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Die unterschiedliche Darstellung der Städte Brody und Buczacz in historischen Narrationen
Wolfgang Zehetbauer
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Lehramtsstudium UF Geschichte, Sozialkunde, Polit.Bildg. UF Deutsch
Betreuer*in
Christoph Augustynowicz
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.63358
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-18867.43844.132367-2
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Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Arbeit stellt einen Vergleich der Historiographien der sich heute in der Ukraine befindenden Städte Brody und Buczacz dar. Im Laufe der Geschichte bildeten Ukrainer, Polen und Juden die Hauptethnien der Städte, deshalb werden die Historiographien aus dem Blickwinkel dieser drei Ethnien ausgewählt und aus deren Sicht beleuchtet. Im Vergleich konnte festgestellt werden, dass die Historiographien jeweils aus polnischer, ukrainischer und jüdischer Sicht durchaus voneinander abweichen, einerseits was die Themenwahl anbelangt, andererseits was die Beschreibungen für die Städte wichtiger Ereignisse betrifft. So beginnen zum Beispiel die Historiographien zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Während polnische und jüdische Geschichtsschreibungen erst mit der offiziellen Stadtgründung im 15. Jahrhundert beginnen, beruft sich die ukrainische Historiographie auf ein Bestehen der Städte schon seit der Vysocka-Kultur in der Urzeit. Der Chmelnyckyj-Aufstand wird aus unterschiedlicher Sichtweise dargestellt, die Polen berichten aus der Position der Sieger, die ukrainische und jüdische Narration betont vor allem die Gräueltaten, die während des Aufstands begangen wurden. Auch die Entscheidungsschlacht bei Beresteczko wird aus unterschiedlicher Sicht erzählt, während die Polen den Sieg der Schlacht für sich beanspruchen, sehen die Ukrainer die Schlacht als unentschieden an. Die polnische Narration betont überhaupt die guten Taten und Ereignisse während der Regierung der polnischen Stadtbesitzer, die Ukrainer verschweigen diese Zeit oft lieber, und die Juden bestehen in ihren Historiographien darauf, schon immer Teil der Stadt gewesen zu sein. Auch seitens der Religion sind Unterschiede erkennbar. Die polnischen Historiographien beschreiben zum Beispiel auch katholische Klöster, da deren Verfasser oft Mitglieder von katholischen Orden sind, die ukrainische Narration berichtet derweil viel über die Orthodoxie und später auch über das Aufkommen der griechisch-katholischen Kirche, die jüdische Narration hingegen lässt andere Religionsgemeinschaften großteils außen vor und beschränkt sich auf das Judentum. Hier ist jedoch sehr interessant zu beobachten, wie auf die unterschiedlichen jüdischen Strömungen (z.B. den Chassidismus) eingegangen wird. Die Habsburgerzeit bringt für die Polen keine Helden mehr, daher wird in der polnischen Historiographie während der Habsburgerzeit das Bürokratische und Administrative in den Vordergrund gestellt. Auch bei der ukrainischen Historiographie steht die Bürokratie während der Habsburgerzeit im Vordergrund, zusätzlich betonen die Ukrainer noch ihre Loyalität zu Kaiser Franz Joseph, die sie ihm im Revolutionsjahr 1848 bekundeten. Die Loyalität zu den Habsburgern wird auch von den Juden ganz stark betont. Der Erste Weltkrieg spielt in den polnischen Historiographien kaum eine Rolle, die Ukrainer stellen beim Ersten Weltkrieg weniger das Kriegsgeschehen, als die Hoffnung auf die Gründung eines unabhängigen ukrainischen Staates in den Vordergrund. Während der Zwischenkriegszeit betont die polnische Historiographie den gelungenen Wiederaufbau und damit verbunden natürlich wieder die guten Taten der Polen, die Ukrainer sprechen zumindest von einem guten Miteinander der unterschiedlichen Ethnien, für die jüdische Historiographie ist es weniger ein Miteinander, als ein Nebeneinander. Beim Zweiten Weltkrieg steht die Schuldfrage, vor allem die Frage der Mitschuld im Vordergrund des Forschungsinteresses. Die ukrainische Historiographie verschweigt sehr gerne und oft, dass die Ukrainer an der Judenermordung und zum Teil auch an der Ermordung von Polen beteiligt waren, dafür rühmen sie die Taten von Stepan Bandera und seinen Anhängern. Für die Polen ist Bandera naturgemäß negativ und so wird er auch in deren Historiographie dargestellt, für die jüdische Historiographie stellt die Zeit des Zweiten Weltkriegs natürlich die absolute Katastrophe dar, etwas Positives kann aus deren Sicht nicht berichtet werden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden Brody und Buczacz Teil der Ukrainischen SSR, während dieser Zeit wurden keine Historiographien die beiden Städte betreffend verfasst. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs rücken die Gebiete wieder mehr in das historische Forschungsinteresse, allerdings sind heutige Historiographien großteils viel objektiver und beleuchten die Geschichte nicht mehr nur aus einem bestimmten ethnischen Blickwinkel.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
historischer Vergleich historische Narrationen Brody Buczacz Galizien Polen Österreich-Ungarn Ukraine Sowjetunion
Autor*innen
Wolfgang Zehetbauer
Haupttitel (Deutsch)
Die unterschiedliche Darstellung der Städte Brody und Buczacz in historischen Narrationen
Publikationsjahr
2020
Umfangsangabe
148 Seiten : Diagramme, Karten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Christoph Augustynowicz
Klassifikationen
15 Geschichte > 15.01 Historiographie ,
15 Geschichte > 15.49 Ostmitteleuropa ,
15 Geschichte > 15.96 Geschichte des jüdischen Volkes außerhalb des Staates Israel
AC Nummer
AC16145285
Utheses ID
56194
Studienkennzahl
UA | 190 | 313 | 333 |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1