbeitung des Theaterstücks Die Schutzbefohlenen performen Jelineks Schutzbefohlene und des Musicals Traiskirchen. Das Musical., welche hier einer genaueren Betrachtung unterzogen werden. Als Basis der Untersuchung dienen sowohl die literarische Aufarbeitung des politischen Theaters als auch die Durchführung qualitativer Interviews mit Mitwirkenden des Kollektivs, persönliche Aufführungsbesuche und der Rückgriff auf das Archiv der Internetseite der Schweigenden Mehrheit. Eine kritische Auseinandersetzung mit relevanten Begrifflichkeiten, sowie eine Orientierung an den Ansichten zu politischem Theater, welche der Theatertheoretiker Jan Deck teilt, unter-stützen die Untersuchung der angeführten Beispiele. Die Produktionen haben die Grundfeste des politischen Theaters gemein – sie wollen eine Veränderung von Wahrnehmungsmustern innerhalb der Gesellschaft erreichen und Kritik an politischer Unfähigkeit üben, sie arbeiten mit Stilmitteln der Provokation und Irritation im Dienst der Verfremdung. Die Umsetzung weist jedoch, aufgrund veränderter Rahmenbedingungen, wesentliche Unterschiede im Produktions- und Aufführungsprozess auf. Die Ergebnisse ermöglichen einen intensiven Ein-blick in die subjektiven Wahrnehmungen der Künstler_innen. Eine Analyse der kooperativen Arbeitsweise, des Spielortwechsels und der inklusionsfördernden Wirkung wurde dadurch erleichtert. Des Weiteren zeigen die Ergebnisse auf, dass der Angriff der Identitären Bewegung auf eine Aufführung eine Zäsur im Umgang mit Geflüchteten für das Kollektiv bedeutete – es sah sich mit Problematiken der Stereotypisierung, Passivität, Re-Traumatisierung und Objektivierung von Geflüchteten auf der Bühne konfrontiert. Die Analyse legt nahe, dass eine Normalisierung von Diversität innerhalb der Gesellschaft notwendig ist. Lösungsansätze dafür sind eine faire Umverteilung des Kulturbudgets zugunsten freier Kunstschaffender, eine Auflösung sprachlicher Barrieren und die Inklusion von Nicht-Österreicher_innen in den Kulturbetrieb, um gegen ein verzerrtes Bild der Gesellschaft zu arbeiten. Aktuell werden zwar Initiativen ergriffen, es besteht jedoch weiterhin Handlungs-bedarf auf gesellschaftlicher und politischer Ebene. Auch die Frage nach der idealen Umgangsweise mit Geflüchteten auf der Bühne bleibt weiterhin unbeantwortet.
Abstract
(Englisch)
This work focuses on the question of the political and artistic strategies of the collective The Silent Majority Says YES!, which was founded in the summer of 2015. Its primary goal was to draw attention to the humanitarian catastrophe, in particular to the dramatic conditions in the refugee camp in Traiskirchen, the origin of which can be traced back to the 'refugee and migration crisis'. In cooperation with refugees, the play Die Schutzbefohlenen performen Jelineks Schutzbefohlene and the musical Traiskirchen. Das Musical were developed. The projects are examined in more detail. The approach of the thesis is inter- and transdisciplinary. A profound theoretical understanding of political and artistic strategies of theatrical producers of the 20th and 21st century, qualitative interviews with participants of the collective, personal visits of performances as well as recourse to the archive of the website are the foundation of the master thesis. A critical examination of relevant concepts, as well as an orientation towards the views on political theatre shared by the theatrical theorist Jan Deck, support the analysis of the examples cited. Die Schutzbefohlenen and Traiskirchen have the foundations of political theater in common - they want to change patterns of perception with-in society and criticize political inability, they work with stylistic device of provocation and irritation in the service of alienation. The implementation, however, shows essential differ-ences in the process of production and performance between the theater play and the musical due to changed framework conditions. The results provide an intensive insight into the subjective perceptions of the artists. An analysis of the cooperative working method, the change of venue and the inclusion-promoting effect was thus facilitated. Furthermore, the results show that the attack of the ‘Identitären Bewegung’ on a performance meant a turning point for the collective in dealing with fugitives – the persons involved were confronted with problems of stereotyping, passivity, re-traumatization and objectification of fugitives on stage. The analysis suggests that a normalization of diversity within society is necessary. The solutions are a fair redistribution of the cultural budget in favor of self-employed artists, a disso-lution of language barriers and the integration of non-Austrians into the cultural sector in order to work against a distorted image of society. Although initiatives are currently being taken, there is still a need for action on a social and political level. The question of the ideal way of dealing with fugitives on stage also remains unanswered.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Die Schweigende Mehrheit sagt Ja Tina Leisch Bernhard Dechant Theater Flucht Migration postmigrantisches Theater Die Schutzbefohlenen Elfriede Jelinek Traiskirchen. Das Musical politisches Theater Jan Deck Flüchtlings- und Migrationskrise Flüchtlingskrise Theater mit Geflüchteten Theater der Unterdrückten
Autor*innen
Karoline Suntinger
Haupttitel (Deutsch)
Theater und Flucht nach dem Sommer 2015 in Österreich
Hauptuntertitel (Deutsch)
künstlerische und politische Strategien des Künstler_innenkollektivs "Die schweigende Mehrheit sagt JA!"
Publikationsjahr
2019
Umfangsangabe
1 Band (verschiedene Seitenzählungen)
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Birgit Peter
Klassifikation
24 Theater > 24.03 Theorie und Ästhetik des Theaters
AC Nummer
AC15532797
Utheses ID
52743
Studienkennzahl
UA | 066 | 583 | |
