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Zwischen - ein philosophischer Begriff in Perspektiven östlicher Philosophien
Johannes Bischof
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Philosophie
Betreuer*in
Arno Böhler
DOI
10.25365/thesis.59718
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-19652.79448.844713-6
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Zwischen ist ein Begriff, der in der interkulturellen Philosophie zunehmend an Bedeutung gewinnt. Als nicht näher definierbares inter steht er hier für eine Offenheit, die in der zwischen-kulturellen Begegnung auf beschreibende Fixierungen zugunsten eines Nachvollzugs von Grunderfahrungen, denen philosophisches Denken oder Tun aufruht, verzichtet. Wesentliche Impulse zu einer sich gerade neu findenden, multiperspektivischen interkulturellen Philosophie kommen dabei von der Kyoto-Schule, die ein Denken westlicher Philosophie in deren eigener Begrifflichkeit hinterfragt und herausfordert. Wo ein vorgängig substantialisierendes westliches Denken ein Zwischen findet, steht dem im Denken des Zen-Buddhismus eine grundsätzliche Offenheit der Leere gegenüber.
Der Frage, wie ein Zwischen in der östlichen Philosophie, im Kontext deren Strömungen und Perspektiven, gedacht ist, will diese Arbeit anhand zentraler Texte japanischer und indischer Philosophie nachgehen.
Die Arbeit ist in fünf Abschnitte gegliedert: Die Einleitung stellt aktuelle Bezüge zu dem Begriff in der europäischen interkulturellen Philosophie her und folgt anschließend in drei Kapiteln seiner Bedeutung in der östlichen Philosophie. Die Kapitel sind: a. Die Philosophie des Zen-Buddhismus in der Lesart der Kyoto-Schule, b. Metaphysik und Menschenbild in der Sāṃkhya Kārikā, dem ältesten atheistischen und dualistischen philosophischen System Indiens, und c. Die Philosophie des Yoga am Beispiel des Patañjali-Yoga-Sutra. In einer zusammenfassenden Schlussbetrachtung soll ein Denken des Zwischen, wie es sich den östlichen Philosophien darstellt, in den Grundzügen zusammengefasst werden.
Die Philosophie des Zen-Buddhismus und ein Denken der Leere, des „absoluten Nichts“, wie es in der Lesart der Kyoto-Schule als Meontologie zum Ausdruck kommt, wird in Grundlagentexten von zwei der bedeutendsten Vertreter der Kyoto-Schule deutlich. In Keiji Nishitanis „Vom Wesen der Begegnung“ werden grundlegende Unterschiede im westlichen und östlichen Denken offenbar, in Shizuteru Uedas Deutung der zehn Ochsenbilder, einer Lehr-Geschichte des Zen-Buddhismus, entfaltet sich der Weg der Befreiung als zunehmende Öffnung einer in sich selbst gefangenen Weltsicht. Śūnyatā, die Einheit von Leere und Form, zeigt sich dabei als Schlüsselbegriff für ein „Denken aus dem Zwischen“.
Die indische Philosophie und die hier ausgewählten Grundlagentexte – die Sāṃkhya Kārikā des Kapila und das Yoga Sutra des Patañjali – sind historisch weit vor dem japanischen Zen-Buddhismus anzusiedeln und erweitern und verdeutlichen Hintergrund und Grundannahmen östlicher Philosophie.
Die nüchterne Dialektik der Sāṃkhya Kārikā entfaltet die Matrix eines Seins-Geschehens, welches zwei transzendente Urprinzipien im Wunsch nach Erkenntnis als Schöpfung entfalten. Sie skizziert eine Metaphysik, aus der die an der realisierenden Erfahrung orientierten Wege von Buddhismus und Yoga ihren Ausgang nehmen. Der Mensch ist hier als jenes leibliche Zwischen gedacht, in dessen Erwachen sich der Schöpfungswunsch realisiert.
Das Yoga Sutra des Patañjali und der Kanon der zugehörigen Kommentarschriften dokumentieren und erläutern einen in vedische Zeit zurückreichenden Entwicklungsweg, der zu viveka-khyāti, der befreienden Schau, führt, die in der Erkenntnis des Wesensunterschiedes zwischen dem sehenden Prinzip und der sich ereignenden Schöpfung liegt.
Abstract
(Englisch)
The term in-between has recently been gaining importance in intercultural philosophy. As an inter that resists further definition, it stands for an openness that abstains from descriptive fixations in inter-cultural encounters and favours the comprehension of basic experiences that provide the foundations for philosophical thought or action. The Kyoto school, which questions and challenges thinking Western philosophy in its own terms, provides important stimuli. Where an a priori substantialising Western thought finds an in-between, there is, in Zen Buddhist thought, a fundamental openness to emptiness.
This contribution sets out to question how an in-between in Eastern philosophy is conceived in the context of its currents and perspectives on the basis of key texts of Japanese and Indian philosophy.
The paper is structured into five sections: the introduction contextualizes the term in current European intercultural philosophy; the significance of the term in Eastern philosophy is then traced in three chapters, which are a) the philosophy of Zen Buddhism in the Kyoto school’s interpretation; b) metaphysics and the conception of man in the Sāṃkhya Kārikā, the oldest atheist and dual philosophical system of India; and c) the philosophy of yoga in the example of the Patañjali Yoga Sutra. A summarizing conclusion finally aims to outline a thinking of the in-between as presented in these Eastern philosophies.
The philosophy of Zen Buddhism and a thinking of emptiness, of “absolute nothingness”, as expressed in the Kyoto school’s interpretation as meontology, is demonstrated in two basic texts of two of the most important representatives of the Kyoto school. In Keiji Nishitani’s “Vom Wesen der Begegung”, fundamental differences between Western and Eastern thought become apparent, while in Shizuteru Ueda’s interpretation of the Ten Bulls, a teaching story of Zen Buddhism, the path of liberation unfolds as a progressive opening of a worldview trapped in itself. Śūnyatā, the unity of emptiness and form, emerges as a key term for a “thinking from the in-between”.
Indian philosophy and the fundamental texts chosen here – the Sāṃkhya Kārikā of Kapila and the Yoga Sutra of Patañjali – come from a much earlier historical period than Zen Buddhism, and expand and clarify the background and basic assumptions of Eastern philosophy.
The Sāṃkhya Kārikā’s matter-of-fact dialectics unfold the matrix of being-as-event developed by two transcendent basic principles in the desire for knowledge as creation. It outlines a metaphysics that forms the origin of the paths of Buddhism and Yoga, which are aligned to actualizing experience. Here, the human being is thought as the bodily in-between in whose awakening the desire of creation is actualized.
The Yoga Sutra of Patañjali and the canon of its corresponding commentaries document and elucidate a development that goes back to Vedic times, which leads to viveka-khyāti, the liberating vision that lies in the knowledge of the essential difference between the seeing principle and creation taking place.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
in-between intercultural philosophy Zen Samkhya Yoga
Schlagwörter
(Deutsch)
Zwischen interkulturelle Philosophie Zen Samkhya Yoga
Autor*innen
Johannes Bischof
Haupttitel (Deutsch)
Zwischen - ein philosophischer Begriff in Perspektiven östlicher Philosophien
Publikationsjahr
2019
Umfangsangabe
VI, 100 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Arno Böhler
Klassifikationen
08 Philosophie > 08.10 Nichtwestliche Philosophie: Allgemeines ,
08 Philosophie > 08.31 Metaphysik, Ontologie
AC Nummer
AC15545283
Utheses ID
52750
Studienkennzahl
UA | 066 | 941 | |
