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Geständige Nazis
zur Sexualisierung von NS-Täter_innenschaft in der Literatur
Ursula Knoll
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Dr.-Studium der Philosophie (Dissertationsgebiet: Deutsche Philologie)
Betreuer*in
Wolfgang Müller-Funk
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.60510
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-21482.12535.985161-3
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
In meiner Dissertation setze ich mich mit vier einflussreichen Romanen der NS-Täter_innenliteratur auseinander, die NS-Täter_innenschaft über Geständnisnarrative sexualisieren: Edgar Hilsenraths Der Nazi & der Friseur (1971/dt. 1977), Michel Tourniers Der Erlkönig (1970/dt. 1972), Bernhard Schlinks Der Vorleser (1995) und Jonathan Littells Die Wohlgesinnten (2006/dt. 2008). Alle vier Texte sind fiktional und verschränken aus Täter_innensicht die Erfahrung der NS-Verbrechen mit Fantasien von sexuellem Begehren, in der Stimme eines autodiegetischen Erzählers. Anhand meiner Lektüren skizziere ich die Figuration geständiger Nazis, die die Romane erarbeiten, und stelle drei Thesen zu ihrer Funktion auf: Die Geständnislogik verstärkt die Funktion des gattungstypischen unzuverlässigen Erzählens, eine Identifikation mit NS-Täter_innen zu unterbinden. Indem die Romane offenlegen, dass ihr Geständnisnarrativ scheitert, fordern sie von den Lesenden ein, Position zu beziehen. Damit provoziert der Geständnismodus die Frage nach der Angemessenheit der Erzählweise, die im Akt des Lesens zwischen Text und Lesenden ausverhandelt werden muss. Die Romane thematisieren somit über ihren Aussagemodus selbst, welche Form der Auseinandersetzung mit Täter_innenaussagen möglich ist, um das Wissen um den Holocaust zu erweitern, nicht aber die Gewalt der Vernichtungsarbeit zu wiederholen oder die Opfer zu beschämen. Das ist das Neue, das die Texte in die Gattung der NS-Täter_innenliteratur einschreiben. Die Romane entwickeln somit auch eine spezifisch literarische Perspektive auf die Frage nach der (auch erotisierten) persuasiven Kraft, die der Faschismus entwickelte und bis heute abrufen kann, indem sie den persuasiven Aspekt des Geständnismodus instrumentalisieren und darüber (neo)faschistische Selbstviktimisierungsrhetoriken demaskieren.
Abstract
(Englisch)
In reading four influential novels of the genre of perpetrator literature as confessional narratives of sexualized Nazi perpetrators, I argue for a new perspective on these quite well known novels that explores the notion of the sexualized Nazi confessor as one figuration of Nazi perpetratorship that deploys literary selfreflection. Edgar Hilsenrath’s The Nazi & the Barber (1971), Michel Tournier’s The Erl-King (1970), Berhard Schlink’s The Reader (1995) and Jonathan Littell’s The Kindly Ones (2006) represent four novels which, despite their differences, all merge Nazi crimes with sexual fantasies within the voice of the autodiegetic narrator who is the perpetrator. I argue that the confessional mode enhances the unreliability of the narrator, which is constitutive for the genre of perpetrator literature. In using this technique the novels ask their readers for a critical distance to the narrated discourse through addressation and focalization, not only through the content deployed. In actively addressing the reader through the (erotised) persuasion of the confessional mode, the novels deploy an intrinsically literary perspective on the persuasive power of fascist ideology. By staging this aspect through their narration (and letting the confessions fail), the texts not only undermine the perpetrator’s self-justifying rhetoric. Moreover, the texts redirect the underlying, implicit question back to the readers: what kind of account given by a perpetrator may be possible to listen to in the sense of not becoming complicit in repeating the violence of the NS-mass murder nor in harming the perspective of the victims.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Nazi perpetrators Holocaust literature confessional narrative perpetrator literature sexualized figurations of Nazi perpetrators
Schlagwörter
(Deutsch)
NS-Täter_innen Holocaust Literatur Geständnisliteratur Nationalsozialismus und Geschlecht sexualisierte NS-Täter_innenbilder Geständnisnarrative in der Holocaust Literatur Faszination Faschismus
Autor*innen
Ursula Knoll
Haupttitel (Deutsch)
Geständige Nazis
Hauptuntertitel (Deutsch)
zur Sexualisierung von NS-Täter_innenschaft in der Literatur
Publikationsjahr
2019
Umfangsangabe
259 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Milka Cas Prisic ,
Stefan Krammer
Klassifikationen
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.62 Rhetorik, Stilistik ,
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.70 Literaturwissenschaft: Allgemeines ,
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.73 Literaturtheorie: Allgemeines ,
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.90 Literatur in Beziehung zu anderen Bereichen von Wissenschaft und Kultur ,
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.93 Literarische Stoffe, literarische Motive, literarische Themen
AC Nummer
AC15561473
Utheses ID
53469
Studienkennzahl
UA | 792 | 332 | |
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