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Die Erfindung der ökonomischen Rechtswissenschaft
von Jhering zu Posner
Stephan Vesco
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Rechtswissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Doktoratsstudium Rechtswissenschaften
Betreuer*in
Alexander Somek
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.62962
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-12300.29143.827164-2
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Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung im Rechtsdenken vom Formalismus zum „Ökonomismus“, das heißt hier der wirtschaftlichen Betrachtungsweise (law & economics), anhand der Konzeptionen Jherings, Hayeks und Posners. Meine These dabei ist, dass ein innerer Zusammenhang zwischen Formalismus und „Ökonomismus“ besteht, der Letztere bereits im Ersteren angelegt war, sich aus ihm bzw. einem dort auftretenden Problem in schlüssiger Weise entwickelt hat. Der Punkt des Umschlags zwischen beiden Konzeptionen ist bereits bei Jhering selbst zu rekonstruieren. Zunächst denkt er die Autonomie des Rechts (seine „festen, unbeugsamen Regeln“) als mit privater Willkürfreiheit und wirtschaftlicher Gedeihlichkeit korrelierend. Später hingegen zieht er die ökonomische Zielvorgabe des Rechts heran, um dessen Formen zu hinterfragen, gegebenenfalls umzuformen. Dabei wird die Preisgabe rechtlich gesicherter Räume individueller Freiheit in Kauf genommen. Dies führt über zur im zweiten Teil der Arbeit untersuchten Rechtstheorie Hayeks, die gerade mit dem Anspruch der Versöhnung individueller Selbstbestimmung und wirtschaftlicher Maximierung auf den Plan tritt. Deren genaue, im Abgleich mit dem klassischen Liberalismus vorgenommene, Rekonstruktion ergibt, dass sie diesen Anspruch nicht einzulösen vermag, weil sich die individuelle Freiheit hier in Wahrheit nachrangig und rein instrumentell zum eigentlichen Ziel der Effizienzsteigerung verhält. In law & economics wird die alleinige Maßgeblichkeit der Letzteren hingegen explizit postuliert. In diesem hier im dritten Teil behandelten Wirtschaftsmodell des Rechts versuche ich, zu rekonstruieren, wie der Ersatz der alten Dogmatik durch wirtschaftliches Effizienzdenken schließlich vollzogen wird, nämlich genau, indem Letzteres als neue Dogmatik in die klassische „hineinkopiert“ wird. Den kritischen Anspruch dieser Studie könnte man als „Wissen, woran man ist“ im durchaus materialistischen Sinne einer über die ökonomische Aufschlüsselung des Privatrechts zu erlangenden Klarwerdung über dessen Charakter und Funktionsweise sowie deren normative und politische Implikationen bezeichnen. Diese sind freilich nicht gleichbleibend, sondern verschieben sich mit der je unterschiedlichen Anknüpfung an das Ökonomische bzw. spezifischen Definition des Effizienzkriteriums.
Abstract
(Englisch)
This thesis analyses the evolution in legal thought from formalism to „economism“, here meaning law & economics, based on the conceptions of Jhering, Hayek and Posner. My hypothesis is that there is an inner connection between formalism and „economism“, that the latter was inherent in the former, or rather has developed from a problem appearing there in a consistent manner. The turning point between the two conceptions is to be reconstructed already in Jhering’s thought. Initially, he conceives of the autonomy of law (its „firm, unrelenting rules“) as correlating with private freedom of choice and economic prosperity. Subsequently, he uses the economic objective of the law to question its forms, and to recast them accordingly. In doing so, the abandoning of legally protected ranges of individual freedom is accepted. This leads to the legal theory of Hayek, examined in the second part of this thesis, which enters the picture precisely with the aspiration to reconcile individual self determination and economic maximization. Its exact reconstruction, undertaken in comparison with classic liberalism, shows that it is no capable of fulfilling this claim since individual freedom in reality entertains a subordinary and purely instrumental relation to its aim of enhancing efficiency. Conversely, with law & economics the sole decisiveness of the latter is excplicitly postulated. In this conception of the law, discussed in the third part of this thesis, I try to reconstruct how the replacement of the old legal doctrine by efficiency-oriented thought is finally accomplished, namely precisely by a process in which the latter is „copied“ into the former. The critical claim of this thesis could be phrased as „knowing where one stands“ in a explicitly materialistic sense of breaking down private law in economic terms and thereby acquiring clarity about its character and operating principle as well as their normative and political implications. These are indeed not constant, but alter with the ever specific connection to economic thought, or rather the specific definition of the efficiency criterion.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Theory of private law Formalism Economics Utilitarism Neoliberalism Efficiency Jhering Hayek Posner law & economics
Schlagwörter
(Deutsch)
Privatrechtstheorie Formalismus Ökonomie Utilitarismus Neoliberalismus Effizienz Jhering Hayek Posner law & economics
Autor*innen
Stephan Vesco
Haupttitel (Deutsch)
Die Erfindung der ökonomischen Rechtswissenschaft
Hauptuntertitel (Deutsch)
von Jhering zu Posner
Publikationsjahr
2020
Umfangsangabe
vii, 263 Seiten : Diagramm
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Stefan Hammer ,
Christian Stadler
Klassifikationen
08 Philosophie > 08.44 Sozialphilosophie ,
08 Philosophie > 08.45 Politische Philosophie ,
83 Volkswirtschaft > 83.10 Wirtschaftstheorie: Allgemeines ,
86 Recht > 86.02 Rechtsphilosophie
AC Nummer
AC16119900
Utheses ID
55657
Studienkennzahl
UA | 783 | 101 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1